Singende Professoren, einsame Physiker

Schon zum sechsten Mal fand am dritten November 2015 der Regensburger Science Slam im Audimax statt. Wie Physikstudenten endlich an Frauen kommen und was einen Professor der Biochemie zum Singen brachte – unser Autor Tilman Leicht berichtet von der »Schlacht der Wissenschaftler«.

ScienceSlam

Im bis zum letzten Platz gefüllten Audimax luden Raimund Lehle und Stefan Christoph zum nun schon sechsten Mal in ihr »wissenschaftliches Wohnzimmer«. Vom Sofa aus begrüßten sie das Publikum am Dienstagabend und versprachen große wissenschaftliche und gleichzeitig spannende Unterhaltung in den nächsten zwei Stunden. Wie schon im Vorjahr waren zwei Teilnehmer kurzfristig vom Slam abgesprungen und hatten somit Moderatoren und Publikum sowie die zwei übrigen Referenten deren Schicksal überlassen. Herbert Tschochner, Professor der Biochemie, und Max Gmelch, Student der Physik, sollten dennoch bald ihre zehn Minuten bekommen, um das Publikum mit ihrem Vortrag zu unterhalten und den Zuschauern ihr jeweiliges Forschungsgebiet ein Stück weit näher zu bringen. Eingeleitet wurde der Abend vom Regensburger Bewegungstheater und dem bekannten Poetry-Slammer und Kabarettisten Thomas Spitzer. Spitzer, der auch im letzten Jahr schon versucht hatte den Redeanteil der kurzfristig abgesprungenen Slammer zu kompensieren, durfte sich über großen Zuspruch aus dem Publikum freuen und sorgte für einige Lacher mit Texten, die teilweise aus seinem Buch »Wir sind glücklich, unsere Mundwinkel zeigen in die Sternennacht wie bei Angela Merkel, wenn sie einen Handstand macht« stammten. Der ehemalige Regensburger Student scheint sich zum heimlichen Star und Zugpferd des Regensburger Science Slams zu mausern und würde vom Publikum wohl schmerzlich vermisst werden, sollte er im nächsten Herbst nicht mehr auftreten.

Mit Max Gmelch eröffnete dann ein erfahrener Redner das »Battle«. Der Student ist, wie schon Vorjahressieger Dr. Jörg Mertins, Physiker und zugleich Bayern-Gewinner des FameLab, eines bundesweiten Science Slams. Der 24-Jährige erklärte routiniert und mit viel Humor das dimensionale Denken des Menschen. Unter dem Titel »X, Y und Z. Zum Glück!« sinnierte Gmelch über die Probleme von Physikern, an attraktive Frauen zu geraten. Dies sei in einer eindimensionalen Welt deutlich schwieriger als in einer dreidimensionalen Welt. Jedoch könne der Physiker, oder auch sicher die Physikerin, über eine vierte Dimension an das Objekt der Begierde gelangen. Für die simple Darlegung eines, für Laien, komplexen physikalischen Sachverhaltes erntete Gmelch großen Applaus und durfte sich zurecht große Hoffnungen auf den Sieg machen.

Etwas holprig wurde dann nach der Pause der zweite Teilnehmer, Herbert Tschochner, anmoderiert, welcher dann schnell zu seinem Vortrag »Wie man mit Forschung an Ribonukleoproteinkomplexen (nicht) berühmt werden kann« überging. Nach trockenen Anfangsminuten und der einzigen Erkenntnis, dass diese »RNPs« in der Automobilindustrie Einsatz finden, drohte Dr. Tschochner seine Zuhörerschaft zu verlieren. Doch dann fing er an, den wissenschaftlichen Apparat, in dem er selber arbeitet, auf’s Korn zu nehmen. Ironisch wurde der Spagat eines Wissenschaftlers zwischen Forschung und Networking auf zahllosen internationalen Konferenzen beschrieben. Das Dilemma der nötigen finanziellen Wohltäter, welche lediglich »nicht fett, nicht krank, nicht hässlich oder nicht impotent« werden möchten, sorgte beim Publikum für einige Lacher, obwohl dieses in gewisser Weise selbst gemeint war. Abschließend gab der Biochemieprofessor, der unter anderem in Heidelberg und Stanford lehrte und 1987 in Regensburg promovierte, seinen selbst geschriebenen Song »Ekstase«, der seinen Arbeitsalltag besingt, zum Besten und hatte damit auch den letzten Kritiker im Publikum überzeugt.

Am Ende hatte keiner der beiden Kontrahenten die Nase vorne der sechste Regensburger Science Slam endete mit einem verdienten Unentschieden.

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