Zwischen Geistern und Familienkrisen: »The Shining«

Zwischen Geistern und Familienkrisen: »The Shining«
Die europäische Erstaufführung von »The Shining« feiert am 09.05.2026 Premiere in Regensburg.

von Sara Rosin

Jede:r kennt es: Ob die berühmte Szene des psychopathischen Familienvaters, der im Wahnsinn mit der Axt eine Tür zerstört oder das schaurige Werk von Stephen King selbst — »The Shining« ist ein weltweiter Klassiker des Horror-Genres geworden.

Der Komponist Paul Moravec erweckt die Geschichte musikalisch auf einer Bühne zum Leben. Zusammen mit dem Librettist Mark Campbell verwandelte er den Horror-Roman von King in eine Oper. In Amerika ist das Stück bereits ein voller Erfolg — nun kommt die Oper »The Shining« das erste Mal auf eine europäische Bühne: und das im Staatstheater Regensburg.

Die Familie Torrance blickt auf das Overlook-Hotel, ihr Zuhause für den Winter. Kalt, isoliert von der Außenwelt und mit einer unheimlichen Vorgeschichte. Jack (Carl Rumstadt) soll das Hotel über den Winter in Stand halten. Ein Job, der wie gerufen kommt, nachdem er als Lehrer gefeuert wurde. Seine Ehefrau Wendy (Theodora Varga) ist überglücklich: Ein Neuanfang für die Familie — oder doch eher der Beginn eines Albtraums? Die Fassade der perfekten Familie zerbricht schnell: Immer wieder kommen Jacks Probleme mit Alkoholismus und Gewalt hoch, und auch ihr Kind Danny (Vitus Heumüller/Luke Sebö) scheint nicht ganz normal. Er hat die titelgebende Gabe des »Shining«, die Fähigkeit Übernatürliches wahrzunehmen. Wie sich bald herausstellt, gibt es davon im Overlook-Hotel genug.

Von Opernhaus zu Overlook-Hotel

Schauspielerisch und musikalisch überzeugt die Oper: Für jede Figur gibt es ein Leitmotiv, sogar für das Hotel selbst. Immer wieder durchzieht dieser furchteinflößende Klang die Musik, der einem einen Schauer über den Rücken jagt. Damit, und mit dem fantastischen Bühnenbild von Sam Madwar, wird das Hotel zu einer der Hauptrollen. Mehrere sich bewegende Stockwerke und Ebenen lassen das Publikum denken, man hätte ein riesiges Gebäude vor sich. Auch das Set selbst dreht sich, und enthüllt weitere Räume, deren Existenz man nicht für möglich gehalten hat. Die Bühne erscheint – wie das Overlook-Hotel – unheimlich lebendig.

Carl Rumstadt, Vitus Heumüller & Theodora Varga © Marie Liebig

»Fantastisch, schaurig und filmisch«

— so beschreibt der musikalische Leiter Stefan Veselka die Oper. Wer jedoch ein Stück erwartet, das dem Film von Stanley Kubrick gleicht, ist hier falsch. Die Inszenierung folgt wieder mehr der Originalvorlage und den Vorgaben von Stephen King. Im Zentrum steht nicht Psycho-Horror, sondern Emotion. In dieser Oper geht es um die innere Zerrissenheit einer Familie, nicht um einen Wahnsinnigen mit einer Axt. Obgleich dieser Konflikt sehr gut zur Geltung kommt, bleibt der Grusel aus. Man wartet vergeblich auf den ein oder anderen Schrei, der für Gänsehaut sorgt. Der Spannungsbogen fällt tendenziell ab; von dem Höhepunkt erwartet man bei »The Shining« etwas mehr.

Dennoch ist Sebastian Ritschel insgesamt eine grandiose Inszenierung gelungen — und vom Applaus her zu urteilen scheint »The Shining« auch in Regensburg zu begeistern.

Weitere Informationen zum Stück gibt es auf der Website des Theater Regensburg (https://www.staatstheater-regensburg.de/produktionen/the-shining.html)

Die Vorstellung wurde mit Pressekarten besucht. 

Beitragsbild: Carl Rumstadt © Marie Liebig

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert