Prävention und Verantwortung: ein Gespräch mit der »Impf Dich« Lokalgruppe aus Regensburg

Prävention und Verantwortung: ein Gespräch mit der »Impf Dich« Lokalgruppe aus Regensburg

Für viele gehört sie ganz selbstverständlich dazu, für andere ist sie ein rotes Tuch: nicht erst seit der Corona-Pandemie ist die Impfung ein viel diskutiertes Thema. Zwischen Heilversprechen und Hiobsbotschaften versuchen engagierte Studierende der AG »Impf Dich« Regensburg, auf wissenschaftlicher Basis Klarheit zu schaffen. Im Gespräch mit der Lautschrift erzählen Luisa und David von ihrer Arbeit in der Hochschulgruppe, deren Hintergründen und den Anfängen ihrer Tätigkeiten.

von Katharina Grantner

Lautschrift: »Wenn alle anderen in der Sauna Flip-Flops anhaben und Sie gehen barfuß rein, dann kriegen Sie auch keinen Fußpilz.« Ganz oben auf der Internetseite der Lokalgruppe Regensburg findet sich dieses Zitat der Comedienne Hazel Brugger. Steht das sinnbildlich für euren Ansatz, wissenschaftliche Aufklärung zugänglich zu machen? Also die Menschen da abzuholen, wo sie sind?

Luisa: Ja, ich würde sagen schon, denn alle Menschen sind davon betroffen. Da finde ich das Sinnbild der Sauna sehr treffend. Es stellt recht gut dar, dass wir die Informationen so runterbrechen wollen, dass alle sie verstehen. Und auch dass sie sie mitnehmen und im Alltag anwenden können.

Warum spezialisiert ihr euch vor allem auf junge Menschen?

David: Erwachsene sind in der Regel berufstätig und dadurch den ganzen Tag auf der Arbeit. Kinder und Jugendliche wiederum verbringen ihre Zeit in der Schule, wo wir gut hinkönnen. Wir erreichen dort einen breiten Querschnitt der Gesellschaft und treffen auf die Erwachsenen der Zukunft. Gerade bei Heranwachsenden, wo sich die Ansichten noch entwickeln, besteht auch die Gefahr, dass unseriöse Quellen zur Meinungsbildung herangezogen werden. Wir versuchen dazu einen Gegenpol darzustellen, der neutral und sachlich über das Immunsystem und die Impfung, besonders im Sinne der Prävention, informiert.

Luisa: Außerdem sind ältere Menschen meist gut bei Hausärzt:innen angebunden, wo sie Impfungen und die nötige Aufklärung erhalten. Trotzdem versuchen wir mittlerweile auch mehr auf die ältere Generation zuzugehen.

Wie eng ist die Zusammenarbeit mit dem Dachverband Impfaufklärung in Deutschland e.V.?

Luisa: Sehr eng. Einmal jährlich findet zum Austausch zwischen den Lokalgruppen das Bundestreffen statt, zu dem auch die Leitung des Vereins kommt. Außerdem gibt es regelmäßige Meetings mit dem Dachverband, in denen wir besprechen, wie es aktuell in der Gruppe läuft und dem Verband Feedback geben können. Der Dachverband ist sozusagen das Rückgrat, und wir versuchen das ganze nach außen zu tragen. Er stellt auch Kontakt zu anderen Gruppen oder Organisationen her, unterstützt uns bei der Bestellung unserer T-Shirts und Infomaterialien und regelt die Finanzen. Da wir keine Förderung oder Ähnliches haben, müssen wir uns alles selbst finanzieren. Dies geschieht durch Spenden oder eigene Einnahmen, die wir durch den Verkauf von Jelly-Shots auf dem Campusfest generieren.

Wie werden Mitglieder geschult und auf die Vorträge vorbereitet?

David: Es gibt zwar kein starr ausgearbeitetes Konzept, aber wir haben einen Vortrag, in den man sich selbst einarbeiten kann. Grundsätzlich ist es so, dass wir die Vorträge zu zweit oder zu dritt halten. Wenn man zum ersten Mal einen Vortrag hält, dann mit jemandem, der:die schon Erfahrung hat, um mehr Sicherheit zu vermitteln.

Luisa: Bei der Einarbeitung ins Thema Impfen ist es so, dass viele von uns sowieso aus dem medizinischen Bereich kommen, sodass der Grundstock oft schon gegeben ist. Ansonsten lernt man im Laufe der Zeit sehr viel dazu, zum Beispiel an Infoständen oder bei Schulvorträgen. Ein großer Teil ist also learning by doing – das ist auch angenehmer, glaube ich, als sich in irgendeinen Vortrag zu setzen.

Wie werden die Vorträge vom Publikum aufgenommen?

