Der männliche Erguss kann eine Vielzahl an Reaktionen hervorrufen. Erregung, Scham, Ekel und manchmal sogar Schwangerschaften. Neben den Spermien tummelt sich aber noch viel mehr rum, in dieser milchig-weißen Flüssigkeit.

von Mia Fritzsche

Spermazellen werden in den Samenkanälchen in den Hoden produziert. Dort verliert die Spermatogonie, die Vorläuferzelle des Spermiums, über mehrere Zwischenstufen eine ihrer beiden Chromosomensätze und differenziert von einer runden Zelle zu der allseits bekannten begeißelten Spermien, die bereit zum Befruchten sind. Diese Spermazellen schwimmen dann im Seminalplasma. Das durchschnittliche Volumen eines menschlichen Samenergusses beträgt zwischen 2 und 6 mL, also ca. ein Teelöffel. Ein mL Sperma enthält 20 bis 150 Millionen Spermien. Daneben schwimmen aber noch viele weitere Stoffe mit, wie zum Beispiel weiße Blutkörperchen (Leukozyten), Dopamin und Östrogen.

Ein Mix an Spurenelementen

Über das Sekret, welches die Prostata beisteuert, gelangen geringe Mengen an Zink, Magnesium und Calcium in das Sperma. Somit lässt sich auch eine Wasserhärte von Sperma berechnen, diese beträgt 64,456 ° dH (Grad deutscher Härte) und fällt mit einem Wert über 14,6 ° dH definitiv unter die Kategorie »hart«. Eine Forscher:innengruppe um Robin W. Cotton und Matthew B. Fisher der Boston University School of Medicine untersuchte in einem 2015 erschienen Artikel die Stoffzusammensetzung von Sperma. Es ergaben sich folgende Durschnittswerte:

Konzentration im Sperma in mg/mLKonzentration in Volvic-Wasser in mg/mL
Calcium0.280.012
Chlorid1.420.0534
Kalium1.090.0049
Magnesium0.110.0336
Natrium3.000.0741

Mit einem 20-fachen Gehalt bei Calcium und Chlorid und sogar einer 200-fachen Konzentration von Kalium sind die Spurenelement-Werte mit denen von Mineralwasser mehr als wettbewerbsfähig. Nur die Flüssigkeitsmengen, die man einnimmt, könnten differenzieren.

Leider kein Proteinshake

Mit einer gesamten Proteinkonzentration von 50.36 mg/mL taugt die Samenflüssigkeit nicht zum Proteinshake. Der Nährwertgehalt von 5 mL ergibt damit also ein 240-stel des täglichen Proteinbedarfs. Aber Vorsicht! Die in der Samenflüssigkeit enthaltenen Proteine können auch Allergien auslösen, wie der Ärzteverband Deutscher Allergologen berichtet. Weltweit sind zwar nur 60 solcher Fälle bekannt, aber unbehandelt kann so eine Allergie zur Erstickung führen. Zum Kaloriengehalt von Sperma kursiert im Internet oft ein Wert von 5-25 Kalorien per Teelöffel. Ein wissenschaftlicher Artikel, der dies bestätigt, ließ sich leider nicht finden. Der Zuckergehalt hingegen wurde von Cotton et al. mitbestimmt, er liegt für Glukose bei 1.02 g/L und bei Fruktose für 2.72 g/L. Zum Vergleich: Die Zuckerkonzentration in einer Flasche Club-Mate liegt bei 50 g/L

Salat-Sperma oder Pizza-Sperma

An der Qualität des eigenen Ejakulats können alle Penis-Tragenden sogar selbst arbeiten. Ein Forscher:innenteam um A. Salas-Huetos der Universität Rovira i Virgili in Spanien dokumentierte 2026 für sechs Monate das Essverhalten von 3.790 Dänen und fand heraus, dass die Essenswahl einen signifikanten Einfluss auf Volumen, Geschmack und Konzentration der Samenflüssigkeit hat. Eine Ernährung reich an Salat, gekochtem Gemüse, warmen Fisch, Früchten und Nüssen  korrelierte mit erhöhtem Spermavolumen, -konzentration und erhöhter progessiver Motilität, also der Fähigkeit der Spermien, sich nach vorne zu bewegen. Bei Proband:innen, die eine westliche Diät verfolgten, sank die Qualität. Erhöhter Konsum von Pommes und verarbeitetem Fleisch war mit gesenktem Seminalvolumen assoziiert, während Pizzakonsum mit gesenkter Spermakonzentration assoziiert war. Wie genau die Essgewohnheiten mit der Samenqualität zusammenhängt, ist jedoch noch nicht bekannt.


Titelbild © Mia Fritzsche

Quellen:
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1872497315000460

https://www.researchgate.net/publication/408582507_L26O-203_Associations_between_healthy_and_unhealthy_dietary_patterns_and_testicular_function_a_comprehensive_analysis_of_individual_food_groups

Ärzteverband Deutscher Allergologen / Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie: Allergisch auf den eigenen Mann? (Memento vom 8. August 2010 im Internet Archive) auf: medizin-2000.de, Presseerklärung, Juli 2000.

Von Mia Fritzsche

Kolumnenleitung der Wissen:schafft, Studentin der Biochemie

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