Punkt, Punkt Komma Strich

Die Akademische Schreibberatung der Uni Regensburg bietet ein umfassendes Unterstützungsprogramm beim Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten.

Alles steht bereit. Der Laptop ist hochgefahren, das Schreibprogramm geöffnet. Die Bücher sind aufgeschlagen, Stift und Block gezückt. Es könnte nun so einfach sein, loszuschreiben. Doch nichts geht. Die totale Schreibblockade. Was war noch mal mein Thema? Wie lautete die Fragestellung? Worauf wollte ich hinaus? Wie beginne ich jetzt am besten? An welcher Stelle wollte ich noch auf welche Weise weiterarbeiten? Absolute Leere im Kopf.

Probleme beim Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten haben viele Studenten. Unabhängig davon, ob die Master- oder Diplomarbeit, Bachelor Thesis, Dissertation oder eine Seminararbeit ansteht. Die Lösung bietet die akademische Schreibberatung – zu wenige kennen sie, viel mehr bräuchten sie. Christine Braun, die Anglistik, Amerikanistik und Germanistik studierte und schon in den USA lehrte, leitet mehrere Schreibkurse und bietet in einer offenen Sprechstunde ratsuchenden oder neugierigen Studenten ihre Unterstützung an.

»In den USA sind Schreibberatungen bereits gang und gäbe. Die Studenten werden sogar von ihren Dozenten dort hingeschickt oder die Kurse sind von vornherein obligatorisch.« In Deutschland werde eine Beratung hingegen häufig als Schwäche angesehen, sagt Braun. Nur langsam setzt sich auch an deutschen Universitäten der Trend durch, Schreibberatungen anzubieten.

Vorreiter in der professionellen Hilfe finden sich derzeit aber vor allem in Nord- und Mitteldeutschland. In Süddeutschland ist neben Bayreuth und München bisher nur die Universität Regensburg auf diesem Gebiet aktiv. Auch Schreiben gehört zu den Wissenschaften, betont Braun. Das zugehörige Know-how kann man erlernen und muss man üben. In der Schule lerne man das wissenschaftliche Schreiben nicht, an der Uni wird diese Fähigkeit aber vorausgesetzt. Hier wird es dann problematisch.

Das Angebot richtet sich an alle Studenten jeglicher Fachrichtungen (ja, auch an die Naturwissenschaftler!), ob zu Beginn, mittendrin oder bereits am Ende des Studiums. Braun versucht, den Studenten zu helfen, ihre Probleme und die Gründe dafür zu erkennen, Strategien zu entwerfen sowie Unterstützung bei der Planung zu geben. Dabei soll es nicht darum gehen, den Studierenden fertige Lösungen vorzulegen oder in die Textproduktion einzugreifen. Besonders das Fachliche ist hier nebensächlich. Vielmehr soll der eigene Schreibtyp gefunden und bei der Arbeit berücksichtigt werden.

Seit drei Semestern werden nun bereits Kurse durchgeführt und Beratungsstunden abgehalten. Die Teilnehmerzahl steigt zwar stetig, aber noch viel zu wenige kennen und nutzen das Angebot. Dabei zeigen sich meist rasch Erfolge. Die Auswahl an Programmen ist groß: von Schreibworkshops über Academic Writing and Reading auf Englisch bis hin zu Schreibwochen in den Semesterferien. Außerdem finden Schreibgruppen statt, in denen Studenten verschiedener Fachrichtungen Texte der anderen Teilnehmer gegenlesen und Feedback geben. Braun erklärt: »Die Teilnahme an solchen Gruppen ist nicht zeitintensiv, aber höchst effektiv. Ich halte mich hier eher im Hintergrund und werde nur beratend hinzugezogen.«

Während sich fachbezogene Propädeutika im ersten Semester um das Was kümmern, hilft Braun beim Wie. Außerdem wird eine Kursteilnahme mit ein bis drei ECTS belohnt. Zusätzlich kann jeder Student in der offenen Sprechstunde (donnerstags, 14–16 Uhr, VG 3.24) bei ihr vorbeischauen und sich beraten lassen. Ihre Unterstützung ist völlig legal und wird absolut vertraulich behandelt.

Zum Schluss verrät Braun noch ein paar Geheimtipps: Eine vollendete Arbeit vor der Abgabe noch einige Tage »reifen« zu lassen, hat einen ähnlich guten Effekt wie Feedback zu bekommen. Das geht natürlich nur, wenn die Deadline nicht schon vor der Tür steht. Außerdem empfiehlt sie aus eigener Erfahrung das sogenannte »Free Writing« nach Peter Elbow, eine Methode ähnlich dem Mindmapping. Dabei darf für einige Minuten der Stift nicht abgesetzt werden: Alle Einfälle müssen und sollen dokumentiert werden. Aus der Vogelperspektive heraus werden dann die Notizen geordnet und neu zusammengefügt.

Weitere Infos zu Schreibberatung:

  • Jeden Donnerstag findet zwischen 14 und 16 Uhr im Raum VG 3.24 eine offene Sprechstunde statt.
  • Fragen zum Layout von wissenschaftlichen Arbeiten beantwortet Christian Stang.
  • Um das Programm zu verbessern und optimal den Wünschen und Bedürfnissen der Studenten anzupassen, ist Feedback nötig. Dafür wird auf der Webseite der Schreibberatung eine zeitlich unbegrenzte Befragung durchgeführt. Hier ist Platz für Kritik, Anmerkungen,Verbesserungsvorschläge und Denkanstöße sowie Anregungen.

Text: Ina Jeske, erschienen im Sommer 2012 in der glauben-Ausgabe.

Grafik: Christian Basl

 

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