Die Party-Girl-Era ist back und das ist auch gut so!

Die Party-Girl-Era ist back und das ist auch gut so!
Freitagabend, 21 Uhr. Ein Glas Wein. Roter Lippenstift. Minirock. Auf dem Fußboden liegen meine Klamotten haufenweise verteilt. Es klingelt an der Tür. »Gut schaut ihr heute aus! « Wir glühen vor. Fotos. Meine Lieblingstasche, mein Haustürschlüssel. Leicht angeschwipst geht es in die Stadt. Ab in die nächste Bar, neue Leute kennenlernen und danach ein bisschen tanzen. Die Party-Girl-Era ist langsam zurück und das völlig zurecht.

von Julia Hiltl

»Mood, because I can feel my Party-Girl-Era is coming back« ist eines der Videos, die ich immer häufiger auf meinen Social-Media-Plattformen sehe. Danach folgen Videos und Bilder von Frauen, die ihre coolen Outfits zeigen, sich auf der Tanzfläche bewegen, draußen mit Freundinnen eine Kippe rauchen oder an dem Bartresen neusten Gossip austauschen. Die Party-Girl-Era scheint ihr Comeback zu feiern. Denn hierbei handelt es sich nicht nur, wie man es auf den ersten Blick vermuten mag, um eine gute Zeit mit seinen Freundinnen, sondern zudem auch um Female Empowerment und so viel mehr.

Selbstbestimmtheit und laut sein

In einer Welt, in der Frauen viel zu oft gesagt wird, wie sie sich zu verhalten haben, stellt die Party-Girl-Era das Pendant dazu dar. Unter Female Empowerment, das mit »Ermächtigung« und »Handlungsfähigkeit« übersetzt werden kann, versteht man die Stärkung der Selbstbestimmtheit und Selbstermächtigung von Frauen. Und genau das spiegelt das Feierngehen wider. Denn im Gegensatz zur Trad- Wife oder Clean Girl Ästhetik ist diese Era vor allem eins: Laut und provokant.

Nicht für den Male Gaze 

»Also, ich möchte keine Frau, die bis fünf im Club bleibt« , höre ich einen Mann in einem Video bei einer Straßenumfrage sagen. Nebenbei werden noch die »knappen Outfits« der Frauen im Club kritisiert und dass so etwas ja kein »Wifey-Material« sei. Solche Aussagen erhalten vor allem bei männlichem Publikum im Internet immer wieder erschreckend viel Zuspruch. Hierbei wird aber ein Problem offenbart, das vor allem von patriarchalen Strukturen geprägt ist. Einerseits scheint es wieder ein Kriterium zu sein, durch das Frauen auf – und abgewertet werden können. Zudem impliziert es, dass Frauen ihr Handeln und Dasein vor allem nach dem Male Gaze richten. Was in den meisten Fällen schlichtweg falsch und zugleich überheblich ist anzunehmen. Denn den meisten Frauen geht es beim Weggehen darum, eine gute Zeit zu haben. Und bei der Wahl ihres Outfits darum, sich selbst wohl und gut zu fühlen.

Es geht nicht um Exzesse oder darum, sich »selbst zu verlieren «

Nicht selten wird Feiern und Tanzengehen mit übermäßigem Konsum oder dem Fakt, »dass man sein Leben nicht unter Kontrolle hätte«, gleichgesetzt. Im Gegensatz zu Männern stehen hierbei Frauen viel mehr in der Kritik. Doch mittlerweile sollte dieses Bild neu überdacht werden. Natürlich gibt es Fälle, in denen diese Zuschreibungen zutreffen können. Jedoch steht für mich das Feiern mit meinen Freundinnen primär für die Freiheit, selbst Entscheidungen zu treffen: zu tanzen, wie ich möchte, das anzuziehen, was ich möchte, und mich zu verhalten, wie ich möchte. Unabhängig von der Meinung und Bewertung anderer. Dies kann auch völlig nüchtern geschehen. Ob es sich hierbei auch um einen kurzen Barbesuch von zwei Stunden handelt, oder einen Clubbesuch, der bis um fünf Uhr in der Früh geht, ist schlichtweg egal.

Von Liebeserklärungen bis hin zu Lebensweisheiten 

Freitag, 23:30 Uhr. Zwischen kleinen Liebeserklärungen von Frauen, die sich gerade erst auf dem Klo flüchtig kennengelernt haben. Bis hin zu Lebensweisheiten und lustigen Smalltalk an der Bar oder auf der Tanzfläche. Und gewagten Outfits. Das Comeback der Party-Girl-Era steht genau dafür: laut zu sein und das zu tun, worauf man Lust hat. Sich von bestimmten Bewertungen und Vorurteilen zu lösen. Im Moment zu leben, ohne jede Handlung zu überdenken. Sie steht für eine gute Zeit mit den besten Freundinnen. Für Frauen, die sich gegenseitig ermutigen, mehr zu sich selbst zu stehen. Und dafür, das Leben im Hier und Jetzt zu genießen. Genau deshalb feiert die Party- Girl- Era ihr verdientes Comeback.


Titelbild © Leonie Nicolaus

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