Schülerin und Gendarme à la France

Schülerin und Gendarme à la France

Eine 18-jährige Schülerin stellt Macron eine Frage und wird am nächsten Tag von der Gendarmerie besucht

von Ana Vranjes

»Sie setzen Männer an die Spitze des Staates, die der Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen beschuldigt werden – warum?« Diese Frage stellte eine 18-jährige Schülerin aus Tarn (Okzitanien) am 9. Juni 2022 dem französischen Präsidenten, der leicht genervt seinen Kopf von ihr abwandte und mit einem »Non« antwortete.

Macron hatte nicht wirklich eine gute Antwort parat, antwortete, dass das Prinzip der Unschuldsvermutung nun mal gelte und für die Gesellschaft enorm wichtig wäre.  Zufälligerweise erhielt die Schülerin am nächsten Tag in der Schule Besuch von der Gendarmerie, wo man ihr nahelegte, sich nicht so zu verhalten und solche Fragen nicht mehr zu stellen. Obwohl Macron ankündigte, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie der Schutz von Frauen oberste Priorität in seinem Programm hätten, scheint dies nur heuchlerisches Gerede zu sein. Er stellt trotzdem genau die Minister ein, die der Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen beschuldigt werden. Die Rede ist hier von Damien Abad (Minister für Solidarität und Menschen mit Behinderung) und Gérald Darmanin (Innenminister), wobei letzterer laut der französischen Huffingtonpost noch offiziell angezeigt wird. Kein Wunder, dass die Frauen in Frankreich die Nase voll von der Heuchelei ihrer Politiker:innen haben und gegen ihre aktuellen Minister:innen protestieren. Nachdem die Befragung öffentlich bekannt wurde, ging dies, vor allem auf Twitter, viral und sorgte für empörte Reaktionen.

Komischerweise entschuldigte sich die Gendarmerie erst, nachdem Politiker, wie etwa der linke Spitzenkandidat Jean-Luc Mélenchon, diese Vorgehensweise verurteilten. Auf Twitter veröffentlichte die Sicherheitsbehörde folgendes Statement:

»Unsere Aktion zielte lediglich darauf ab, diese Person, die sich als Opfer sexueller Gewalt dargestellt hatte, ernst zu nehmen, um ihr vorzuschlagen, eine Anzeige entgegenzunehmen oder, falls dies nicht möglich ist, ihr Hilfe, Begleitung oder einen Kontakt zu den örtlichen Vereinen anzubieten, die ihr helfen können«. Nur hat sie nie behauptet selbst Betroffene gewesen zu sein und es war auch nie ihre Intention. Das Treffen mit der Gendarmerie bezeichnete sie laut Huffingtonpost als »einschüchternd«.

Es scheint, als würde Meinungsfreiheit in Frankreich aufhören, sobald man die Regierung und deren Handlungen in Frage stellt…

Beitragsbild (Symbolbild): Matt Seymour / unsplash

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