»Alternative proteins« – Das Fleisch der Zukunft?

»Alternative proteins« – Das Fleisch der Zukunft?

Regensburger Studierende wollen neuartige Eiweißlieferanten erforschen: Kürzlich wurde The Regensburg Alt. Protein Project von einer vierköpfigen Gruppe Regensburger Studierenden ins Leben gerufen. Hierbei geht es um die Erforschung alternativer Proteinquellen, die vor allem zur Nahrungsmittelproduktion der Zukunft genutzt werden sollen. Im Zuge dessen luden die Schöpfer*innen am vergangenen Mittwoch, den 24. März 2021, zu einem »Launch-Event« ein, um das Vorhaben genauer vorzustellen und Fragen der interessierten Teilnehmenden zu beantworten. Das Quartett informierte gemeinsam mit Alex Holst, Policy Manager beim The Good Food Institute Europe (GFI) in Brüssel, das die Unternehmung unterstützt, über das Projekt und dessen Motivation.

von Christoph Wutz

Das Team setzt sich bisher aus den vier Studierenden Juliane Bernhard, Anna-Lena Mader, Niklas Kroner-Weigl und Lucas Reibenspies zusammen. Diese teilen neben dem Studiengang der Molekularmedizin in erster Linie die Auffassung, dass alternative Proteinquellen eine ethisch besser vertretbare, nachhaltigere, effizientere und wahrscheinlich auch gesündere Ernährungsoption seien. So handle es sich bei konventioneller Tierzucht um eine der Hauptursachen der gravierendsten Umweltprobleme – zum Beispiel: CO2-Ausstoß durch die übliche Rinderzucht. Zudem ließen sich immer öfter auftretende Antibiotikaresistenzen bei Erregern sowie Infektionen mit multiresistenten Keimen beim Menschen vermeiden, würde in der herkömmlichen Viehaufzucht nicht prophylaktisch Antibiotika dem Futter beigefügt. Verstärkend käme hinzu, dass die Konditionen der Zucht oft alles andere als förderlich für die Gesundheit der Tiere seien, vielmehr seien sie oft qualvoll und daher ethisch bedenklich. Zwar wurde etwa die Hühnerhaltung während der vergangenen Jahrzehnte weitgehend nach wirtschaftlichen Kriterien optimiert, jedoch sei diese nach wie vor nicht effizient, geschweige denn (insgesamt) nachhaltig genug. Für eine Kalorie an Nahrung bei einem Huhn würden im Schnitt neun Kalorien an Energie im Zuge der Aufzucht benötigt. Es gebe »immer noch viel Arbeit, die verrichtet werden muss«, sagte Alex Holst. Aber wie ist es möglich, 2050 rund zehn Milliarden Menschen effizient und nachhaltig zu versorgen?

Die drei verschiedenen Alternativen

Die Antwort liegt in weitaus effizienteren Proteinquellen, die The Regensburg Alt. Protein Project zukünftig gegebenenfalls erforschen möchte. Grob lassen sich diese Alternativen in drei Überbegriffe einteilen: »plant based«, »cultivated meat« und »fermentation«. Ersteres bezeichnet jene Produkte, die aus Pflanzen, vorwiegend Getreide, gewonnen werden. Hierbei werden die nötigen Rohstoffe durch Zerlegung des Korns gewonnen und danach durch mechanische sowie durch chemische Prozesse funktionalisiert und zu optimalen Nahrungsbestandteilen für die Endprodukte geformt (zum Beispiel Beyond Burger). Unter »cultivated meat« versteht man allgemein, dass Fleisch aus isolierten Tier-Stammzellen produziert wird. Nach der Entnahme wird aus diesen Zellen außerhalb des Tieres Muskelgewebe gezüchtet, anschließend differenziert und zuletzt in Fleischprodukte transformiert. Laut Alex Holst gebe es keine Art von Fleisch, die nicht derart hergestellt werden könne. Die Quintessenz von »fermentation«, also der Gärung, ist es, Mikroorganismen so zu programmieren, dass sie Proteinbiomasse erzeugen. 

