»Die Schattenpräsidentinnen« feierten am 21. Februar Premiere und werfen einen satirischen Blick auf das weiße Haus.
von Anne Nothtroff
Ein straffer Tagesablauf ihm Oval Office: Verhandlungen über Atomsperrverträge, Treffen mit zwei Veteranen, Rede für eine Gala zu Ehren der Landfrauen für moderne alternative Agrikultur (LmaA) und nicht zu vergessen eine dringend notwendiger Pediküretermin, denn die Füße des Präsidenten sind… nun ja wir wollen es besser nicht wissen. Doch zu allererst muss der Präsident wieder ins richtige Licht gerückt werden: Auf einer Konferenz sagte er über seine Frau Margaret (Franziska Sörensen), sie habe einen »hinterfotzigen Morgen« gehabt. Eine solche Äußerung als Oberhaupt der Vereinigten Staaten von Amerika sorgt natürlich für Schlagzeilen. Während die Beziehungen zu China und Bahrain ins Wanken geraten, ist der Präsident außerstande, Platz zu nehmen: ein Furunkel am Gesäß zwingt ihn zum Stehen. Ausgerechnet diese unfreiwillige Pose interpretieren die Verhandlungspartner als Machtdemonstration, was die weltpolitische Lage nicht beruhigt.
Chaos ist vorprogrammiert. Doch Stabchefin Harriett (Natascha Weigang) und Pressesprecherin Jean (Katharina Solzbacher) scheinen alles unter Kontrolle zu haben – meinen sie.
Es gibt jedoch so einiges, dass sie nicht miteinberechnet haben: Plötzlich taucht die außereheliche Geliebte des Präsidenten auf. Sie ist nicht nur quirlig und skandalhaft jung, sondern auch noch schwanger. Von wem versteht sich von selbst. Auch die ehrgeizige Journalistin Chris (Kathrin Berg) lässt nicht locker. Als dann noch die Schwester des Präsidenten (Silke Heise) aus dem Knast ausbricht und im Weißen Haus Drogen vertickt, scheint selbst Harriet die Kontrolle zu verlieren. Dass die Sekretärin Stephanie im Drogenrausch durch Oval Office durch die Luft fliegt verringert die Anspannung nicht.

Schnell wird der Untertitel des Schauspiels klar: Hinter jedem großen Idioten gibt es sieben Frauen, die versuchen, ihn am Leben zu halten. Und sie versuchen alles. Ein Gerangel entsteht, Stimmen überschlagen sich und inmitten des Chaos segelt eine Büste durch die Luft. Sie trifft den Präsidenten offenbar tödlich. Von einem Moment auf den anderen beginnen die eigentlichen Probleme: Wie kann man den Tod des Präsidenten geheim halten? Wer kümmert sich um die diplomatischen Beziehungen zu Bahrain? Und wer tritt an seiner Stelle beim feministischen Landfrauenkongress ans Rednerpult?
Die Politsatire von Selina Fillinger entstand während der ersten Amtszeit von Donald Trump und wurde im Jahr 2022 am Broadway uraufgeführt. Sie widmet den Text »jeder Frau, die sich jemals als Nebenrolle einer männlichen Farce wiedergefunden hat«. Die Parallelen zu Donald Trump drängen sich früh auf; schon das erste Wort, »Fotze«, setzt den Ton. Doch Antje Thoms Inszenierung belässt es nicht bei subtilen Parallelen: Eine rote Kappe und Verweise auf Trumps Haustierverzehr-Lüge machen die Anspielungen unmissverständlich.
Jede Figur verkörpert etwas Eigenes
Das Bühnenbild von Jan Hendrik beinhaltet imperial wirkende Vorhänge. Kostümbildnerin Lorena Díaz Stephens kleidet das Ensemble bunt und prunkvoll in Satin mit pompösen Perücken. Dramaturgin Elena Höbath stellt eine wichtige Frage: Wie solle man noch Satire machen, wenn politische Aussagen selbst schon so absurd überdreht sind? Oder wenn sie staatlich eingeschränkt werden, wie es bei Jimmy Kimmel kurzzeitig der Fall war. Die Schauspielerinnen beschreiben den Probeprozess mit einem rein weiblichen Cast als besonders vertrauensvoll und aufmerksam. Und das merkt man dem Stück auch an. Doch nicht nur das Ensemble, auch das Publikum ist bei der Sache. Immer wieder wurde applaudiert und gejubelt.
Das Ende des Bühnenspiels lässt sich schnell zusammenfassen: Dem Präsidenten wurde der Arsch gerettet. Und das nicht zum ersten Mal.
Weitere Informationen zum Stück gibt es auf der Website des Theater Regensburg (Theater Regensburg – Die Schattenpräsidentinnen)
Die Vorstellung wurde mit Pressekarten besucht.
Beitragsbild: Ensemble © Sylvain Guillot

