Selten verliefen die French Open so unvorhersehbar wie 2026. Zahlreiche Favorit:innen verabschiedeten sich früh aus dem Turnier, wodurch unerwartete Geschichten entstehen und sich die Gewinner:innen beide zum ersten Mal in ihrer Karriere einen Grand-Slam-Titel erspielen konnten. Bei den Damen sorgte die Polin Maja Chwalińska als Qualifikantin überraschend für Aufsehen, während die erst 19-jährige Mirra Andreeva einen Meilenstein in ihre junge Karriere meiseln konnte. Bei den Herren nutzte Alexander Zverev die offene Auslosung und krönte sich nach mehreren gescheiterten Anläufen erstmals zum Sieger von Roland Garros.
von Davida Schauer und Hannah Sturm
Mirra Andreeva hat die French Open 2026 gewonnen – mit 19 Jahren, als jüngste Siegerin in Paris seit Monica Seles 1992. Eigentlich genau die Art von Geschichte, die man bei einem Grand Slam erwartet: ein Supertalent, das endgültig an der Spitze ankommt.
Doch das Turnier brachte nicht nur eine herausragende Geschichte hervor, sondern auch die von Maja Chwalińska. Vor drei Wochen musste sich die Polin noch durch die Qualifikation spielen. Während die großen Namen längst auf den Trainingscourts von Roland Garros angekommen waren, gewann Chwalińska erst einmal drei Extra-Matches, um überhaupt ins Hauptfeld zu gelangen. Danach hörte sie einfach nicht mehr auf zu gewinnen. Und das in einem Turnier, in dem viele der Favoritinnen ungewöhnlich früh ausschieden. Aryna Sabalenka, Elena Rybakina, Iga Świątek – plötzlich wirkte das Frauen-Tableau komplett offen. Chwalińska nutzte genau dieses Chaos aus und spielte sich bis ins Finale von Paris.
Von der Quali ins Finale
Dabei wirkte sie jedoch nie wie die typische Außenseiterin. Chwalińska spielte mit einer Ruhe und Kreativität, die viele Gegnerinnen aus dem Konzept brachte. Gleichzeitig hatte ihre Geschichte etwas fast Surreales: Gleich alt wie Świątek, früher ihre Doppelpartnerin bei den Juniorinnen – und jetzt, ausgerechnet in dem Jahr, in dem Świątek früh ausschied, wird plötzlich eine andere Polin zur Geschichte der French Open.
Während Świątek in den letzten Jahren Paris fast selbstverständlich dominiert hatte, verlief Chwalińskas Karriere komplett anders. Kleinere Turniere, Verletzungen, mentale Probleme, wenig Aufmerksamkeit, keine Sponsoren. Noch während des Turniers scherzte sie, sie hoffe, dass sie überhaupt noch ein günstiges Zimmer in Paris finde – und dass ihr Preisgeld rechtzeitig ankomme.
Ein Endspiel mit zwei Geschichten
Und dann stand sie am Samstag sie plötzlich im Finale von Roland Garros – gegen die 19-jährige Mirra Andreeva, die momentan die Zukunft des Damentennis ist. Dass am Ende Andreeva gewann, passte allerdings sehr zu diesem Turnier. Nicht spektakulär oder dramatisch, sondern erstaunlich souverän. Nach ihrem Sieg bedankte sie sich bei ihrem Team, ihrer Trainerin – und dann bei sich selbst. Dafür, dass sie trotz Druck, Erwartungen und »inneren Dämonen« immer weitergemacht habe.
Während Chwalińska viele Gegnerinnen vorher oft aus dem Rhythmus bringen konnte, ließ sich Andreeva kaum davon beirren und spielte das Match in ihrem eigenen Tempo durch. 6:3, 6:2, ihr erster Grand-Slam-Titel.
Am Sonntag dann der Fünfsatzkrimi…
Nur einen Tag später stand dann das Finale bei den Herren an: Der deutsche Alexander Zverev und der Italiener Flavio Cobolli lieferten ein Match von 4:16 Stunden. Am Ende gewinnt Zverev die French Open 2026 mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 und 6:1 und darf somit den größten Erfolg seiner Karriere feiern, es ist sein erster Grand-Slam-Titel.
Der Weg Zverevs zum Titel wurde allerdings durch das frühe Ausscheiden mehrerer Topspieler begünstigt. Weltranglistenerster Jannik Sinner verabschiedete sich überraschend früh aus dem Turnier, Titelverteidiger Carlos Alcaraz fehlte verletzt und auch Novak Djokovic spielte im Titelrennen keine Rolle mehr. Dadurch galt Zverev spätestens ab dem Viertelfinale als klarer Favorit auf den Turniersieg.
Im Finale schien der Hamburger seiner Favoritenrolle zunächst souverän gerecht zu werden. Nach einem dominanten ersten Satz kämpfte sich Cobolli jedoch zurück und zwang Zverev in einen entscheidenden fünften Durchgang. Dort zeigte der Deutsche seine größte Stärke des Tages: mentale Stabilität. Während sein Gegner nach dem gewonnenen vierten Satz nachließ, spielte Zverev seine Erfahrung aus und entschied die Partie letztlich deutlich für sich.
Zwischen Titel und Kritik
Trotz des sportlichen Erfolgs bleibt Zverev eine umstrittene Figur. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe häuslicher Gewalt sorgen dafür, dass sein Triumph nicht überall uneingeschränkt gefeiert wird. Sein erster Grand-Slam-Titel ist daher gleichzeitig eine sportliche Erlösung und ein Erfolg, der für viele Beobachter:innen einen schwierigen Beigeschmack behält.
In seiner Dankesrede blicket Zverev sehr emotional auf seine lange Reise zum Titel zurück. Besonders hob er hervor, wie viel ihm der Sieg auf dem Court Philippe-Chatrier bedeutet und sprach von einem Traum, der nach vielen Rückschlägen endlich in Erfüllung gegangen sei.
Titelbild © Davida Schauer