Luisa: Ich würde sagen, sehr gut. Wir versuchen immer, den Vortrag so interaktiv wie möglich zu gestalten. Natürlich gibt es manchmal Kritik, dass er zu theorielastig ist und man ihn noch interaktiver gestalten könnte. Grundsätzlich glauben wir aber, je besser man das Thema Impfung verstanden hat, desto eher begreift man auch, was es bringt – und da muss einfach eine gewisse Grundlage gegeben sein.

Kommt ihr häufig mit Verschwörungstheorien in Kontakt, und wie geht ihr mit solchen Situationen um?

David: Das kommt tatsächlich selten vor, wir beide beispielsweise haben es noch gar nicht erlebt. Wir versuchen auch, Verschwörungstheorien überhaupt nicht zu thematisieren. Schüler:innen sollen nicht durch uns auf etwas kommen, das ihnen sonst gar nicht bekannt gewesen wäre. Denn meistens sind es solche Dinge, die den Menschen im Hinterkopf hängen bleiben. Sollte es doch einmal zur Sprache kommen, positionieren wir uns natürlich klar und zeigen auf, wenn Aussagen nicht stimmen.

Auf eurer Website schreibt ihr ausdrücklich, ihr möchtet keine Propaganda betreiben, sondern wissenschaftliche Aufklärung bieten. Warum wollt ihr das so explizit klarstellen?

Luisa: Besonders zur Corona-Zeit wurde das Thema Impfung immer mehr polarisiert. Die AG hat sich zu dem Zeitpunkt auch sehr für die Corona-Impfung eingesetzt. Da gab es doch sehr viele Leute, die dem Ganzen kritisch gegenüberstanden. Unser Engagement für die Corona-Impfung wurde oft als Propaganda abgetan – doch  wir machen das ja auf Basis der Wissenschaft. Wir wollen neutral an die Sache herangehen und zeigen, dass es uns wichtig ist, sich mit den Fakten auseinanderzusetzen. Dazu gehört auch das Ansprechen von möglichen Nebenwirkungen.

Durch faktenbasierte Aufklärung möchtet ihr eigenen Angaben zufolge Meinungsbildung ermöglichen. Nun ist der Name der Organisation – »Impf Dich« – ja doch recht eindeutig. Wie erklärt ihr diese Diskrepanz?

David: Bei der Gründung der AG ging es darum, einen Gegenpol zu anderen Gruppierungen zu schaffen, die sich klar gegen das Impfen positionieren. In unseren Vorträgen fällt allerdings nie der Satz »Impf dich«, denn wir wollen den Menschen nicht sagen, was sie tun sollen. Der Name ist lediglich das Branding. Er bringt prägnant auf den Punkt, was unsere übergeordnete Meinung ist, und weckt Aufmerksamkeit. Doch das, was wir letztlich im Alltag der Aufklärung machen, ist vollkommen neutral. Der Inhalt unserer Vorträge macht aber natürlich deutlich, dass Impfung eine super wertvolle Sache ist. Wir lassen die Daten Position beziehen, ohne dass wir das machen. Wenn wir von Neutralität sprechen, mag das so klingen, als wäre die Datenlage unklar. Das ist aber nicht der Fall: Sie spricht eine eindeutige Sprache.

Wie können sich Studierende, die kein Medizin studieren, engagieren?

Luisa: Ich würde mich besonders über Studierende aus dem Bereich des Lehramts freuen, da wir viel mit Kindern zusammenarbeiten und eine pädagogische Sicht durchaus wertvoll wäre. Jemand aus dem Bereich Medienkompetenz wäre ebenfalls eine Bereicherung. Aber grundsätzlich freuen wir uns über jede:n! Je mehr Disziplinen dazukommen, desto breiter sind wir aufgestellt und desto bessere Informationsquellen können wir bieten. Das Wissen kann man sich auch aneignen, wenn man nicht aus einem medizinnahen Fachgebiet kommt. Bei Interesse kann man jederzeit gerne auf uns zukommen.

Warum lasst ihr euch impfen?

David: Ich lasse mich impfen, weil die Nebenwirkungen, die durch eine Impfung auftreten können, nicht im Vergleich zu den Folgen stehen, die bei Infektion mit bestimmten Krankheiten auftreten können. Für mich ist es am wichtigsten, nicht krank zu werden und die Weitergabe von Krankheiten zu verhindern.

Luisa: Ich lasse mich impfen aus Überzeugung, weil ich weiß, was Krankheiten anrichten können. Das möchte ich selbst nicht erleben und auch meinem Umfeld nicht antun. Natürlich kann man nicht garantieren, dass die Impfung zu 100% wirkt, aber genauso wenig, dass bei einer Krankheit kein schwerer Verlauf auftritt. Und wenn man sich dann wiederum beides im Vergleich anschaut, hat eine Impfung weniger Nachteile als die Krankheit selbst.


Titelbild © Pauline Kral

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