Nationalstolz

Nationalstolz
Die Fußball-WM war für die deutschen Fans geprägt von zahlreichen Diskussionen. Während zahlreiche selbsternannte Bundestrainer in den Kommentarspalten diskutierten, ob Undav nun endlich in die Startelf gehöre oder Baumann ins Tor, wirft das Turnier weitere, durchaus größere Fragen auf: Ist es überhaupt vertretbar die deutsche Nationalhymne mitzusingen oder eine Deutschlandfahne zu schwingen? Gedanken zu diesem Thema.

Von Elisa Probst

Deutschland hat ein komisches Verhältnis zu sich selbst. Während es in Frankreich und in den USA kaum eine Frage ist, sich mit einer Flagge zu zieren, hat das Ganze in Deutschland einen fahleren Beigeschmack. Die Fußball-WM macht dieses Thema, das sonst gerne umgangen wird, wieder sichtbar. Deutschlandfahnen an Autos, an Fenstern und auf Wangen. Beim Public-Viewing im Schlossgarten stehen einige überzeugt auf, wenn die Nationalhymne angestimmt wird, wohingegen einige andere verunsichert sitzen bleiben. Bleibe ich sitzen oder stehe ich auf? Singe ich mit oder nicht?

Missbrauch von Nationalstolz

Es ist die NS-Vergangenheit, die das Thema Nationalstolz hierzulande zu einem heiklen Thema macht. »Nationalstolz bezeichnet das Gefühl der Zugehörigkeit und der positiven Identifikation mit dem eigenen Land. Menschen empfinden Nationalstolz, wenn sie stolz auf die Errungenschaften, die Kultur und die Geschichte ihres Landes sind.« So definiert der Politische Ratgeber das Wort »Nationalstolz«. Das Problem ist, dass deutscher Nationalstolz in der Vergangenheit schwer missbraucht wurde. Im NS-Regime hielten die Nationalsozialisten die »Deutschen« für ein »überlegenes Volk«. Alle anderen Bevölkerungsgruppen, die nicht ihrer Ideologie entsprachen, wurden brutal unterworfen. Diese Vergangenheit ist ein Teil der deutschen Geschichte, den man niemals vergessen oder relativieren darf.

Vielleicht wäre es ein starkes Zeichen, wenn bei der Fußball-WM beispielsweise alle für die Nationalhymne aufstehen, aber nicht mitsingen würden. Als Symbol für die Zugehörigkeit zu einem Land. Als Anerkennung und Akzeptanz der schrecklichen Vergangenheit Deutschlands ohne jeglichen Stolz.

Symbole nicht den Rechten überlassen

Trägt man in Deutschland außerhalb der WM nationale Symbole wie die Deutschlandfahne oder einen Adler, wird dies schnell mit rechten Ansichten verknüpft. Doch sollte man diese Symbole nicht den Rechten überlassen, sondern sie selbst tragen und damit zurückgewinnen? Nationalstolz ist wie Alkohol – mit Vorsicht zu genießen und besser nicht zu viel. An sich ist es ein schöner, gemeinschaftsstiftender Moment, wenn viele Menschen zur gleichen Zeit ein Lied – wie eine Hymne – singen und gemeinsam ein Ziel verfolgen.

Nicht nur Deutschlands Nationalhymne ist kritisch zu betrachten. Frankreichs »Marseillaise« hat einige fragwürdige Textstellen: »Zu den Waffen, Bürger! Formt eure Schlachtreihen, marschieren wir, marschieren wir! Bis unreines Blut unserer Äcker Furchen tränkt!« Anstatt Hymnen mit fragwürdigen, veralteten Texten zu singen, wäre es vielleicht eine Idee, jedes Land das berühmteste Lied singen zu lassen. Man stelle sich beispielsweise vor, die deutsche Fußballmannschaft würde Nenas »99 Luftballons« vor einem Spiel anstimmen…


Titelbild © Yumé Hermann

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