Sorgende Dritte Orte

Sorgende Dritte Orte
Zwischen Tür und Angel – Räume der Gemeinschaft und Fürsorge – das M26 in Regensburg.

von Rebekka Ehrmann

Heutzutage leben wir zwischen Tür und Angel. Kaum daheim angekommen, sind wir gedanklich schon wieder auf dem Sprung. Wir eilen von Termin zu Termin, von einem Ort zum nächsten. Unser Alltag spielt sich in Büros, Hörsälen und Klassenzimmern ab. Nicht einmal daheim, auf dem Sofa, können wir abschalten. Was uns fehlt, sind Räume jenseits von Verpflichtung und Leistungsdruck. Räume, in denen wir nicht funktionieren müssen, sondern einfach leben dürfen, durchatmen dürfen, fernab vom ganzen Alltagsstress, fernab von den ganzen Terminen. 

Genau hier setzt die Idee der sorgentragenden Dritten Orten an. Neben dem Zuhause als erstem Ort und dem Arbeitsplatz oder dem Bildungsinstitut als zweitem Ort braucht es noch einen weiteren Ort: Cafés, Bibliotheken oder eben das M26 in Regensburg. 

Ein Dritter Ort an dem Du frei sein kannst. Du nichts leisten musst. Du nichts kaufen musst. Du darfst einfach da sein. Im Begriff des »Sorgenden Dritten Ortes« beschreibt »sorgend« die aktive Ausrichtung auf das Wohl der Menschen. Der Ort bietet nicht nur Raum zur Nutzung, sondern schafft soziale Unterstützung, Zugehörigkeit und Sicherheit und übernimmt damit eine mitverantwortliche, fürsorgliche Rolle im Alltag.

Das M26 als Raum für Gemeinschaft

Mitten in der Regensburger Maximilianstraße findet sich ein solcher Ort: das M26. Von außen erscheint es wie ein gewöhnlicher Kulturraum, an dem Kunst, Kultur und ein vielseitiges Programm angeboten wird. Schon beim Eintreten wird deutlich, dass es viel mehr ist als ein Veranstaltungsort. Hier entsteht nämlich Gemeinschaft. 

Das M26 ist ein Raum, der bewusst niederschwellig gestaltet ist. Besonders deutlich wird das im Community Café. Hier gibt es keinen Konsumzwang. Kaffee und Tee werden auf Spendenbasis angeboten. Besucher:innen können hier einfach verweilen, Schach spielen, arbeiten oder einfach ins Gespräch kommen. Jede und Jeder ist hier willkommen. Dies ist der Grund, den viele hier dafür anführen, dass sie immer wieder ins M26 gehen. »Es ist ein multikultureller Raum, in welchem sich die Leute frei bewegen können, ohne Eintritt zu zahlen, sich die Ausstellung anschauen und auf einen Kaffee verweilen«. »Wir haben 30 bis 40 Stammgäste, die täglich hierher kommen, um sich zu treffen und sich auszutauschen«. Es wird schnell deutlich, dass hier eine Gemeinschaft entsteht, die auf Partizipation gestützt ist. Freiwillige Helfer:innen kümmern sich um das Café und sorgen sich drum, das alles läuft. 

Ein Ort zum Ankommen

Gerade diese Offenheit macht das M26 zu einem sorgenden Dritten Ort. Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen begegnen sich hier auf Augenhöhe. Initiativen, Vereine, Kulturschaffende oder Einzelpersonen können den Raum mitgestalten. Ausstellungen, Workshops, Diskussionsrunden und kulturelle Veranstaltungen schaffen Anlässe für Austausch und Beteiligung. 

Wer neu in der Stadt ist, findet hier Anschluss. Wer Ideen hat, findet hier Raum. Wer Austausch sucht, findet hier Gesprächspartner:innen. 


Titelbild © Rebekka Ehrmann

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