Back in December of …

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*** Adventsspecial ***

Dieser Artikel ist Teil des Lautschrift-Adventskalenders. Vom 1. bis zum 24. Dezember hat sich die Lautschrift jeden Tag eine weihnachtliche Kleinigkeit zum Lesen, Gewinnen oder drüber Nachdenken ausgedacht. Wer nichts verpassen möchte, schaut am besten jeden Tag auf unserem Instagram-Profil vorbei.

Dieser Dezember – wie das gesamte Jahr 2020 – ist von einem einzigen Thema geprägt. Die Corona-Pandemie hat fast alle anderen Ereignisse in diesem Jahr in den Schatten gestellt, wenn nicht sogar verhindert. Da lohnt sich ein Jahresrückblick ja schon fast nicht mehr. Deshalb wagt die Lautschrift heute einen Rückblick in die Dezembermonate der vergangenen Jahrzehnte. Was waren in 1950, 60 und Co. die prägenden Momente der Stunde? Eine Chronik.

von Lotte Nachtmann

1950

Im Dezember 1950 tobte der Korea-Krieg bereits seit einem halben Jahr. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren knapp fünf Jahre vergangen. Als am 05. Dezember die nordkoreanischen und chinesischen Truppen heranrückten, musste die US-amerikanische Armee die Stadt Pjöngjang räumen. Am 16. Dezember rief der damalige Präsident Harry Truman den nationalen Notstand aus. 

Aber der Dezember 1950 konnte auch Positives vermelden: So wurde am 14. Dezember von der UN-Vollversammlung eine Organisation zum Schutz von Geflüchteten und Staatenlosen unter dem Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) ins Leben gerufen. 

1960

Am 14. Dezember gründete sich in Paris die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Es handelt sich hierbei eher um eine permanente, intergouvernmental funktionierende Konferenz wohlhabender Staaten, die sich für die Demokratie und die Marktwirtschaft einsetzen. Inzwischen zählt sie 37 Mitgliedsstaaten.

Der Dezember 1960 wurde leider auch von zwei Tragödien geprägt: Am 16. Dezember kam es in New York zu einer Kollision zweier Flugzeuge; am 17. Dezember stürzte in München eine Passagiermaschine ab. Es starben 134 und 52 Menschen.

1970

Bereits vor zwei Tagen gingen die historischen Bilder aus Warschau erneut um die Welt: 50 Jahre nachdem der damalige Bundeskanzler Willy Brand vor dem Ehrenmal für die Toten des Aufstandes im Warschauer Ghetto auf die Knie gefallen war. 1943 hatten sich die dort internierten Jüd*innen  –hoffnungslos unterbewaffnet – gegen die deutschen Besatzer aufgelehnt. Die Kämpfe selbst, die kaum einen Monat dauerten, kosteten 12.000 Menschenleben. Nach der Niederschlagung des Aufstandes wurden weitere 30.000 Menschen erschossen und 7.000 deportiert. Mit seiner Geste der Demut vor den Opfern des Aufstandes leitete Brandt den Versöhnungsprozess beider Länder ein. Am selben Tag unterzeichnete Brandt den Warschauer Vertrag, in dem beide Seiten die Oder-Neiße-Grenze als neue Westgrenze Polens als unverletzlich anerkannten.

Polen blieb ein wichtiger Schauplatz im Dezember 1970. Vom 14. bis zum 22. Dezember fand in mehreren Städten wegen massiver Preiserhöhungen ein Arbeiter*innenaufstand statt. Es kam zu Auseinandersetzungen mit Polizei und Militär sowie einigen Todesopfern. Der Parteichef der Polnischen Arbeiterpartei, Wladyslaw Gomulka, wurde infolgedessen gestürzt und durch Edward Gierek ersetzt.

1980

Erst gestern jährte sich die Ermordung der Pop-Legende John Lennon zum 40. Mal. Am 8. Dezember 1980 erschoss der geistig verwirrte Mark Chapman den Beatles-Gründer auf offener Straße in New York.

1990

Am 2. Dezember dieses Jahres fanden die ersten Bundestagswahlen des wieder vereinten Deutschlands statt. Helmut Kohl und seine Koalition aus CDU/CSU und FDP wurde wieder gewählt. Am 20. Dezember schon trat dann der erste gesamtdeutsche Bundestag zu seiner ersten, konstituierenden Sitzung zusammen und zwar in der neuen Hauptstadt Berlin. Während der deutschen Teilung wurden die Regierungsgeschäfte von Bonn aus geführt.

2000

Wer glaubt, die US-Präsidentschaftswahlen 2020 seien ein Drama gewesen, der hat nicht erlebt, wie das Rennen zwischen George W. Bush (Republikaner) und Al Gore (Demokraten) im Dezember 2000 verlief. Hier musste nämlich tatsächlich der Supreme Court die Entscheidung bringen, die am 12. Dezember positiv für Bush ausfiel.

Auf europäischer Seite des Atlantiks wurde am 07. Dezember die Charta der Grundrechte der Europäischen Union proklamiert. Der Europäische Konvent hatte die Charta ausgearbeitet, die eigentlich Teil des Europäischen Verfassungsvertrages werden sollte. Nachdem dieser scheiterte, trat die Charta jedoch erst 2009 mit dem Vertrag von Nizza in Kraft. 

2010

Retrospektiv betrachtet löste der 17. Dezember den »Arabischen Frühling« aus. An diesem Tag setzte sich der tunesische Gemüsehändler Mohamed Bouazizi selbst in Brand, aus Protest gegen angebliche Schikanen bei der Kontrolle seines Geschäfts. Seine Tat löste im Land Massenunruhen und Demonstrationen gegen den damals autokratisch regierenden Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali aus, die bald auf andere Staaten der arabischen Welt überschlugen.

Am 20. Dezember stimmte das ungarische Parlament für ein Gesetz zur Kontrolle privater Medien, das sich in eine Reihe von illiberale Reformen der Regierung Viktor Orbáns einreihte. Insbesondere aus dem westlichen Ausland wird der Ministerpräsident und Parteivorsitzende der rechtpopulistischen Fidesz-Partei scharf für dieses und andere Gesetze kritisiert.

Beitragsbild: © Kelly Sikkema | Unsplash

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