Vom 14. Bis zum 31. Mai sah man in Regensburg verstärkt junge Menschen in Tracht durch die Gassen laufen. Ihr Ziel: Die Regensburger Dult. Trachten scheinen bei der jungen Generation wieder sehr im Trend zu sein. Was gerade in ist und warum gerne Trachten getragen werden, hat die Lautschrift einige Festbesucher:innen auf der Dult gefragt.
von Elisa Probst
Wendet sich die Gen-Z von Traditionen ab? Auf der Regensburger Dult scheint dies nicht der Fall zu sein. Hier wird Tradition, vor allem in Form von Trachten, von Student:innen gelebt und gefeiert. An manchen Abenden unter der Woche ist es im Hahn-Zelt schwierig, nach 18 Uhr überhaupt noch einen Platz zu bekommen – fast alles ist voll, in den ersten Reihen stehen fast nur Studierende auf den Bänken.
Trachten sind bei den jungen Festbesucher:innen sehr beliebt, man sieht nur wenige, die Keine tragen. Manche sind auch bereit, dafür viel Geld auszugeben. Eine Studentin erzählt, sie besitze insgesamt sieben Dirndl und schätze für diese ungefähr 1000 Euro ausgegeben zu haben. Dabei seien nur zwei von diesen sieben Dirndl neu gekauft, die Übrigen habe sie second-hand für einen deutlich niedrigeren Preis gefunden.
Bei Dirndl gibt es einige Trends, die sich fast jährlich wandeln. Eine Gruppe Student:innen, die alle begeisterte Dultgängerinnen sind, erkärt: Moderne Dirndl seien in diesem Jahr schlicht und meist in einem Farbton im Monochrom-Look gehalten. Stoffe, wie Cord und Samt seien auch sehr beliebt. Dieses Jahr seien extravagante Dirndlblusen mit Flügel-/Puffärmeln im Trend – oder Dirndl mit integrierten Ärmeln, bei denen gar keine Bluse mehr benötigt wird. Insgesamt gilt: »Weniger ist mehr«, meint eine von ihnen. Pastelltöne, schlichte Schnitte und längere Röcke seien modern. Außerdem werden gerne Haarreifen oder Tücher getragen. Was Schuhe angeht, könne man von Cowboyboots über Ballerinas und Loafers bis hin zu Sneaker alles tragen.
Auch auf Social-Media werden Trachten Trends und »No-Gos« für diese Saison besprochen. Bei Letzterem wird zum Beispiel auf Dirndl eingegangen, die über dem Knie enden oder grelle Farben kombinieren. »Letztendlich kann man aber eigentlich alles tragen, jedes Dirndl kann zu einem eigenen Style passen«, sagt eine Studentin auf der Dult.
Trachten schaffen auch ein Gemeinschaftsgefühl, erklärt ein Student, der ursprünglich aus Thüringen kommt. »Zuerst war es schon ein kleiner Schock für mich, dass hier wirklich Trachten getragen werden«, erzählt er. Mittlerweile habe er sich selbst eine Lederhose gekauft, weil er sie ästhetisch finde und er sich dadurch ein bisschen mehr dazugehörig fühle. Ausgeschlossen oder abfällig bewertet habe er persönlich sich aber nie gefühlt, wenn er ohne Tracht auf die Dult gegangen sei.
Traditionen haben oftmals den Ruf, nicht besonders inklusiv oder dem Zeitgeist entsprechend zu sein. Es komme natürlich – wie überall – auf die Kreise an, in denen man sich bewegt, sagt eine Studentin: »Bloß, weil es eine Tradition ist, heißt es ja nicht, dass es nicht offen ist.« Eine andere Dult-Besucherin meint, konservative Werte und Traditionen, wie ein schönes Dirndl zu tragen, sollten nicht in denselben Topf geworfen werden.
Dennoch gibt es eine unausgesprochene Regel, die fragwürdig erscheint. Der Beziehungsstatus einer Frau kann einfach am Dirndl abgelesen werden. Schleife links: single. Schleife rechts: vergeben.
Dirndl sind oftmals für den Male-Gaze geschnitten. Einige Dirndl sind sehr brustbetont und die »Schleifen-Codex« zeigt: Nur ein Blick reicht und man(n) weiß, ob die Frau »verfügbar« ist, oder nicht. Die Gruppe Studentinnen sieht das nicht so eng. »Freunde von mir tragen die Schleife extra links, obwohl sie vergeben sind, um etwas ausgegeben zu bekommen«, erzählt eine von ihnen. »Es wäre halt fair, wenn es so eine Regel auch für Männer geben würde.«
Titelbild © Elisa Probst und Sophia Schulz

