»Du«

»Du«
Menschen begegnen uns manchmal nur für kurze Augenblicke, doch bleiben ein ganzes Leben in Erinnerung. Ein Text, der zeigt, dass Gedanken und Gefühle dazu lange nachhallen.

von Helen Müller

Sehe dich im Gedränge der Masse und dann wieder Nichts.

Irgendwann später bist du vor mir. Zum Greifen nah.

Menschen und die Nacht, die uns umschloss.

Kurze Blicke und dann wieder Nichts.

Annäherung. Langsam. Schleichend. Sanft.

Lange Blicke, aber keine Worte.

Stundenlang. Und dann wieder Nichts.

Wieder tauchst du einfach so vor mir auf.

Wir tanzen. Für Sekunden.

Und dann wieder Nichts.

Ich suche dich in der Masse.

Sehe dich. Für einen kleinen Moment.

Du kommst zu mir. Und wir reden.

Lange, aber belanglose Themen.

Und doch genieße ich die Zeit.

Genieße es, deine Sichtweise kennenzulernen.

Bin beeindruckt.

Von deiner Art und Weise. Deiner Offenheit.

Deinem sanften Beobachten. Deiner Unvoreingenommenheit.

Die Sonne geht auf und die Menschen werden weniger.

Wir sind immer noch da.

Hier und jetzt.

Stunden vergehen.

Wir verabschieden uns.

Werden wir uns wieder sehen?

Wochen vergehen.

Dann sehe ich dich wieder im Gedränge der Masse und dann wieder Nichts.

Du bist fort.

Und ich sehe dich nicht wieder.

Trotzdem –

Die Erinnerung bleibt.

An die besondere Begegnung mit dir.

Wochen vergehen.

Sie ist immer noch da.


Titelbild © Helen Müller

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