»Auch mit Musik kommt man in die Pubertät…«

Mit 17 bekam er seinen ersten Plattenvertrag – im März erschien sein mittlerweile fünftes Album “Kraniche”, das er zum Teil in der Türkei produzierte: die Rede ist von Axel Bosse, der am Sonntagabend das POA noch einmal gehörig in der Richtung des energetisch-rockigen Indiepop aufmischte. Mit der Lautschrift sprach er über Kurt Cobain, das Verstecken hinter einer Gitarre und seine “neue Mitte”.

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Das hier ist ja ein eher überschaubarer Rahmen – spielst du denn grundsätzlich lieber vor einem kleineren oder größeren Publikum?

Das kommt ganz drauf an. Festivals sind ja immer etwas ganz Eigenes und ziemlich aufregend. Ich mag kleinere Sachen lieber als sowas ganz riesiges wie das Hurricane, als Musiker ist das irgendwie mehr wie Urlaub. Aber im Grunde ist es mir eigentlich egal – genauso wie die Uhrzeit, solange die Leute gut sind. In wahrer Festivalatmosphäre im Dunkeln spielen ist natürlich toll, vor allem weil ich früher immer auf Festivals im Merchandise gearbeitet habe, da ist das natürlich etwas Besonderes. Ich hänge wirklich gerne auf dem Gelände rum und sehe mir die Bands an, gerade habe ich schon Claire und Wallis Bird gesehen und ich werde heute bestimmt noch ein paarmal an die Bühne schauen.

Über dich wurde in letzter Zeit schon geschrieben, dass du eine “neue Mitte” gefunden hast und jetzt ein “neuer Bosse” bist – stimmt das?

Bestimmt irgendwie, mein neues Album ist zurzeit mein größtes Erfolgserlebnis – ich bin so stolz, dass ich es nach 14 Jahren immer noch schaffe, ein Album zu machen, das mir etwas bedeutet und ich freue mich über jeden Song, der aus mir rauskommt. Alles ist neu und natürlich gehe ich manchmal einen Schritt weiter und dann wieder zurück, aber ich denke auch, dass ich mich musikalisch nicht mehr festlegen muss. Vielleicht mache ich bald ein Techno-Album, vielleicht auch eins das klingt wie Rock’n’Roll, jeder Song ist da was Neues. Ich muss nicht mehr einfach nur an meiner Gitarre bollern und dabei das Gefühl haben, mich dahinter zu verstecken.

Mit Musik ist das ja wie mit Menschen auch, man kommt in die Pubertät, dann bekommt man Kinder und irgendwann weiß man, was man möchte – ich möchte gute Musik machen und habe hohe Ansprüche an mich und mittlerweile ist es mir egal, was andere sagen. Ich mache mein Album und dann ist es eigentlich egal, was damit passiert.

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Du sagst auch, dass Kurt Cobain eins deiner musikalischen Vorbilder wäre – was genau macht diese Faszination aus?

Ich finde ihn einfach super, er hat genau wie zum Beispiel David Bowie ein unfassbares Charisma. Ich hab auch Nirvana zu ihrer Zeit dreimal live gesehen, beim ersten Mal war ich ungefähr elf und mein großer Bruder hat mich nach Bremen mitgeschleppt. Ich glaube, hauptsächlich hat mich daran angezogen, dass er so anders war als alles, das ich in meinem Leben gewohnt war. Ich bin behütet aufgewachsen zwischen Freiwilliger Feuerwehr und Dorffesten und dieser Typ war einfach so kaputt und liebenswert. Ich war immer so geborgen und er war das totale Gegenteil!

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Ziehen dich Gegenteile immer noch an?
Ich denke schon noch bis zu einem gewissen Grad, aber ich brauche keine Gegenteile für ein erfülltes Leben.

Du bist also weiser geworden?

Verglichen mit mir vor… 19 Jahren oder so bin ich bestimmt entspannter und ausgeglichener. Ich laufe nicht mehr suchend durch die Welt und kann auch länger an einem Ort bleiben – das brauche ich alles nicht mehr. Weise ist dafür aber nicht das richtige Wort.

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