Wohnsinn-Kolumne: In den Tiefen meines Kleiderschrankes …

Wer kennt es nicht … Der Schrank ist voll und man hat trotzdem einfach nichts zum Anziehen! Das Problem habe ich nur allzu oft und dennoch greife ich dann doch immer zu den gleichen Teilen. Damit ist meist der Entschluss gefasst, dass ich wirklich zu viel habe und das meiste sowieso nicht (mehr) anziehe. Das heißt ein bisschen Ausmisten sollte eigentlich nicht zu schwer sein, oder?

von Laura Hiendl

Ja ja, in der Hinsicht bin ich wirklich ein typisches »Weibo«, wie mein Freund jetzt sagen würde. So stand er gestern wieder einmal vor meinem Kleiderschrank, sich wundernd wie man als eine einzelne Frau nur so viel Kleidung besitzen kann und wie eigentlich seine paar Sachen darin Platz finden sollen. Wohlgemerkt befindet sich derzeit »nur« mein Winterteil im Schrank, die Sommersachen müssen erst mal aus den Kartons im Abstellraum geholt werden. Eine Sache, die ich immer allzu gerne aufschiebe. Angesichts der fehlenden Minusgrade außerhalb meiner Wohnung war es langsam allerdings doch mal an der Zeit, den dicken Jacken und flauschigen Kuschelpullovern, die ja auch superviel Platz wegnehmen, für ein halbes Jahr Lebewohl zu sagen und gegen dünne Leder- und Jeansjacken sowie schöne luftige Röcke und Flatteroberteile auszutauschen. Gesagt, getan.

An sich macht es mir auch Spaß, meine Klamotten mal genauer zu begutachten, teilweise in Erinnerungen wie dem letzten Mal Tragen im Urlaub zu schwelgen und wirklich manche Teile zu entdecken, von denen ich schon vergessen hatte, dass ich sie besitze. Voller Tatendrang und Vorfreude machte ich mich also an die Arbeit – sogar mit tatkräftiger männlicher Unterstützung, »damit das Ganze ein bisschen schneller geht«. Schließlich hatte ich letztens auch erst einige Teile in die Kleidersammlung gebracht und wiederum einige auch noch als »zum auf Ebay / Kleiderkreisel stellen« deklariert. Das heißt es müsste also eigentlich genügend Platz vorhanden sein und die alljährliche Umrüstung von Winter auf Sommer sollte dieses Frühjahr recht zügig gehen.

Erst mal mit dem Einfachen anfangen: Alle Winterjacken weg, nur eine für die Notfälle in greifbarer Nähe behalten (ich will ja nicht beim ersten Frieren gleich wieder alles umräumen), dafür die dünnen Jacken her. Das Gleiche mit den Schals – doch hier ging es los mit den Fragen: Wie viele Schals kann man eigentlich besitzen?! Ich glaube ich kann wirklich behaupten, in so gut wie jeder Farbe mindestens einen zu besitzen … Wo sollen die nur alle hin? Egal, das habe ich auch noch gut hinbekommen. Gleichzeitig sortierte ich auch noch Sachen aus, die ich nun wirklich einige Zeit nicht mehr getragen hatte. Dieser Stapel war im Vergleich zu den restlichen aber irgendwie sehr klein.

Bei meinen geliebten Kuschelpullis hatte ich dann schließlich doch den ersten mental breakdown. Zehn Pullis nehmen nämlich ungefähr so viel Platz ein wie alle Sommeroberteile zusammen. Dickere Strickjacken und Sweatshirt(jacken) gar nicht mit eingerechnet. HILFE, ich habe keinen Platz mehr! Mein Zimmer und der Flur glichen mittlerweile einem Schlachtfeld. Überall lagen Sachen, die noch weggeräumt werden mussten, aber mein Schrank war eigentlich schon voll. Wie kann das sein?

Zur Verzweiflung kam Ärger: Warum bin ich nur so? Warum kann ich nicht einfach eine Minimalistin sein? Ok, ich mag es, die Auswahl zu haben. Aber warum kann ich mich von so vielen Sachen einfach nicht trennen? Die Regel, nur Neues zu kaufen, wenn ich dafür fünf alte Teile aussortiere, habe ich noch nie wirklich umsetzen können. Bin ich – was Klamotten angeht – etwa eine kleine Horterin? Voller Verzweiflung saß ich auf meinem Fußboden und hätte den Kopf am liebsten in mein superflauschiges Königskopfkissen gesteckt. »Aufräumen mit Marie Kondo« erschien mir doch wieder eine ratsame Netflix-Serie, die ich demnächst unbedingt mal ansehen und vor allem auch wirklich umsetzen (!) sollte.

Letztendlich wurde der Misere von meinem Freund ein Ende gesetzt: Er hängte (vermeintliche) Kleider und Jacken auf Bügel, sortierte sie sogar nach Farben und »stopfte« alles sonstige Herumliegende einfach irgendwie mal rein, damit wir in dieser Nacht zumindest im Bett schlafen konnten. Die dadurch entstehenden Knitterfalten und die vorprogrammierte Verzweiflung, wenn ich irgendwann mal etwas davon suchen sollte, konnte ich erst mal gut ausblenden. Schließlich war somit mal alles schön im Schrank verschwunden und das Chaos vorerst gebannt. Bis zum nächsten anstehenden Umschichten im Herbst. Vielleicht habe ich bis dahin allerdings eine Kehrtwende hingelegt und kann mich doch problemlos von Einigem trennen. Vorgenommen habe ich es mir zumindest.

Das war es erst einmal aus meinem Reich. Nächste Woche meldet sich Lena, die euch noch allzu gut bekannt sein sollte, in einem kleinen Gastbeitrag beim Wohnsinn zurück.

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