La Cultura es Amor  – »cinEScultura«

La Cultura es Amor  – »cinEScultura«
Spanischsprachige Kultur rückt zunehmend in den globalen Mainstream und somit auch in unseren Alltag: Bad Bunny, Rosalía und Karol G füllen internationale Stadien und räumen bei Preisverleihungen ab. »Haus des Geldes« führte jahrelang auch die deutschen Netflix-Statistiken an und Filmemacher wie Guillermo del Toro und Alfonso Cuarón haben in Hollywood Maßstäbe geprägt. Als Vorreiter dieses Trends zelebriert das »cinEScultura« in Regensburg dieses Jahr bereits in der 19. Ausgabe spanische Kultur und Filme.

von Annabelle Sommer und Verena Streibl

Das spanische Film- und Kulturfestival »cinEScultura« wurde 2007  von Pedro Álvarez Olañeta als Projektseminar der Universität Regensburg initiiert und ins Leben gerufen. So feiert es 2027 bereits sein 20-jähriges Jubiläum. Seither wird das Festival jedes Jahr von einem neuen Team aus Studierenden und Dozierenden der Universität Regensburg unter Olañetas Leitung organisiert und durch den Verein Arbeitskreis Film Regensburg e.V. logistisch unterstützt. Die langjährige Laufzeit ist eine Besonderheit in der Regensburger Kulturfestivalszene, die laut Olañeta von »cinEScultura« als Wegbereiter auf vielen Ebenen pioniert wurde.

19 años llenos de corazón – 19 Jahre voller Herz

Seit seinen Anfängen will das Festival nicht nur eines von zahlreichen Filmfestivals sein: Neben einem vielfältigen Kinoprogramm gibt es auch alljährlich ein breitgefächertes kulturelles Angebot gefüllt von Musik, Ausstellungen, Literatur, Comics, Street Art und Tanz. Über die Jahre verschlug es so schon viele hoch gefeierte und einflussreiche spanischsprachige Künstler:innen in die Stadt in der Oberpfalz. Die Liste umfasst umjubelte Regisseure, wie Francisco José Lombardi (Peru) und Sergio Cabrera (Kolumbien), Schriftsteller:innen, wie Sara Mesa und Javier Cercas, sowie Musiker:innen, wie Silvia Pérez Cruz oder Rita Payés. Das diesjährige Festival ist zugleich die Abschiedsausgabe von Olañeta als Festivalleitung, der als bisheriger Fixpunkt des Festivals ab der nächstjährigen Jubiläumsedition von Prof. Dr. Ralf Junkerjürgen, dem Leiter des Forschungszentrum Spanien, ersetzt wird. Besonders stolz dürfte das Festivalteam auf einen bestimmten musikalischen Act aus 2017 sein. Damals spielte nämlich der heutige Superstar Rosalía im Rahmen von »cinEScultura« ihr erstes internationales Konzert im kleinen aber feinen Regensburger Jazz Club. 

Aquí es donde suena la música – Hier spielt die Musik!

Besonderheit dieses Jahr ist nicht nur der anstehende Wechsel in der Festivalleitung, sondern auch die Zweiteilung des Festivals in eine Frühlingsausgabe (22. bis 26. April) und eine Herbstausgabe (28. bis 30. Oktober). Erstere setzte den Fokus auf Spielfilme, die in den Dialog mit dem Thema Musik treten. Im Herbst steht dann die 14. Ausgabe des Kurzfilmwettbewerbs auf der Agenda, abgerundet durch ein Konzert im Jazzclub und einer Ausstellung in der Zentralbibliothek der Uni Regensburg. 

Wie jedes Jahr wurde auch das diesjährige Programm nach einem gesellschaftsrelevanten Motto kuratiert. Deshalb folgen alle Kulturangebote der 19. Ausgabe »cinEScultura« den Leitsprüchen »All we need now is love« und »Hier spielt die Musik!«. Das Beatles-Zitat interpretiert Olañeta als Ode an die Liebe in einer Welt, die aktuell Waffen und Krieg, Liebe und Frieden scheinbar vorzieht. »Wenn wir als Menschen auf dieser Welt überleben möchten, dann werden wir nicht mit Waffen überleben, sondern mit Liebe, Dialog und Verständnis«, so Olañeta. Das zweite Leitmotiv der Musik findet einerseits Ausdruck in dem musikalischen Angebot, vertreten durch Echoes in Blue und Jorge Pardo & Cristian de Moret. Andererseits folgt das Kino-Programm einem musikalischen roten Faden. Alle diesjährigen Langfilme porträtieren Musik als Zufluchtsort und Manifest für Veränderung: »Love & Revolution«, »Llueve sobre Babel«, »Stay Homas. Die Band, die es nicht geben sollte«, »Un día Lobo López«, »Flores para Antonio« und »Rondallas«.

Komplementiert wurde das filmische und musikalische Angebot durch Fotoausstellungen in der Stadtbücherei und dem Donau-Einkaufszentrum in Regensburg, die sich mit der Flutkatastrophe in Valencia und der cinematischen Darstellung von Kantabrien auseinandersetzen. 

Todo lo que ahora necesitamos es amorAll we need now is love

Mit Ausblick auf die nächsten Jahre des »cinEScultura« wird es nicht nur einen Umbruch in der Festivalleitung geben. Ab 2027 soll das Festival nämlich nur noch im Zwei-Jahres-Rhythmus als Biennale im Herbst abgehalten werden. Trotz dieser Veränderungen wird die Essenz des Festivals, dessen Titel auf deutsch »Kino ist Kultur« bedeutet, wohl auch in Zukunft bestehen bleiben. Es ist und bleibt über all die Jahre und Herausforderungen eine Ode an spanische Kultur und spanischsprachigen Film – ein Herzensprojekt. Dies spürt man im Gespräch mit Pedro und auch die Lebensläufe ehemaliger studentischer Mithelfer:innen spiegeln dies wider. Viele von ihnen sind heute beruflich noch immer an verschiedensten Festivals, Kultureinrichtungen und Universitäten beteiligt.

Hervorzuheben ist in der diesjährigen Festivalorganisation nicht nur Olañeta, sondern gleichermaßen die studentische Beteiligung: Sonya Danila Filimon, Uxue Irigaray Olloqui, Sophia Martinsons Fernández, Jessica Carolina Rodríguez Guzmán, Tamara Durić und Alexandru-Daniel Constantinescu, haben ebenso viel Zeit wie Liebe in das Festival gesteckt. Sonya und Pedro beschreiben »cinEScultura« als »caótico« und »unorthodox« im Sinne von unkonventionell. Es will nicht dem Mainstream entsprechen, sondern hat sich zum Ziel gemacht, den Horizont zu erweitern und Zugang zu spanischsprachiger Kultur zu schaffen. Selbst nach fast 20 Jahren bleibt es auch für Pedro immer noch spannend, denn »ein Festival zu organisieren, ist wie eine Schnitzeljagd. Und eine Schnitzeljagd ist eben chaotisch.«

Mehr Informationen zu  »cinEScultura«:

Instagram: https://www.instagram.com/cinescultura

Website: https://cinescultura.de/

Programm: https://cinescultura.de/wp-content/uploads/2026/03/cines2026-Katalog_eQUER.pdf


Titelbild © Verena Streibl

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