»Off Campus«

»Off Campus«
Draußen scheint die Sonne, das Thermometer zeigt 30 Grad – und trotzdem schauen gerade erstaunlich viele Menschen Eishockey. Im Laufe der letzten Jahre wurde die Wintersportart plötzlich zu einer der Romantischsten des Internets. Und während echte NHL-Spieler vermutlich weiterhin echte NHL-Spieler-Dinge tun, verbinden einige den Sport inzwischen zuerst mit fiktionalen College-Athleten wie Garrett Graham oder Dean Di Laurentis. Mit der Serienadaption der erfolgreichen Buchreihe »Off-Campus« von Elle Kennedy ist dieser Hockey-Romance-Hype nun endgültig im Mainstream angekommen – und beim Anschauen versteht man ziemlich schnell, warum.

von Hannah Sturm

Denn »Off Campus« funktioniert nicht in erster Linie über den Sport. Eishockey kommt zwar vor: Trainingshallen, Teamjacken, Spiele unter grellem Licht. Aber im Zentrum steht die Welt der fiktiven Briar University, in der Nähe kein Ausnahmezustand ist, sondern Ausgangspunkt – Menschen teilen Wohnräume, begegnen sich ständig zwischen Training, Vorlesung und Alltag, soziale Kontakte entstehen nicht durch Aufwand, sondern ganz von allein. Das macht die Handlung auch für Menschen zugänglich, die mit Hockey selbst wenig anfangen können.

Gefühlschaos auf Knopfdruck

Die Serie bewegt sich zwischen klassischer Coming-of-Age-RomCom und moderner BookTok-Ästhetik: Fake-Dating-Konstellationen, Frat-Partys und eine typische Campus-Logik, in der sich jede Begegnung weiterverzweigt und beiläufige Momente plötzlich bedeutsam werden. »Off Campus« will keine realistische Abbildung des Studiums sein, sondern eine verdichtete Version davon – Emotionen fühlen sich sofort groß an, weil es kaum Abstand zwischen den Figuren und ihren Konflikten gibt. Was dabei oft untergeht: Die Reihe lebt genauso stark von ihren Freundschaften wie von ihren Liebesgeschichten. Figuren wie Hannah und Allie geben der Geschichte eine eigene Stabilität – das Gefühl eines sozialen Umfelds, in dem man sich nicht lange erklären muss, um verstanden zu werden.

Vom Nischengenre zum Dauerbrenner

Auch online hat sich längst eine eigene Kultur um diese Welt gebildet. Hockey-Romance ist inzwischen ein eigenes Genre, das spätestens seit dem Erfolg der TV-Adaption von »Heated Rivalry« weitreichende Beliebtheit erfährt. Nicht als völlig neues Phänomen, sondern als eines, das durch BookTok und Serienadaptionen plötzlich sichtbarer geworden ist.

Und vielleicht erklärt genau dieses Zusammenspiel aus digitaler Aufmerksamkeit und erzählerischer Verdichtung, warum »Off Campus« gerade jetzt so erfolgreich ist: Die Serie schafft eine Welt, die vertraut genug wirkt, um sich sofort hineinzufinden, und gleichzeitig so zugespitzt ist, dass sie sich vom Alltag klar absetzt. Irgendwo zwischen Sehnsucht, Eskapismus und einem sehr kontrollierten Chaos aus Beziehungen, Freundschaften und Emotionen.


Titelbild © Hannah Sturm

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