Schluss mit Einwegmüll am Campus: Das neue Mehrwegsystem

Schluss mit Einwegmüll am Campus: Das neue Mehrwegsystem

Ab dem 3. Juli 2021 gilt ein EU-weites Verbot von Einwegartikeln aus Plastik, womit Einmalgeschirr wie Teller, To-Go-Becher, Besteck und Verpackungen aus Kunststoff und Styropor der Vergangenheit angehören werden. Das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz (STWNO) setzt dem Umweltproblem und überquellenden Mülleimern nun schon seit Anfang Dezember ein Ende. Nach der Verbannung von Einwegverpackungen und der Einführung des Mehrwegbechers in den Cafeterien folgte zum 1. Dezember 2020 in allen Cafeterien und Mensen ein kostenfreies und digital gestütztes Mehrwegsystem, die »Mensa-to-go«.

von Laura Hiendl

Wer momentan an der Uni unterwegs ist, hat die große Änderung vermutlich schon mitbekommen. Seit ein paar Wochen erhält man* die Speisen aus der Mensa (momentan ja nur to go) nicht mehr im sonst üblichen Kunststoffbehälter, sondern in wiederverwendbaren Bowls. Hintergrund für die Einführung des neuen Mehrwegsystems: Allein in den Mensen des STWNO fallen Angaben der Uni zufolge täglich 1.000 bis 1.500 Einwegverpackungen an – resultierend in überquellenden Mülleimern und somit einer großen Belastung für Uni, Stadt und Umwelt. Die kostenlose und pfandfreie »Mensa-to-go« soll ab sofort das Aufkommen von Einwegmüll am Campus sichtbar reduzieren und so für einen nachhaltigeren Campus sorgen.

Allgemeine Infos zu Relevo

Das Mehrwegsystem des STWNO läuft über den Anbieter Relevo und deren App. Die »nachhaltige und smarte Mehrweg-Lösung des 21. Jahrhunderts«, wie sich Relevo selbst bezeichnet, ist Anfang 2020 gegründet worden und umfasst zum derzeitigen Stand bereits mehr als 155 teilnehmende Gastronomiebetriebe. Das in Deutschland produzierte Mehrweggeschirr ist frei von den Weichmachern BPA und Melamin sowie bis zu 1.000 Mal wiederverwendbar (danach zu 100 Prozent recyclebar), zudem aufgrund der professionellen Reinigung hygienisch unbedenklich. Laut Relevo-Homepage stammt der Begriff »relevo« aus dem Lateinischen und bedeutet »befreien« oder auch »erleichtern«, was genau das Ziel hinter der Vision sei: »unseren Planeten endlich von unnötigem Plastikmüll zu befreien, während wir den Konsumenten die Nutzung nachhaltiger Lösungen erleichtern«, so Mitgründer Gregor Kolb.

So funktioniert‘s

  1. Registrieren

Zunächst lädt man* die Relevo-App unter www.gorelevo.de oder im Apple bzw. Google Play Store herunter und registriert sich in dieser.

  1. Bestellen

In der Mensa oder Cafeteria werden die Speisen dann im kostenlosen Mehrweggeschirr ausgeben.

  1. Scannen

Nun scannt man* in der Relevo-App den aufgedruckten QR-Code auf dem Mehrweggeschirr und zeigt die Scan-Bestätigung an der Kasse vor. Durch das Scannen weiß die App, welcher Mehrwegbehälter – Bowl für Hauptspeisen oder Becher für Desserts – wo von wem ausgeliehen worden ist, was einem auch direkt im Profil angezeigt wird.

  1. Zurückgeben

Die Rückgabe der verwendeten Bowls und Becher (die übrigens nicht mal sauber gemacht werden müssen) erfolgt an extra dafür vorgesehenen Stationen, an denen man* nur noch den Rückgabe-QR-Code scannen muss. Die App erinnert einen dabei an den Rückgabezeitraum. Sollte dies nicht innerhalb der vorgesehenen 14 Tage geschehen, erhält man* eine Rechnung und muss das Mehrweggeschirr kaufen. Gut zu wissen: Es ist auch ein sogenannter »Friend Return« möglich. Das heißt man* kann die Bowl von jemand anderem in seine Historie übernehmen und stellvertretend für diese Person zurückgeben.

Der Praxisversuch

Jede Bowl ist mit einem eigenen QR-Code und Namen versehen. © Laura Hiendl

So, theoretisch klingt das ja sehr gut, aber irgendwie auch kompliziert. Deshalb habe ich das Ganze gleich einmal selbst getestet. Im Vorfeld habe ich mir die wichtigsten Infos durchgelesen. Da ich nur kurz an der Uni sein sollte und mir mein Essen mit nach Hause nehmen wollte, war für mich interessant zu wissen, ob das Geschirr denn auch auslaufsicher und mikrowellengeeignet ist. Unter den FAQs auf der STWNO-Homepage wurde mir das leider nicht beantwortet, aber in der App bekam ich meine Antwort: ja und ja. Ebenso ist auf der Bowl selbst der Vermerk hinterlegt (maximal für zwei Minuten auf 600 Watt in die Mikrowelle, den Deckel allerdings nicht!). Die Anmeldung in der App war denkbar einfach und auch vor Ort in der Mensa war alles selbsterklärend: Wie gewohnt anstellen, das gewünschte Essen (das anstatt auf Tellern gleich in den Mehrwegbehältern abgefüllt ist) auswählen, den QR-Code darauf scannen, zur Kasse gehen, Bestätigung vorzeigen – das war’s. Die Rückgabe von Ulrike und Leyla (den beiden Bowls) am nächsten Tag funktionierte ebenso leicht: Hingehen, scannen, fertig. Das ging ja easy.

