In Warschau wurde am 15.05.2026 zum ersten Mal eine gleichgeschlechtliche Ehe anerkannt. Das Ehepaar Jakub Cupriak-Trojan und Mateusz Trojan hat 2018 in Berlin geheiratet und möchte sich nun in Polen niederlassen. Es wird in den Medien von einem historischen Ereignis und Meilenstein für die queeren Rechte in Polen gesprochen. Nun stellt sich die Frage, wie die Lage für queere Personen in Polen davor aussah und was sich nun ändern wird.
von Fennek Eidel
Seit 2025 ist Karol Nawrocki der Präsident Polens. Offiziell parteilos, jedoch wird er von der Partei PiS (Prawo i Sprawiedliwość, auf deutsch »Recht und Gerechtigkeit« unterstützt. Er selbst äußerte sich bereits in der Vergangenheit queerfeindlich: Kein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare, keine queere Aufklärung an Schulen (da das einer Sexualisierung der Kinder gleichkommen würde) und eine klare Ansage bei der Präsidentsschaftsdebatte: »Die LGBT-Community kann nicht erwarten, dass ich mich um ihre Angelegenheiten kümmere.« Doch damit nicht genug: Die Partei, die Nawrocki unterstützt, war von 2015 bis 2023 an der Macht in Polen und verfolgte einen klar rechtskonservativen Kurs. PiS möchte die »nationale Identität, seine Tradition und Kultur sowie die polnische Lebensart vor den Tendenzen schützen, die darauf abzielen, riskante kulturelle Elemente einzuführen, die nicht von der Mehrheit der Gesellschaft akzeptiert werden« (laut einer Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik). Diese »Tendenzen« sind Minderheiten, darunter auch queere Personen die von der Partei als schädigend für die Gesellschaft gesehen werden. Mithilfe dieser Forderungen konnte die Partei teilweise zu Regierungszeiten die Massen mobilisieren und an Beliebtheit gewinnen. Des Weiteren möchte die PiS einen Schutz der »natürlichen Familie« – bestehend aus dem heteronormativen Bild von Mutter-Vater-Kind(ern) und keine »kulturelle Umerziehung von Außen.« Damit gemeint ist beispielsweise die EU, die 2021 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Polen eingeführt hat, welches jedoch nicht zu Ende geführt wurde. Auslöser dafür waren die von der PiS im selbigen Jahr eingeführten »LGBTQIA* freien Zonen« in polnischen Gemeinden. Laut der Human Rights Watch reichte die Androhung, dass keine EU-Mittel mehr ausgezahlt werden würden, um bereits vier der beteiligten Gemeinden zu einem Auflösen dieser Zonen zu bewegen. Diese gibt es erst seit 2025 nicht mehr.
Ein kleiner Lichtblick
Die Ausgangslage für queere Personen in Polen ist nach wie vor stark von Vorurteilen und dem Narrativ geprägt, die Bevölkerung vor ihnen »schützen« zu müssen. Doch das ändert sich hoffentlich durch Ministerpräsident Donald Tusk und seiner Bürgerplattform Civic Coaliation, die sich eben mitunter für queere Rechte einsetzt. Sie betont auf ihrer Website den Wert der sozialen Solidarität und dass diese ausschlaggebend sei für die Bedingungen von Wohlstand und Sicherheit der kommenden Generationen. Im März 2026 kam es zu einem »Entwurf eines Gesetzes über den Status der nahestehenden Person in einer Partnerschaft und in einer Lebensgemeinschaft«, den Tusk innerhalb seines Mehrheitsbündnisses Bürgerkoalition (KO, Koalicja Obywatelska) aushandeln konnte. Das Bündnis besteht aus der grünen Partei (Partia Zieloni) sowie Moderne (Nowoczesna) und der Bürgerplattform von Tusk. Der Entwurf besagt, dass jede volljährige Person einen Vertrag mit einer anderen volljährigen Person eingehen kann, der die gegenseitigen Rechte und Pflichten klärt – jedoch nicht den Familienstand ändert. Daraus resultiert eine standesamtliche Heirat, ohne dass »verheiratet« in den Akten steht. Es ist wichtig zu betonen, dass es sich hier um einen Gesetzesentwurf handelt. Der Präsident hat immer noch ein Vetorecht, um die Realisierung zu verhindern. Festzuhalten bleibt: Durch die Bemühungen von Tusk und des anerkannten Heiratsvertrags des homosexuellen Ehepaars sind wichtige Schritte in Richtung queerer Rechte in Polen passiert. Wie lange es aber noch dauern wird, bis sich die Lage für Betroffene tatsächlich entspannt bleibt offen.
Titelbild © Fennek Eidel
Quellen:
https://www.bpb.de/themen/europa/polen/541162/parteien-und-wahlbuendnisse/#node-content-title-6
https://www.queer.de/detail.php?article_id=53812
https://www.swp-berlin.org/publications/products/studien/2023S12_die_welt_der_pis.pdf
https://www.queer.de/detail.php?article_id=53408
https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-05/polen-gleichgeschlechtliche-ehe-eu-anerkennung
https://www.zdfheute.de/politik/ausland/polen-lgbtq-homosexualitaet-gesetz-partnerschaft-100.html

