»Die spinnen doch die…« | Schweden

… Schweden: totalverschlammt ins neue Semester


Die ersten beiden Wochen zu Beginn eines jeden Semesters sind an schwedischen Universitäten etwas Besonderes. Dann nämlich werden unter dem Stichwort »Nollning« die Erstsemester von ihren künftigen Kommilitonen in das Studentendasein eingeführt: Zwölf Tage lang rotten sich am helllichten Tage an öffentlichen Plätzen Studenten eines Studiengangs zusammen, um gemeinsam Spiele und Wettbewerbe auszutragen. Dosenbier und selbstgemachter Wein in Plastikkanistern sorgen dafür, dass die Hemmungen schwinden.

Der körperliche Einsatz im Freien geht natürlich nicht ganz ohne Spuren vorüber. Oftmals sind die Studenten entweder komplett durchnässt, großzügig verschlammt oder halbnackt. Am liebsten jedoch alles zusammen. Je nach Studiengang tragen die Studenten höheren Semesters unterschiedlich farbige Overalls, die sie mit Aufnähern verschönern. Viele Studenten nähen beispielsweise ihren Namen auf die Overallbeine. Beachtenswert ist auch, dass im Idealfall die herabhängenden Overallärmel so verknotet werden, dass pro Ärmel mindestens eine 0,5-Liter-Dose Bier gefahrlos transportiert werden kann.

Wer nun denkt, dass sich der Sinn des »Nollning« in einem zweiwöchigem Saufgelage erschöpft, irrt. Dort werdenauch Freundschaften innerhalb der »study groups« geknüpft, die oftmals über die gesamte Studienzeit bestehen. Der Begriff »Nollning« leitet sich übrigens von dem schwedischen Wort für »null« ab und bezieht sich auf die Erstsemester, die noch keine Punkte im Studiensystem haben.

Text: Catriona Hansbauer, erschienen in der Rubrik »Die spinnen doch die…« in der Lautschrift Nummer 13.

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