»Met Gala«

»Met Gala«
Die Met Gala ist eines der bekanntesten Events des Jahres, das alljährlich unter einem neuen Motto stattfindet. Die Veranstaltung am 4. Mai griff das Thema »Fashion is art« auf. Doch schneller als die Gala wieder vorbei war offenbarte sich, dass sich bei dem Event lange nicht alles nur um Mode und Kunst drehte.

von Esther Nußstein

Als Benefizveranstaltung für das Metropolitan Art Museum dient die Met Gala im Kern dazu, dass das Museum durch die Einnahmen seine Kostümsammlung weiter erhalten kann – dieses Jahr kamen über 40 Millionen Dollar zusammen. Das Stichwort »Kostüm« wird bei der Gala mehr als ernst genommen, sodass Heidi Klum in üblicher Manier in einem zum Thema und gleichzeitig zu Halloween passenden Statuen-Look erscheint, Sabrina Carpenter echte Filmstreifen mit Dior kombiniert, und Bad Bunny zum Old Bunny mutiert.

Ist Mode Kunst, oder doch Politik? 

»Mode ist Kunst«, für dieses Thema hat sich die diesjährige Gala entschieden. Ein bewusst unpolitisch gewähltes Motto, dabei hätte man doch ebenso gut »Fashion is political« wählen können. Das Thema der Met Gala 2026 ist nicht politisch – ihr Rahmen dafür umso mehr. Dass Jeff Bezos und seine Frau Lauren Sanchéz Bezos die Gala dieses Jahr gesponsert haben und zahlreiche Promis wie Meryl Streep, Zendaya und Bella Hadid dem Event deshalb fern blieben, lässt sich überall lesen. Verwunderlich ist auf den ersten Blick, dass der Bezos-Gala-Boykott auf einmal in allen Medien Gespräch zu sein scheint, wo der Amazon Chef doch bereits 2025 bereits schon an der Gala beteiligt war. Allerdings ist der Unterschied, dass dieses Jahr die Met Gala quasi schon als »Bezos-Met-Gala« gebrandet wurde. Dies rief Proteste von vielen Seiten hervor, von Seiten der Promis, die nicht kamen, aber auch von aktivistischen Seiten. Warum trotzdem so viele bekannte Persönlichkeiten zu einer der umstrittensten Galas aller Zeiten kamen, wäre eine berechtigte Frage – vielleicht ist aber die richtige Frage in dem Fall eher, ob nicht nur das Fernbleiben der Veranstaltung, sondern auch das bewusste Ignorieren des Mottos ein politisches Statement waren?

Künstlerische Mode, die keine Kunst ist

Klickt man Bilder der Outfits der Met Gala durch so fällt schnell auch ins unkünstlerische Auge, dass einige der präsentierten Looks wie ganz gewöhnliche Red Carpet Looks aussehen. Cher kam in einem für sie klassischen schwarzen glitzernden Rock-Outfit, Kate Moss in einem minimalistischeren Spitzen-Kleid und Donatella Versace repräsentierte vielmehr ihre eigene Marke als das Motto in einem Glitzersteinchen-besetzten Korsett-Stil Kleid. Fabelhafte Mode, die künstlerisch aussieht, aber an kein konkretes Kunstwerk erinnert. Ob diese Outfit-Entscheidung gerade an jenem Abend ein Zeichen setzen soll  oder einfach der Stylist den Look für klug gewählt hielt, ließen die Stars unkommentiert.

Wagt »Madame B« eine Selbstparodie?

Ausgerechnet Lauren Sanchéz Bezos wählte mit ihrem Schiaparelli die Referenz zum Kunstwerk »Madame X«. Das Gemälde von John Singer Sargent zeigt eine stehende Frau in einem schwarzen Kleid, das Schlüsselbein, Schultern und Arme freilegt. Wegen dieser »Freizügigkeit« war es zu seiner Zeit 1883/84 sehr umstritten, auch die Pose der zur Seite gewandten Frau wurde als zu »sexuell anzüglich« betitelt. Dass nun eine umstrittene Frau wie Lauren Sanchéz als Ehefrau von Jeff Bezos, als Tech-Milliardärin, ein ebenso umstrittenes Kunstwerk aufgreift kann ungewollte und unwissende Selbstparodie oder eine ausgesuchte Selbstironie sein. Vielleicht wollte Sanchéz ja gerade auf ihre Kritiker:innen eingehen, ihnen trotzen und mit ihrem Kunst-Outfit sagen: »Ihr seht mich, aber ihr versteht mich nicht.« Vielleicht gefiel ihr aber auch nur das Gemälde, oder das Designer Kleid. Damit wäre sie an diesem Abend aber vermutlich nicht allein gewesen.


Titelbild © Esther Nußstein

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