Eine kleine bayerische Hippiebewegung

Stefan Dettl ist ein bayerisches Original. Mit seiner Bayern-Balkan-Brass-Band LaBrassBanda und seinem Soloprojekt weiß er, wie er seine Fans zum Ausrasten bringt. In einem Interview mit der Lautschrift redete er  über die Veröffentlichung des neuen Stefan Dettl Albums „Summer of Love“ und darüber, worauf es ihm bei einem guten Konzert wirklich ankommt.

Lautschrift: Wie war der Auftritt gerade eben?

Stefan: Überraschenderweise echt gut.

Warum überraschenderweise?

Stefan: Als ich herkam und die ganzen Industrieanlagen sah, dachte ich mir nur:  “Oh Gott, wo bin ich denn hier gelandet?” (Lacht). Aber die Leute haben eine super Stimmung gemacht, alle sind echt ausgerastet. Das macht uns Spaß und dann ist das auch ein gutes Festival.

Du kennst das ja schon von deiner anderen Band LaBrassBanda. Dort spielst du aber Trompete und singst. Mit deinem Projekt Stefan Dettl singst du zwar auch, bist aber an der Gitarre. Macht dir eines von beiden mehr Spaß?

Stefan: Die Kombination ist super. Mit ‚BrassBanda’ machen wir viel Tanzmusik, mit der anderen Band kann man sich die Rocksachen raus schreien. Ich bin ganz froh, dass ich diese zwei Projekte habe, mit denen ich beides ausleben kann.

Also bevorzugst du keines von beiden?

Stefan: Es ist so, dass du dich auf die Arbeit mit der anderen Band freust, wenn du 40, 50 Konzerte mit einer Band gespielt hast. Du kommst einfach rein in einen gewissen Trott. Die Abwechslung ist dafür ganz gut, dass es dir wieder Spaß macht. Es ist toll, dass du die Möglichkeit hast, dich dann auch wieder anderweitig musikalisch auszuleben.

Dann kann man auch eher wieder Ideen für die andere Band sammeln…

Stefan: Genau, wir haben eine lange Rocktour gemacht. Jetzt freue ich mich wieder richtig auf ‚BrassBanda’, weil wir auf ein paar Festivals spielen dürfen. Ich habe es mir selber auch nicht so vorgestellt, aber das lässt sich beides ganz gut lösen.

Mit LaBrassBanda bringst du demnächst ein neues Album heraus. Was passiert dann mit dem Projekt um Stefan Dettl?

Stefan: Ende Juni kommt das neue Stefan Dettl Album raus. Am 14. Juli wird die Labrassbanda Live-CD veröffentlicht. Ganz viele Leute- auch von Plattenfirmen- sagen, dass das nicht vereinbar ist und dass man nicht so viele Platten auf einmal herausbringen soll. Früher haben die Bands immer mehrere CDs in einem Jahr veröffentlicht. Die Beatles zum Beispiel haben innerhalb eines Jahres vier Platten publiziert. Es ist wichtig, dass Leute wieder ganz viele eigene Lieder und Alben bekommen. Ich glaube, da müssen die Leute ein bisschen zurück zu dem, wie es früher einmal war.

Wie sortierst du deine Ideen? Wann weißt du, das passt jetzt eher zu LaBrassBanda, das eher zu Stefan Dettl?

Stefan: Hm, das ist eigentlich ziemlich einfach. Wenn ich etwas auf der Trompete spiele, ist es für Brassbanda. (Lacht) Wenn ich etwas auf der Gitarre mache, ist es für die Rockband. Wenn dann wieder etwas auf dem Klavier kommt, passt das in keine der beiden Bands, da bräuchte man dann wieder eine andere  Band. Das ist immer so: Ein Musikstück gibt die Besetzung vor.

Hast du dann auch noch eine dritte Band?

