„Als Künstler darf man Fehler machen“

Das Raggae-Dancehall Duo um Mono und Nikitaman sind schon lange Künstler im Musikgeschäft. Der Lautschrift erklärten sie, was im Leben  wirklich wichtig ist und welche Rolle das Gefühl von Freiheit dabei spielt.

Lautschrift: Wie findet ihr die Location um das Festival?

Mono: Es ist total schön. Uns wurde gesagt, dass auf der Bühne schon der Papst stand.

Nick: Wir freuen uns auf jeden Fall auf den Auftritt hier heute Abend.

Ihr seid schon lange im Musikgeschäft und arbeitet auch schon seit einiger Zeit zusammen. Habt ihr ein festes Ritual, dass ihr vor jedem Auftritt ausführt?

Nick: Wir haben da keine fixen Sachen. Es ist uns aber wichtig, dass wir zusammen mit der Band zur Ruhe kommen, wir stoßen dann vorher miteinander an oder dergleichen. Aber jeder macht eher seine eigenen Sachen, die sich über die Jahre so entwickelt haben.

Mono: Ich bin eher die Person, die vor einem Konzert in sich geht.

Gibt es vor dem Auftritt dann auch mal Spannungen oder Streit?

Nick: Ja, wenn die Aufregung steigt, kann es durchaus einmal dazu kommen, dass der Ton ein bisschen strenger wird. Aber es gehört dazu, dass man sich ein bisschen aufschaukelt.

Nehmt ihr euch das dann überhaupt noch übel?

Nick: Nein, auf keinen Fall. Das ist eine Situation, in der alle unter Adrenalin stehen. Wir kennen uns alle seit Jahren, das ist gut so.

Auf eurem aktuellen Album „Unter Freunden“ gibt es den Track „Die Zeit steht still“. In dem Song geht es darum, dass ihr euer Handy ausschaltet und einfach mal für niemanden erreichbar seid. Macht ihr tatsächlich einfach mal blau?

Mono: Wir sind im April spontan nach Thailand geflogen, um uns auszuruhen. Den Song habe ich auch tatsächlich für mich geschrieben, weil ich mir selbst sagen wollte, dass es wichtig ist, auch mal zu entspannen. Das ist etwas, was ich erst lernen musste. Ich hatte vor kurzem erst einen Tinnitus und Angst, überhaupt nicht mehr hören zu können. Mittlerweile nehme ich mir die Wochenenden, an denen ich nicht auftrete, frei und gehe auch mal nicht an das Telefon.

Nick: Mir fällt es leicht, das Handy auch gelegentlich einmal auszuschalten. Dadurch, dass wir schon länger im Musikgeschäft tätig sind, habe ich mich natürlich an die Arbeitszeiten gewöhnt und das ist dann in Ordnung. Aber ich mache auch gerne mal zwei Tage lang frei.

Woher nehmt ihr immer wieder die Motivation nach einem freien Tag oder Wochenende, weiter zu machen, aufzutreten und erneut Musik zu produzieren?

Mono: (Lacht) Das ist eine gute Frage. Montage sind definitiv schwieriger als andere Tage. Auch nach dem Urlaub ist es anstrengend, sich wieder in den Alltag herein zu finden. Das ist immer ganz schwer. Irgendwann ist man dann wieder im Job angekommen. Ich finde es deswegen auch sehr wichtig, sich genau aufzuschreiben, was man zu tun hat und das für sich in Gedanken zu ordnen. Das macht den Kopf  erst mal wieder frei.

Nick: Das tolle an unserem Job ist, dass ich mich immer wieder freue. Das ist definitiv der beste Job der Welt. Natürlich muss man sich gelegentlich aufraffen, es gibt auch ganz vielen bürokratischen Wahnsinn, mit dem wir fertig werden müssen, ganz viel Blödsinn, der nichts mit dem Musik machen an sich zu tun hat. Aber so etwas gehört nun mal dazu und wenn ich auftreten will, muss ich solche Sachen  nun einmal auch erledigen. Das ist schon okay.

Könntet ihr euch dann auch keinen anderen Job vorstellen?

Nick: Momentan nicht, nein.

Mono: Ich sehe mich als Künstler. Wenn ich etwas beruflich mache, dann muss das auf jeden Fall auch etwas damit zu tun haben. Das schöne ist, das man als Künstler die Freiheit hat, Fehler zu machen. Wir leiten kein Unternehmen, wenn wir einen Fehler machen, dann stürzt nicht der ganze Betrieb ein. Dieses Gefühl ist ganz befreiend, finde ich.

Euer neues Album „Unter Freunden“ beinhaltet einen gleichnamigen Song, der darauf zielt den engen Kontakt zu Fans zu halten. Wird euch das mit zunehmendem Erfolg wichtiger?

Nick: Klar, Fanpflege ist absolut wichtig. Ich habe letztens erst zu Mono gesagt, dass es ein unbeschreibliches Gefühl ist, dass es Menschen gibt, bei denen unsere Musik zum Lebensinhalt wird. Es ist toll, dass die Leute zu den Songs Urlaub machen oder dazu feiern. Es ist großartig, wenn sie dann als Fans auf die Konzerte kommen. Als Musiker muss man dann einfach auch ein bisschen etwas zurück geben.

Mono: Gerade als Independent Band wie wir eine sind, ist man vom Publikum abhängig. Wir sind eine Live-Band, die nicht unbedingt im Radio gespielt wird. Nur wegen den Fans können wir schon so lange existieren und zusammen spielen.

Bei dem Song „Wenn sich der Nebel verzieht“ arbeitet ihr mit Gentleman zusammen. Holt ihr euch dann auch immer wieder Inspiration von andern Künstlern?

Nick: Klar, bei dem Songschreiben haben wir uns gegenseitig inspiriert. Sonst ist es so, dass entweder Mono und ich eine Idee auf den Tisch werfen. Dann setzen wir uns zusammen und entscheiden, ob daraus ein Song entstehen könnte. Ich kriege aber eher wenig Inspiration von anderen Künstlern, das sind ja dann eher Songs, die schon existieren. Inspiration hole ich mir eher aus dem Alltag.

Eine Frage noch zum Abschluss: Mono, du hast studiert.  Als Campusredaktion würde es uns besonders interessieren, ob du Studenten noch einen Tipp mitgeben könntest…

Mono: Arbeitet nicht zu viel, macht, was euch Spaß macht und verbiegt euch nicht, wenn es nicht das Richtige ist. Die Hauptsache ist, dass man sich gut und frei dabei fühlt.

Vielen Dank dafür.

Das Interview führte Cathrin Schmiegel.

Die Fotos machte Pia Weishäupl.

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