Selbst die App kann was: Ich entdeckte, dass bei Relevo theoretisch auch andere Restaurants bzw. Cafés mitmachen können, was aktuell hauptsächlich in München, der »Gründerstadt«, angenommen wird, in Regensburg beteiligen sich bisher leider nur die Mensen und Cafeterien der Uni sowie OTH. Außerdem gibt es viele weitere Infos in der Relevo-App: Neuigkeiten und Infos über Relevo selbst, eine interaktive Karte mit allen teilnehmenden Restaurants und Cafés, eine aktuelle Liste und Historie der eigenen ausgeliehenen Becher und Schalen sowie ein übersichtliches Dashboard zum eigenen Zero-Waste-Impact und dem der gesamten Community.

Was soll man da noch sagen? Ich denke, jede*r mit einem gewissen Smartphone-Verstand sollte das hinbekommen. Und selbst wenn nicht, gibt es an jeder Station Mitarbeitende, die einem bei Problemen weiterhelfen. Meine Erfahrung mit der »Mensa-to-go« ist deshalb: unkompliziert und praktisch, was will man mehr?

Ist eine Mitnahme von Speisen auch nach wie vor ohne die App möglich?

Personen ohne Smartphone sollen von einem Mensabesuch in Zukunft natürlich nicht ausgeschlossen werden. Für diese gibt es zukünftig noch folgende Möglichkeiten:

  • Das Relevo-Mehrweggeschirr vor Ort kaufen (10€ für eine Bowl mit Deckel) und immer das eigene mitbringen und benutzen.
  • Seine eigenen Mehrwegbehälter mitbringen, in welches das Essen unter Einhaltung der strengen Hygienemaßnahmen eingefüllt wird.
  • In Ausnahmefällen (z. B. wenn man seinen Behälter oder das Smartphone vergessen hat) können in reduzierter Anzahl Einwegverpackungen ausgeben werden, die mit einer Umweltgebühr von jeweils 1€ berechnet werden.

Innovativ und unkompliziert – das hätte eigentlich schon viel früher geschehen können

In der App hat man* immer einen Überblick über die noch ausstehenden Rückgaben, aber auch über seine Historie und den »Zero-Waste-Impact«.

Alles in allem war ich nach deutlich weniger Zeit am Campus in den vergangenen Monaten super überrascht, was an der Uni passiert war. In meinen Augen ist das eingeführte Mehrwegsystem eine moderne und fortschrittliche Anschaffung, mit der das STWNO nach der Verbannung von Einwegverpackungen und der Einführung des Mehrwegbechers in den Cafeten nun immer grüner wird. An dieser Stelle wirklich ein großes Lob an alle Verantwortlichen: Ich finde das Ganze eine coole und tolle Sache, mit der die Ziele eines nachhaltigeren Campus definitiv in Angriff genommen werden!

Das Mehrweg-to-go-System als Alternative wird zwar den Großteil des Einwegmülls am Campus verbannen, doch bis zum vollständigen Verschwinden des Einwegmülls ist es noch ein langer Weg. Denn bisher wird in der »Mensa-to-go« zu jeder Speise Holzbesteck ausgegeben. »Die Vergangenheit hat zudem gezeigt, dass unser Besteck aus der Mensa von unseren Gästen nicht vollständig zurückgebracht wurde und immer wieder auch im Besteckkasten zu Hause landete«, so Gerlinde Frammelsberger, Geschäftsführerin des STWNO. »Hier braucht es eine kreative Lösung, um die Ausgabe von Mehrwegbesteck in das Mehrweg-to-go-System zu integrieren.«

Auch wenn die Einführung zu diesem Zeitpunkt für viele vielleicht nicht so präsent ist, da sie momentan nicht oder kaum an der Uni sind, stellt das System aufgrund des aktuell hohen Verbrauchs an Einwegverpackungen einen wichtigen Schritt dar, mit dem die Uni mehrere Punkte auf einmal verbinden kann: Essen zum Mitnehmen anbieten, aber gleichzeitig verantwortungsvoll und nachhaltig handeln. Hierfür bietet das STWNO mit Relevo nun eine super Lösung an, die hoffentlich gut angenommen sowie umgesetzt wird und dem Campus so auch langfristig erhalten bleibt.

Weitere Informationen

Hier findet ihr mehr Informationen zum Mehrweg-to-go-System im STWNO.

Die häufigsten Fragen und Antworten zum Mehrweg-to-go-System werden hier beantwortet.

Weitere Infos zu Relevo findet ihr auf der Homepage des Unternehmens.

Beitragsbild: © Relevo, Julia Vissing

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