Stefan: Noch nicht. Das mache ich dann, wenn ich 60 bin, glaube ich. (Lacht)

Ende  Juni wird das neue Stefan Dettl Album „Summer of Love“ veröffentlicht. Das Cover ist diesmal ein komplett anderes als das Cover des Vorgängers „Rockstar“. Zuerst war da ein  Album, das zumindest auf dem Coverbild eine  eher coole Rockerattitüde ausstrahlt und dann kommt mit „Summer of Love“ eines, das auf die Hippie-Bewegung anspielt. Was steckt da für eine Intention dahinter?

Stefan: Cool sind wir, glaube ich, noch nie gewesen. (Lacht) Das ist ja gerade das Schöne, wir können einfach so wie wir gerade Lust haben auf die Bühne gehen und das, ohne hergestylt und geschminkt sein zu müssen. Das finden die Leute gut, die da genau so sind. Das ist bei „Rockstar“ auch so gewesen. Bei „Summer of Love“ sieht man die Hippiebewegung. Was ich an dieser total spannend finde, ist, dass man sich einfach wieder auf die wichtigen Sachen konzentriert. Dass man zum Beispiel wieder etwas richtig Gutes isst und nicht nur diesen Supermarktscheiß. Dass man sich vielleicht auch selber etwas anpflanzt und einfach wieder ein bisschen mehr Liebe in die Sachen steckt, die man macht. Da ist jetzt die Hippie-CD als eine kleine, bayerische Hippiebewegung.

Das ist dann auch mit dem nackten Mann, der auf dem Cover abgebildet ist, so?

Stefan: Ja, der scheißt sich auch nichts. (Lacht) Der ist nackt und fett und das ist ihm wurscht.

Wie kommen dir genau heutzutage die Ideen für eine CD im Stile der 70er? Gerade jetzt ist ja eher elektronische Musik angesagt…

Stefan: Ich glaube, dass es vor allem die ganzen Festivalbesucher merken, wenn Musiker auf der Bühne stehen, die ein Instrument beherrschen, viel Zeit im Proberaum verbracht haben und auch noch wirklich etwas auf der Bühne passiert. Da ist nicht alles geplant und es wird nicht alles komplett computermäßig abgespielt, sondern es steckt auch wirklich noch eine Musik und Leidenschaft dahinter. Ich glaube, das ist ganz wichtig. Musiker, die von der Computertechnik abhängig sind, tun sich auf so einem Festival echt schwer, weil sie nicht auf die Leute eingehen können. Es ist wichtig, dass auf Festivals wieder richtige Musikanten spielen.

Bist du dann eher nicht so der Elektrofan?

Stefan: Ich mag Elektro wirklich gerne zum Tanzen, aber da schaue ich nicht auf die Bühne. Da ist man eher mit sich selbst beschäftigt und tanzt und schwitzt so zwei, drei Stunden. Das ist auch super, aber auf einem Festival möchte ich auf die Bühne schauen und wissen, was da passiert und auch sehen, dass die Typen da vorne schwitzen und sich wirklich  verausgaben. Elektro ist eher für eine Aftershowparty super.

Was war dein letztes Konzert, auf dem du als Zuschauer warst?

Stefan: Das war bei den Foo Fighters in Übersee. Das war das schönste Konzert, auf dem ich bisher war.

Das war 2011 auf Chiemsee Rocks, auf diesem Festival habt ihr mit ‘Stefan Dettl’ auch gespielt…

Stefan: Wir durften die Vorband sein, was Wahnsinn war. Ich war noch nie so nervös. (Lacht) Dann kam Dave Grohl mit den Foo Fighters, die haben dann zweieinhalb Stunden so ein schönes Konzert gemacht. Da glüht mein Herz immer noch, wenn ich daran denke, weil das echt super war.

Würdest du Dave Grohl als eines deiner persönlichen Vorbilder bezeichnen?

Stefan: Ich finde ihn  Wahnsinn. Er hat die ersten fünf, sechs Jahre mit den Foo Fighters echt Probleme gehabt, ist angeeckt. Das war nicht leicht, aber er hat weiter gemacht. Er lässt sich nicht unterkriegen. Die Band gibt es mittlerweile seit 15 Jahren. Er ist definitiv ein Vorbild.

Dann danke ich dir herzlich, noch einen schönen Abend.

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