»Liebe Waldis, Waldtrauts und Wald(t)ers…«

»Liebe Waldis, Waldtrauts und Wald(t)ers…«
Reichlich Glamour, glitzernde Pailletten und hohe Hacken fanden am Sonntagabend ihren Weg ins Regensburger Antoniushaus. Als sexy Rotkäppchen führte Vicky Voyage das Publikum mit viel Prunk und Witz durch den märchenhaften Dragwald. Ob magische Nymphen-Beschwörung oder spritzende Milchdrüsen, bei dieser mitreißenden Show war alles dabei.

von Johanna Augustin

Schon im Foyer des Antoniushauses tummeln sich die Showbesucher:innen in freudiger Erwartung. Programmhefte für den Pride-Month sowie den CSD (Christopher Street Day) in Regensburg am 04. Juli werden interessiert gelesen, über die bevorstehende Performance der Künstler:innen wird munter spekuliert. Dann schlägt es 20 Uhr, die Plätze werden eingenommen, und prompt tauchen wir mit Vicky Voyage in eine Märchenreise durch den Dragwald ein. Zunächst als Stinktier gekleidet macht Vicky sich auf die Suche nach der glitzernden magischen Himbeere, und holt sich dabei Unterstützung vom Publikum. Auf die Einladung hin, »in die Waldkiste zu greifen« und Tierlaute der Waldbewohner:innen nachzuahmen, sind an diesem Abend zahlreiche Frösche, Wölfe und Windböen unter uns.

Auf drei geht´s los, und schon stolziert Miss Tizzy als flauschiger Showhase mit neongelbem Glitzerjackett auf die Bühne und tanzt mit fast zwei Metern Größe zu »I hate people« von Willow Pill. Als nächstes betört uns die Waldnymphe Martwa mit einem bezaubernden Tuchtanz und einem märchenhaften Kostüm, das an Tinkerbell und alle weiteren beliebten (Wald-)Feen und Fabelwesen erinnert.

Klimaschutz mit Stil

Hinter dem Motto »Die Geheimnisse der Dragwälder« verbirgt sich nicht nur der thematische rote Faden, der die Drag Queens und Kings als Märchenfiguren und Waldkreaturen auf der Bühne vereint. Teils spaßig, teils auf ernste Art und Weise, fließt auch die Thematik des Klimawandels in die Show mit ein.

Dass sowohl der Regen- als auch der Drag Wald geschützt werden müssen, betont Ares in einem gefühlvollen Gesangsauftritt von »The Seed« von Aurora. Als Hexe mit korall-orangener Lockenmähne singt Ares vom Klimawandel und hält am Ende der Performance ein Poster in die Höhe, auf dem steht: »Protect Forests. Protect the Climate – Greenpeace«. Die Wälder, die beschützt werden sollen, haben eine doppelte Bedeutung. Zum einen sind es die tatsächlichen Wälder auf unserer Erde, die von uns Menschen abgeholzt und zerstört werden. Andererseits dienen sie auch als Sinnbild für den Safe Space der queeren Community, für den wir uns aktiv einsetzen müssen. Die Zusammenarbeit mit der Organisation Greenpeace wird sowohl auf der Bühne als auch jenseits davon thematisiert. Im Foyer klärt ein Infostand über die Arbeit des Vereins auf, und nach der Pause erfahren wir von Vicky Voyage, dass an diesem Abend eine sagenhafte Gesamtspende von über 770 Euro zusammengekommen ist.

Vom Milchhandel zum schlafenden Dornröschen

Ein Comic Relief (befreiende Komik) liefert der nächste Act des Abends, Dairy King. Mit Bauchladen ausgestattet schreitet er durchs Publikum und verteilt passend zu dem Song »Milkshake« von Kelis ein paar Kostproben an jede Person im unmittelbaren Umfeld. Auf der Bühne angekommen entblößt Dairy King zur ungläubigen Euphorie der Zuschauer:innen die vier am Bauch platzierten »Euter«, die bisher unter der Jacke verborgen waren, während über die Lautsprecher »Spending all your money on me« (»My humps« von den Black Eyed Peas) dröhnt. Ein Auftritt, der an Skurrilität nicht zu übertreffen ist.

Doch viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, weil Daisy Dick von Vicky Voyage (immer noch als Stinktier) nicht etwa wachgeküsst, sondern wachgefurzt wird. Daraufhin wird mit engelsgleicher Stimme den Song »Lucky« von den Britney Spears angestimmt. Als letzter Act vor der Pause tritt Connor Lingus als Alpha-Wolf aus der jaulenden Menge und sorgt mit den Tanzmoves für Begeisterung im Rudel.

Alpha-Wolf Vicky gibt den Ton an

Das Wolf-Thema zieht sich schließlich auch in den zweiten Akt: Moderatorin Vicky Voyage hat augenscheinlich eine Verwandlung durchlebt und entpuppt sich nun vor unseren Augen als (nicht so) unschuldiges Rotkäppchen.  Prompt wird das Publikum wieder zum Mitmachen ermutigt, einer glücklichen Auserwählten wird sogar der pinke Scheinwerfer überlassen. Denn jetzt heißt es warm anziehen und Regenschirme auspacken: Dairy King geht in die zweite Runde. Mit Windmaschine und spritzenden Eutern entsteht eine unbeschreibliche Szene, die die Menge toben lässt.

Als Nächstes legt Miss Tizzy als Maus im pompösen Ballkleid eine legendäre Performance hin, die im Spagat endet. Daraufhin zeigt uns Connor Lingus, diesmal als hinreißende Schlange, dass neongrüne Fingernägel und Hüftpolster genauso leicht abzulegen sind wie die Hautschichten einer Schlange. Es wird sich am Stuhl geräkelt und sowohl mit dem voluminösen Schal als auch mit dem Hüftschwung gespielt, während sich die Kleidungsstücke nach und nach vom Körper lösen, eben wie eine Schlange, die sich häutet. Als Luchs liefert Ares erneut eine beeindruckende Performance, diesmal mit schillernder Tanzeinlage und bewundernswerter Akrobatik. Der absolute Schocker: Der Sprung in den Spagat gelingt sogar aus der Höhe eines Stuhls!

Die Megamotte Martwa wirbelt zu heftiger Heavy-Metal Musik durch den Wald und findet dafür großen Zuspruch. Daisy Dick signalisiert mit einer gefühlvollen Performance von »Out oft the woods« von Taylor Swift das bevorstehende Ende des Programms.

Regenbogenvielfalt

Zum krönenden Abschluss der Show versammeln sich alle Drag Queens und Kings in der Mitte der Bühne um Daisy Dick herum, die das melancholische »Somewhere over the rainbow« anstimmt. So findet diese aufgeweckte, theatralische, zu Zeiten kritische, und allzeit begeisternde Show ihren Abschluss.

Bilder: © Nadine Vaders


Weitere Informationen zum Stück gibt es auf der Website des Staatstheater Regensburg (Staatstheater Regensburg – Drag Voyage)

Die Vorstellung wurde mit Pressekarten besucht.

Beitragsbild: © Nadine Vaders




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