Toto, ich glaube, wir sind nicht mehr in Amerika…

Toto, ich glaube, wir sind nicht mehr in Amerika…
…zumindest nicht mehr in Amerika, wie es mal war. Fast pünktlich zum 4th of July wollte Trump ein Dekret durchsetzen, das das Staatsangehörigkeitsrecht für Kinder von Migrant:innen einschränken sollte. Das höchste Gericht lehnt dieses schließlich ab, denn rechtlich ist jedes Kind US-Amerikaner:in, das in den USA geboren wird. Der fahle Beigeschmack jedoch bleibt. Die USA, in denen jeder den American Dream leben konnte, gibt es nach 250 Jahren »Independence« nicht mehr.

von Esther Nußstein

4th of Ju-Leiden

Der 4. Juli ist der größte Feiertag in den USA. Er zelebriert die amerikanische Unabhängigkeit. Dass alle Menschen gleich seien und alle dasselbe Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück hätten, steht in der »Declaration of Independence«, die vor 250 Jahren die Unabhängigkeit besiegelte. Durch den von US-Präsident Donald Trump betriebenen Nationalchauvinismus, wie MAGA und »America First«, ist allerdings fraglich, wie viel von diesem Versprechen überhaupt noch übrig geblieben ist. Klar, der amerikanische Exzeptionalismus war vorher schon da, aber mit der zweiten Amtszeit Trumps haben die USA noch einmal eine 180°-Kehrtwende eingeschlagen, die so auch nicht erwartet war – weder von Bürger:innen noch von Interna Trumps eigener Partei. Die Spitze: der Irankrieg. Ein Krieg, für den nur eine Dauer von wenigen Tagen vorgesehen war, ist seit seinem Ausbruch am 28. Februar 2026 noch immer nicht beendet. Der Unmut gegenüber Trump, besonders in der MAGA-Bewegung, steigt. Das zeigt sich unter anderem bei der »Great American State Fair«. Das Volksfest direkt bei der National Mall in D.C. war weder großartig noch groß besucht, sondern vielmehr ein von Trump groß angekündigtes Event, auf das man aus der Ferne nur fremdschambehaftet blicken kann. Im Hinblick auf die noch anstehenden 4th of July-Feierlichkeiten versucht der Präsident nun ein Kriegsabkommen fertigzustellen. Dies könnte aber angesichts der Zahl der verbleibenden Tage sehr eng werden – die Geister, die Trump rief, wird er nun nicht los. Der Iran-Krieg ist für Trump im Grunde verloren, das Katastrophenpotenzial für den diesjährigen vierten Juli ist höher als je zuvor.

Republikanische Arroganz

Trumps Selbstlob, -inszenierung und -erhöhung sind mittlerweile schon sehr bekannt. Man ist fast schon abgestumpft von einer unendlichen Masse derartiger Truth-Social-Posts und langen Reden des Präsidenten. Auch der 4th of July wurde bereits groß auf seiner Plattform von ihm selbst angekündigt: Es soll die »largest fireworks show in history« geben, das größte Musikensemble, eine »Trump Rally«. Die Präsenz der Marke »Trump« ist unübersehbar.

Unter dem ehemaligen Präsidenten Barack Obama verlief der Feiertag früher gänzlich anders. Legerer gekleidet hielt Obama in Poloshirt eine zehnminütige Ansprache, die die Nation vereint und nicht abhebt. Ein 4th of July, der unter Trump stattfindet, erinnert eher an die Royal Family, nur ohne Royalty. Im Mittelpunkt steht natürlich Trump selbst, der gemeinsam mit seiner Frau Melania von Blasmusik begleitet die Treppe des Weißen Hauses bis zum Rednerpult stolziert und wieder eine Stunde lang eine monotone Rede hält. Der Präsident ist bekannt dafür, nicht der bescheidenste seines Amtes zu sein – doch es wird nicht nur langsam, sondern in Überschallgeschwindigkeit exponentiell zu viel der republikanischen Arroganz und es bleibt nur abzuwarten, wie desaströs der immer näher rückende 4. Juli dieses Jahr wird.


Titelbild © Esther Nußstein

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