Während viele Menschen die Zukunft mit Krisen, Klimawandel und Unsicherheit verbinden, malt Georg Lesk bewusst andere Bilder. Grüne Städte, Gemeinschaft und Hoffnung. Mit seiner Kunst im Stil des Solarpunk entwirft er Visionen einer nachhaltigen Zukunft. Nicht als unerreichbare Utopie, sondern als Möglichkeit.
von Rebekka Ehrmann
Im Rahmen der Ausstellung Better Future// Different Tomorrows im M26 waren die Besucherinnen und Besucher eingeladen, über ihre eigenen Zukunftsvisionen nachzudenken. Dort begegnet ich den Werken von Georg Lesk. Seine Bilder im Stil des Solarpunks beschäftigten sich mit nachhaltigen und hoffnungsvollen Zukunftsentwürfen. Neugierig darauf, wie Kunst solche Visionen vermitteln kann, vereinbarten wir ein Interview, um mit ihn über seine Arbeit zu sprechen.
»Mein Name ist Georg Lesk. Ich male Solarpunk. Und ich mache kleine Elektroinstallationen.«
Könntest du den Begriff Solarpunk erläutern?
»Ursprünglich kommt der Begriff Solarpunk aus der englischen Literatur und ist ein Gegengenre zu Cyberpunk. Während Cyberpunk dystopische Zukunftsszenarien darstellt, entwirft Solarpunk positive Zukunftsversionen, die nicht utopisch im Sinne von unerreichbar sind. Sie müssen nicht perfekt sein, aber umsetzbar, um als Solarpunk zu gelten.
Es ist ein Genre für Literatur, für Malerei, für Kunst und inzwischen auch eine kulturelle Bewegung. Es gibt Menschen, die sich selbst als Solarpunks bezeichnen. Ich gehöre dazu. Einige versuchen wissenschaftlich im Bereich Solarpunk zu arbeiten, andere kulturell oder gesellschaftlich zu überlegen, was man verändern und verbessern kann. Ich für meinen Teil versuche, mit Malerei den kreativen, erfinderischen Prozess ein bisschen mitzuleben und vor allem Lust und Laune auf das Thema zu machen.
Das Thema Solarpunk bedeutet für mich eine positive, gemeinsame Zukunft, in die wir mit Freude oder sogar Spaß gehen.
Auch wenn ich den Begriff manchmal mit Vorsicht benutze, ist die Bewegung für mich ganzheitlich. Solarpunk ist nicht losgelöst von den großen Themen unserer Zeit. Es unterscheidet sich fundamental von anderen Bewegungen wie Fridays for Future oder antikapitalistische Gedanken oder antifaschistische Gedanken, Bewegungen wie Flower Power, Bewegungen der 70er.
Die Probleme, die wir heute haben, erfordern einen erweiterten Blick. Deshalb geht es bei Solarpunk nicht nur um Solarpaneele auf Dächern oder um Energiespeicherung und erneuerbare Energien. Gleichzeitig geht es auch darum, wie Städte funktionieren, wie alle Mitglieder der Gesellschaft eingebunden werden und wie Umweltprobleme gelöst werden können.
Solarpunk hat für mich keine klaren Regeln. Alle Leute, die versuchen, mit einer inklusiven, integrativen, mit einem offenen Gedanken, einfach die Probleme unserer Zeit zu lösen, so dass alle eingebunden sind und vor allem alle mitgenommen werden, weil nur so kann es funktionieren, sind für mich schon Solarpunks auf irgendeine Art.«
Wie greifst du dies Themen in deinen Werken auf?
»Also was ich mache in der Malerei ist, dass ich mir einzelne Aspekte raussuche. Zum Beispiel Feminismus. Ja, das ist auch ein Nachhaltigkeitsaspekt.
Das ist natürlich ein schwieriges Thema, weil ich eine nicht betroffene Person bin, die über Betroffene spricht. Das möchte ich eigentlich immer lieber den Betroffenen selbst überlassen, also zum Beispiel FLINTA*-Personen. Ich kann aber natürlich als Cis-Mann trotzdem meinen Beitrag leisten, indem ich darüber nachdenke, mein Verhalten anpasse, und meine Vorstellungen von Gesellschaft in Bildern übersetze.
Gerade male ich ein Bild, in dem ich eine weibliche Person darstelle. Ich versuche das mit möglichst viel Bewusstsein und Sorgfalt zu tun. Oder ich stelle mir vor, wie ich gerne leben würde, und male zum Beispiel ein kleines Solar Cottage. Ich habe eine Hütte gemalt, mit Solarpaneelen auf dem Dach und einem kleinen Energiespeicher, der über ein Kabel in das nächste Bild führt, sodass mehrere Bilder nebeneinander gehängt werden können. Aus einer einzelnen Hütte wird so eine kleine Gemeinschaft, ein kleines Dorf.
So versuche ich, auf den ersten Blick schöne Bilder zu schaffen, die Lust auf Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien machen und gleichzeitig eine gemeinsame Zukunft denkbar werden lassen. «
Wurdest du schon einmal damit konfrontiert, dass deine Zukunftsvisionen als unrealistisch oder zu idealisiert wahrgenommen werden?
