Ein Text über den Sommer, den man – egal wie anstrengend er im Moment ist – immer erst im Nachhinein romantisiert.
von Elisa Probst
Wie lange haben wir ihn uns herbeigesehnt? Wie oft saßen wir mit unseren Pullis und Leggins unter den Jeans in Caféten der Uni und haben melancholisch aus dem Fenster geschaut? Jetzt ist er da, der Sommer in Regensburg – und das mit voller Wucht.
Das Gesprächsthema Nummer Eins in der Stadt: diese elendige Hitze. Es gleicht fast einem Wettbewerb, wer mehr darunter leidet: Wessen WG-Zimmer knackt die 30 Grad Marke? Wer bekommt noch einen der begehrten Plätze in der Zentralbib? Oder einen Schattenplatz an der Donau?
Die Hitzewelle, die die Stadt diese Woche überrollt hat, ist erbarmungslos. Sie weckt uns frühmorgens aus, zerrt uns aus den verschwitzten Betten und verwandelt uns in hechelnde Hunde auf der Suche nach Abkühlung. Sie heizt unsere Körper auf, schlägt schonungslos auf unsere Gemüter und raubt uns die letzte Energie.
Ist es das, was bleibt? Woran wir im Winter denken, wenn wir mit STWNO-Tasse in der Hand aus den Fenstern auf den grauen Beton blicken?
Die Schweißflecken unter den Brüsten, die klebrige Hose nach längerem Sitzen oder das feuchte, warme Kork in den Birkenstocks sind wohl nicht das Erste, wenn wir in ein paar Monaten auf diese Zeit zurückblicken. Auch nicht die Unsicherheiten, die sich im Winter unter drei Schichten Kleidung verstecken und genau dann hervorkommen, wenn man nach dem Schwimmen den ganzen Weg an der Donau wieder zurückgehen muss. Die Blasen an den Füßen, die Mückenstiche und die Schweißflecken.
Es sind die langen Tage, die lauen Nächte, der blaue Himmel und die Nachmittage an der Donau, an den wir uns erinnern werden. Die Mensawiese, die kühlen Getränke und die gebräunte Haut schieben sich in unseren Erinnerungen vor all die Nebenwirkungen, die der Sommer mit sich bringt.
Und spätestens im November werden wir uns wieder danach sehnen. Wenn wir frierend in Winterjacke in der eiskalten Mensaschlange stehen, werden wir vielleicht sogar die Schweißflecken unter den Brüsten vermissen.
Titelbild © Yumé Hermann

