Unter diesem Motto fand in Regensburg die Demo zum 1. Mai des DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund) statt. Die Veranstaltung signalisiert, warum es wichtig ist, an diesem Tag auf die Straße zu gehen.
von Sophie Stigler
Um 9:30 Uhr setzte sich der Demonstrationszug vor dem Gewerkschaftshaus in Bewegung – laut, entschlossen und begleitet von den Trommeln von Sarará Regensburg. Mit dabei: Gewerkschafter:innen, politische Gruppen und zahlreiche Unterstützer:innen. Neben der DGB-Region Regensburg und ver.di liefen auch Vertreter:innen der SPD mit, darunter Bürgermeister Dr. Thomas Burger, die ehemalige Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sowie die Bundestagsabgeordnete Dr. Carolin Wagner. Auch Mitglieder der Grünen Jugend, der Linken und weitere Initiativen beteiligten sich. Die Demonstration zeigte schon zu Beginn: Der 1. Mai ist kein symbolischer Spaziergang, sondern ein politisches Statement. Es geht um reale Konflikte wie Löhne, Arbeitszeiten, soziale Sicherheit und die Frage, wer in dieser Gesellschaft eigentlich die Rechnung zahlt.
Vom Acht-Stunden-Tag zum globalen Kampftag
Der 1. Mai hat seine Wurzeln in den Kämpfen der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts. Besonders prägend: die Streiks in den USA 1886, als Hunderttausende für den Acht-Stunden-Tag auf die Straße gingen. Die blutigen Ereignisse rund um den Haymarket in Chicago machten deutlich, wie hart dieser Kampf geführt wurde. Seit 1890 ist der 1. Mai international als Kampftag bekannt. Auch in Deutschland trotzten Arbeiter:innen damals Repressionen, Streikdrohungen und Entlassungen. Der Tag entwickelte sich schnell zu einem Symbol für Solidarität und kollektiven Widerstand – und ist es bis heute geblieben.
Solidarität statt Sozialabbau
Am Haidplatz endete die Demonstration mit einer Kundgebung. Ein Vertreter des DGB machte deutlich, worum es geht: »Der 1. Mai gehört uns.« Es sei der Tag, an dem sichtbar werde, »was Kolleg:innen mit der Kraft der Solidarität erreichen können.« Gewerkschaften seien als »kollektive Schutz- und Gegenmacht« gegenüber Politik und Konzernen notwendig – und das mehr denn je. Die Kritik richtete sich deutlich gegen aktuelle politische Entwicklungen: »Das Arbeitsgesetz aufzuweichen ist ein Frontalangriff auf die Errungenschaften unserer Gewerkschaften, und das haben wir zu verteidigen!« Auch Mustafa Öz, Vorsitzender der NGG Bayern, fand klare Worte und griff das Motto der Demo direkt auf: »Der 1. Mai hat eine klare Botschaft: Erst unsere Jobs, dann eure Profite!« Er erinnerte daran, dass zentrale Fortschritte wie Urlaubstage, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder Rentenansprüche hart erkämpft wurden. Mit Blick auf aktuelle Krisen warnte Öz vor einem politischen Kurs, der auf Kürzungen setzt: »Die Antwort auf die Schwierigkeiten auf der Welt darf nicht Sozialabbau heißen.« Und er formulierte den Konflikt unmissverständlich: »Der Klassenkampf ist zwischen arm und reich.« Auch Forderungen an die Wirtschaft wurden konkret benannt: Staatliche Unterstützung dürfe es nicht ohne Gegenleistung geben. »Steuergeld verpflichtet Unternehmen zur Sicherung von Beschäftigung und Tarifbindung.« Zugleich wurde eine klare Abgrenzung nach rechts gezogen und Kritik an arbeitnehmerfeindlicher Politik von Friedrich Merz und Katharina Reiche laut. Rund um die Kundgebung präsentierten sich Initiativen und Organisationen mit Infoständen: von politischen Parteien über Umwelt- und Menschenrechtsgruppen bis hin zu lokalen Initiativen wie der Seebrücke oder der Bürgerinitiative Asyl. Musik, Gespräche und Austausch prägten das Bild. Trotz aller politischen Schärfe blieb vor allem eines spürbar: ein starkes Gefühl von Zusammenhalt. Unterschiedliche Gruppen, gemeinsame Ziele und die Überzeugung, dass sich Veränderungen nur gemeinsam erkämpfen lassen.
Quellen
Titelbild © Sophie Stigler
Chefredakteurin, Kolumnenleitung »Krea:tief« und Studentin der Politikwissenschaft, Vergl. Kulturwissenschaft und Kollektivwissenschaft