»Nein, eigentlich gar nicht. Der schönste Kommentar war: „Was ihr hier macht, gibt mir Hoffnung für die Zukunft“.
Was ich viel beobachte, weil ich das auch gerne zulasse, ist, dass Leute meine Bilder ein bisschen anders interpretieren. Ich bin ein großer Freund des Betrachtungästhetischen Ansatzes. Das bedeutet, das die Kunst eigentlich zwischen Werk und Betrachtenden passiert und nicht beim Malen oder auf der Leinwand. Wenn meine Werke zu Gedanken anregen, dann begrüße ich das immer sehr und ich freue mich auch über neue Interpretationen von allen Bildern. Ich möchte, dass Menschen meine Werke zunächst als schön und ansprechend wahrnehmen, sich darin wohlfühlen und daraus vielleicht neue Energie oder ein gutes Gefühl mitnehmen. Gleichzeitig sollen die Bilder zum Nachdenken anregen. Was kann ich selbst tun? Dabei möchte ich jedoch nicht mit erhobenem Zeigefinger arbeiten oder vermitteln, dass jemand etwas falsch macht. Vielmehr geht es mir darum, Raum für freie und kreative Gedanken zu schaffen.«
Wie versuchst du privat zu einer besseren und nachhaltigeren Zukunft beizutragen?
»Ich habe jetzt gerade eine Reparierbar in den Räumen des JUZ- Burglengenfeld angefangen. Die findet einmal im Monat statt, wo wir Dinge reparieren, kostenlos mit den Leuten zusammen, sodass sie es auch selber lernen. Für mich selberversuche ich auch ein möglichst nachhaltiges Familienleben auf die Beine zu stellen. Ich bin seit drei Jahren Vater und habe dafür einen schönen Ort gefunden. Wir haben ein altes Haus, welches wir derzeit renovieren und bei dem ich versuche, möglichst viele nachhaltige Lösungen umzusetzen. So habe ich beispielsweise gebrauchte Solarpaneele gekauft, um deren ökologischen Fußabdruck zusätzlich zu reduzieren, und sie selbst auf dem Dach installiert. Außerdem habe ich mir einen Elektroroller angeschafft, um damit kurze Strecken in der Umgebung zurückzulegen. Sonst fahre ich viel Fahrrad, ernähre mich vegan, kaufe überwiegend Second Hand und versuche möglichst wenig von Großkonzernen zu kaufen und mich politisch zu engagieren und mich für eine lokale Gemeinschaft einzubringen. Das alles kostet Zeit, ist aber oft günstiger, wodurch ich keinen 40 Stunden Job brauche.
Und so versuche ich das eigentlich mein ganzes Privatleben und Künstler in den Leben zu gestalten.«
Viele Menschen haben eher Angst vor der Zukunft als Hoffnung. Wie reagierst du darauf?
»Ich glaube, man kann diesem Thema die Negativität nehmen. Man kann daraus auch ein Thema machen, das Kraft gibt und mit dem man sich gerne auseinandersetzt. Das versuche ich auch in meinen Bildern. Wenn ich mir vorstelle, ich tauche ein Herz einer Person in „LiebeFarbe“ ein, in meinem Fall in Pink, dann ist das eine ganz einfache Lösung, vielleicht übertrieben einfach. Aber die gibt mir Hoffnung. Ein Beispiel ist ein älteres Bild, auf dem eine Frau die Betrachtenden direkt ansieht, während sich im Hintergrund eine Landschaft aus Pflanzenblättern entfaltet. Ich habe dieses Bild Frau Natur genannt. Es spielt einerseits auf Mutter Natur an, andererseits auf feministische Themen und die Natur als Personifikation. Das Bild hängt aktuell bei mir zu Hause. Ich habe da also eine Art „Frau Natur“ an der Wand, die mich mit einem wohlwollenden und fast schon ein bisschen allwissenden Blick anschaut. Im Hintergrund sind Pflanzenblätter zu sehen. In einem fast schwarzen, dunklen Anthrazitton habe ich außerdem eine kaum sichtbare, kaputte Stadt hineingemalt, die gerade von diesen Blättern verschluckt wird. Dieses dystopische Szenario lasse ich bewusst im Hintergrund. Es wird einfach von der Natur überdeckt. Und dieser wissende Blick begleitet mich irgendwie bei dem, was ich tue. Das gibt mir persönlich ziemlich viel.
Ein weiteres Werk greift einen deutlich praktischen Gedanken auf. Das Wissen darüber, wie eine Solar-Inselanlage funktioniert. Diese Anleitung habe ich auf einem meiner Minaturbilder gemalt. Solarpanel, Lademodul, Autobatterie, Wechselrichter.
Ich lebe total in dieser Fantasie vom Solarpunk. Und klar ist das Eskapismus auf irgendeine Art. Aber da ist ja auch nichts gegen einzuwenden. Im Gegenteil. Wenn etwas gleichzeitig eskapistisch und aktivistisch sein kann, dann haben wir doch die Lösung gefunden.«



Titelfoto © Georg Lesk

