Die Dubai-Influencerin Georgina Fleur zeigt sich weinend auf Social-Media. Grund dafür ist jedoch nicht die aktuelle Situation in ihrer Wahlheimat. Wieso lacht das ganze Internet also über den Reality-Star?
von Milena Pilz
Wer vergangene Woche auf Instagram oder TikTok unterwegs war, kam an diesem Video eines Reality-Stars kaum vorbei. Der Satz »Schatz, der Beach is closed« wurde zum Meme der Woche. Sowohl zahlreiche Influencer:innen als auch Unternehmen griffen den Spruch auf und erstellten daraus eigene Videos.
Was ist passiert?
Das Video zeigt, wie Reality-Star Georgina Fleur zu ihrer vierjährigen Tochter spricht. Georgina (36), die 2012 durch die Dating-Show Der Bachelor bekannt wurde, war seither in mehreren Reality-TV-Formaten zu sehen und ist nun überwiegend im Internet präsent. Außerdem gehört sie zur »Dubai-Fraktion« deutscher Influencer:innen, deren Content sich um Luxus und viel Inszenierung dreht – seit Neuestem auch ein bisschen um Krieg.
In dem Clip erklärt Georgina weinend ihrer Tochter, dass der Strand ihres Lieblingshotels in Dubai für längere Zeit geschlossen wird. Die Familie ist aufgrund der aktuellen Lage in den Arabischen Emiraten vor Kurzem in die USA gezogen, verbringt aber offenbar auch weiterhin noch gerne Zeit in Dubai. Ihr Lieblingsort dort ist das berühmte Luxushotel Jumeirah Burj Al Arab, das jetzt aufgrund von 18-monatigen Renovierungsarbeiten schließt – und zwar inklusive des privaten Strandes. Diese Nachricht muss Georgina nun ihrer kleinen Tochter übermitteln und sie wiederholt mehrmals weinend: »Schatz, der Beach is closed. Hallo?« Vor lauter Tränen ist sie kaum richtig zu verstehen. Anstatt »closed« könnte sie genauso gut »close« sagen, was den Sinn ihrer Aussage verdrehen würde – wäre der Strand nämlich nah, würden sich alle Probleme sofort in Luft auflösen. Die Tochter scheint weitaus weniger emotional zu sein und macht sich nur Sorgen um ihre Mutter. »Mama, are you crying?«, fragt sie. Es wirkt fast so, als müsse das Kind ihre Mutter trösten.
Nur ein lustiges Video? Oder symptomatisch?
Georginas Video ist jedoch nicht nur ein viraler Witz, sondern hat einen unangenehmen Beigeschmack. In den vergangenen Wochen drehte sich auf ihrem Kanal vieles um aktuelle Ereignisse in Dubai, die sie gezielt für Content auf Instagram nutzte. Als im März von Explosionen und Drohnenangriffen berichtet wurde, weilte Georgina gerade in einem anderen Luxushotel in Thailand – mit bestimmt genauso schönem Strand – während ihre vierjährige Tochter die Situation im Nahen Osten bei keinem Geringeren als Prinz Marcus, einem deutschen Unternehmer und Bordellbetreiber, in Dubai erleben durfte.
Mit der Berichterstattung aus ihrem geliebten Dubai hält sich der Reality-Star keineswegs zurück. Gerade deswegen wirkt die Inszenierung des Strandproblems nun recht deplatziert. Denn dass Georgina ihr verweintes Gesicht in Dubai in die Kamera halten kann, zeigt vor allem eines: einen extrem privilegierten Blick auf Probleme. Die Reaktionen im Netz kritisieren genau diesen Widerspruch, denn für viele ist das Video ein Beispiel dafür, wie weit sich manche Influencer:innen von der Realität entfernt haben. Dabei muss man sich eventuell einmal an die eigene Nase fassen und erkennen: Auch die Situation von Personen im Internet, die über das Video sprechen und lachen, ist privilegiert. Wir alle beschweren uns täglich über den kleinen Tropfen, der alles zum Überlaufen bringt, sei es nur ein Strand, der geschlossen wird. Solche Gedanken und Gefühle sind normal. Gleichzeitig ist es durchaus privilegiert, dass ein geschlossener Lieblingsstrand so ein Problem darstellt.
Bei der Kritik an dem Social-Media Clip sollte deshalb nicht das Gefühl selbst bewertet, sondern Georginas öffentliche Inszenierung ihres großen Problems kritisiert werden. Die Influencerin wirkt in dem Video nämlich nicht gerade so, als wäre sie sich ihrer bevorzugten Lage bewusst. Dazu kommt die teilweise absurde Gleichzeitigkeit von Krieg und luxuriösem Alltag auf ihrem Kanal, die die Situation in Dubai stark verharmlost. Die Kritik im Netz ist also berechtigt, obwohl wir doch zugeben müssen, dass uns die Emotionen, die Georgina überkommen, allen bekannt sind.
Wieso hat Georginas Realitätsverlust Meme-Potenzial?
Trotz Georginas verdrehter Wahrnehmung ging ihr Video viral. Sicherlich auch genau wegen dieser moralischen Deplatzierung. Es war schon immer so: Menschen teilen Clips, die leicht verständlich sind und über die sich leicht lachen lässt. Wo Übertreibung auf Fremdscham trifft, entsteht schon schnell Meme-Potenzial. Und damit auch immer Marketing-Potenzial. Die beliebte Sprach-Lern-App Duolingo postete ein selbst erstelltes Video von dem Gespräch zwischen Georgina und Tochter, in welchem die markante Mischung von Deutsch und Englisch betont wird. Die Sparkasse kommentierte trocken: »Der Beach is closed. We are open. Hallo?« Sogar Georgina selbst geht bis zum Maximum: Sie verkauft nun auch Merch. Bedruckte T-Shirts mit ihrer neuen Catch-Phrase und einem KI-generierten Bild ihrer Tochter, die zu ihrer weinenden Mutter aufschaut.
Abschließend lässt sich nur hoffen, dass Georgina schon bald einen anderen privaten Beach findet, wo sie ihre Merch-Einnahmen ausgeben kann.
Titelbild © Milena Pilz, Hannah Sturm

