In Zeiten, in denen sich in unserer Gesellschaft wieder ein deutlicher Rechtsruck bemerkbar macht, ist es essentiell die Stimme zu erheben. Sei das für die Demokratie, den Rechtsstaat – oder auch den Feminismus. Die Stimme erheben: Genau das tun die Autor:innen des Kurses »Feministische Manifeste«. Die Kursarbeiten bilden eine Ausstellung, die vom Mittwoch, dem 27. Mai, bis zum 9. Juni im Foyer der Hörsäle H3 und H4 besucht werden kann.
von Esther Nußstein
Sehen, hören – alles spüren
Astrid Ensslin, Beauftragte für Gleichstellung von Frauen in Wissenschaft und Kunst an der Universität Regensburg, leitet mit einer Rede in die Ausstellung ein. Das Thema heißt nicht umsonst »Feministische Manifeste« – und das Manifest als Textform wurde nicht umsonst als Format dieses Kurses gewählt. Manifeste seien dafür bekannt, zugespitzt, laut und provokant zu sein: Sie wollen gesehen, gehört und gespürt werden, erklärt Ensslin. Man kann die ausgestellten Texte nicht nur sehen und lesen, es entstand beispielsweise auch ein Song, den man sich anhören kann. Spüren – das kommt von ganz alleine, sobald die beiden anderen Sinne erst einmal erfüllt sind. Wut, Trauer, Hilflosigkeit, ein Schmunzeln – auf einer Bandbreite von tief wütendem und enttäuschendem bis zu provokant-ironischem Ton schaffen diese Manifeste alles abzudecken. So trägt das Projekt »Manifeste gegen die Normalisierung weiblicher Erschöpfung« beispielsweise viel Schmerz in sich. Es geht um all die Lasten und Rollen, die Frauen auferlegt werden. Wohingegen ein anderes Manifest diskutiert – oder vielmehr ziemlich erfolgreich persuadiert –, warum und wie das Patriarchat und somit Männer kastriert werden sollten. Diagnose, Sedierung, Guillotine – ganz einfach. Das »Mensch Manifest« erinnert daran, dass Feminismus im Grunde ein Kampf für Menschenrechte ist. Stillradikal und nachdenklich ruft es zu einer Rückkehr zur Menschlichkeit auf – einer Menschlichkeit, die dieser Gesellschaft besonders im Umgang mit Frauen fremd geworden zu sein scheint.
Das Scum-Manifest und was danach kam
Diese und noch viele weitere Manifeste entstanden im Rahmen des Seminars »Feministische Manifeste« unter der Leitung von Agnes Böhmelt. Der Kurs ist Teil des Zusatzstudiums Genderkompetenz, und dass die Abschlussarbeiten der Teilnehmer:innen öffentlich gezeigt werden, jährt sich in diesem Semester zum 5. Mal. Angefangen hat alles damit, dass Böhmelt eine Inszenierung des berühmten Scum-Manifests von Valerie Solanas im Theater sah. Dies war ihre Inspiration, ein Seminar zu diesem Thema zu machen. Der Kurs besteht aus zwei Teilen: Einem Theorieteil, in dem vor allem bekanntere feministische Manifeste gelesen werden, von Solanas aus den 60ern bis hin zu neueren Texten aus den 2010er Jahren. Das Lesen soll den Student:innen zeigen, dass bei Manifesten alles erlaubt ist und jeder für sich herausfinden kann, welche Dinge er für sein eigenes Projekt übernehmen möchte und welche nicht. Den zweiten Teil bildet dann eine Schreibwerkstatt, wo die Manifeste verfasst werden.
Was auffällt, wenn man all diese verschiedenen und gelungenen Werke rezipiert, ist, dass die Autor:innen nicht genannt werden. Das, so Böhmelt, sei eine bewusste Entscheidung gewesen, aus Schutzgründen für die Verfasser:innen. In jedem Fall leistet jeder einzelne Text einen wichtigen Beitrag für den Feminismus, den unsere Gesellschaft dringend braucht und der schon in der Uni beginnt. Eine bemerkenswerte Ausstellung, die voller Kraft dazu aufruft, für alle Frauen weiterzukämpfen – denn es reicht noch lange nicht.
Titelbild © Esther Nußstein
Ausstellungsbilder © Esther Nußstein