Auch Hybridprodukte, wie beispielsweise ein »plant based«-Burger aus kultiviertem Fett, sind möglich. Darüber hinaus, so Holst, könnten diese Herstellungsalternativen nicht nur für die Lebensmittel-, sondern auch im Zuge der Produktion von anderen Gütern (zum Beispiel Leder) genutzt werden.

Breite Masse muss ins Boot geholt werden

Die vier Studierenden »wollen die Leute informieren und das Thema auf die Agenda bringen«. Dieses immens wichtige Thema bedürfe größerer Aufmerksamkeit. Es genüge nicht, auf die Leute einzureden und sie zu ermutigen, ihr Konsumverhalten umzustellen und fortan auf herkömmliche Produkte zu verzichten. Dazu seien die Lebensmittel meist noch nicht erschwinglich genug und geschmacklich nicht konkurrenzfähig. Gerade daran müsse gearbeitet werden. Eine gute Option hierzu sieht der Policy Manager des GFI, Alex Holst, in der Kooperation von Unternehmen, die alternative Proteinquellen fördern, mit großen Lebensmittelkonzernen wie dem Fast-Food-Titan McDonald’s. Diese verfügten über die nötigen Produktionsfaktoren und -kapazitäten, die entsprechende Logistik sowie über viele oftmals markentreue Kunden. Dadurch fände die Thematik mehr Beachtung in breiten Teilen der Bevölkerung.

Es werde nicht erwartet, dass etwa »cultivated meat« grundsätzlich andere Nähreigenschaften oder Langzeitfolgen als herkömmliches Fleisch hat. Vielmehr merkte Alex Holst an, wenngleich man* dahingehend noch in den Startlöchern stehe, werde bereits untersucht, wie man* die Zellen so verändern kann, dass beispielsweise das Krebsrisiko beim Konsum von rotem Fleisch vermindert werde. Antibiotika und sogenannte »tierische Seren« würden bereits weitgehend vermieden.

Gruppe aus vier Regensburger Studierenden

Aber auch die Rolle von Universitäten und Student*innen sei in diesem Kontext essenziell. Hier, am direkten Draht zur Bildung, versammeln sich zur (globalen) Zusammenarbeit bereite, kritische Forschende aus allen erdenklichen Domänen. Dem GFI sei die Kooperation ein wichtiges und spannendes Anliegen, weshalb es unter anderem The Regensburg Alt. Protein Project fördert. 

Das Team möchte weitere ambitionierte Mitstreiter*innen aus allen möglichen Bereichen mobilisieren und dazu animieren, sich mit dieser Problemstellung auseinanderzusetzen und zur weiteren Entwicklung beizutragen. Während der nächsten Dekade werde, so einer der vier, diese Branche expandieren. The Regensburg Alt. Protein Project betont auch, dass nicht nur Naturwissenschaftler*innen zur aktiven Mitarbeit gesucht würden, sondern man auf eine Disziplinvielfalt setze. Sprich: Jede*r, studierend oder nicht, kann mitmachen. »Wir wollen eine interaktive Gruppe sein, wo alle Mitglieder was zu sagen haben«, sagte Niklas Kroner-Weigl. Neben einigen Ideen für die Zukunft des Projekts, die unter anderem Kochabende, Diskussionsrunden, Webinare und Podcasts beinhalten, wollen die vier ein eigenes Forschungsprojekt und einen Uni-Kurs zu »alternative proteins« etablieren.

Am kommenden Mittwoch, den 31. März 2021, veranstalten die Gründer*innen ein »Kick-off-Meeting«, bei dem Vorschläge zur weiteren Vorgehensweise eingebracht werden können (hier geht’s zur Anmeldung). Außerdem möchte das Quartett ein Konzept für die Regensburger Nachhaltigkeitswoche, die 31. Mai bis zum 6. Juni stattfindet, präsentieren.

Weitere Informationen sowie direkten Kontakt zum Team findet ihr auf der Website des Projekts.

 

Beitragsbild: © The Regensburg Alt. Protein Project

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