TradWives – Wie gefährlich ist die aktuelle Bewegung?

TradWives – Wie gefährlich ist die aktuelle Bewegung?
Der Online Trend der #tradwifes findet immer mehr Anklang in den sozialen Medien. Aber was genau sind TradWives eigentlich und wie beeinflussen sie junge Frauen? Unsere Autorin hat vier junge Frauen befragt.

von Lilian Mawhinney

Kochen, Backen, Kinderbetreuung, das Haus in Schuss halten. All diesen Aufgaben nehmen sich sogenannte TradWives mit Vorliebe an. Online wird ihnen eine große Plattform geboten – die Videos verbreiten sich schnell und immer mehr junge Frauen schließen sich der Vorstellung dieses Lebens an. Wie sehr beeinflusst diese Bewegung im Netz das tatsächliche, echte Leben moderner Frauen?

Was genau sind TradWives?

Mit ihrem Ursprung auf YouTube kreiert die »traditional« oder ‚trad‘ wife Community Videos über Femininität, Schönheit und Beziehungen. Mittlerweile findet die #tradwife Bewegung Anklang auf allen Social Media Plattformen. Hierbei vertreten TradWives die Auffassung, wahre Weiblichkeit gehe in der modernen Gesellschaft verloren. Deshalb müsse diese wieder hergestellt werden, indem Frauen ihre Weiblichkeit zurückgewinnen. Dies soll etwa durch die visuelle Verschönerung von Frauen geschehen, um für Männer anziehender zu wirken.

Auch die gegenseitige Hilfe eine bessere Mutter zu werden sowie das in Berührung kommen mit dem vermeintlich natürlichen, biologischen Selbst sind laut der Bewegung zentrale Bestandteile des Ideals. Es stellt die Möglichkeit dar, das Gefühl, nicht in das aktuelle, feministische weibliche Narrativ zu passen, zu umgehen. Sie plädieren für die Rückkehr zu einem heteronormativen Lebensmodell, in dem der Mann für das Ernähren der Familie zuständig ist und die Frau ihre Zeit der Hausarbeit widmet.

TradWives sehen sich als eine gesellschaftlich vergessene und exkludierte Gruppe, welche von dem aktuellen kulturellen Feminismus unterdrückt wird. #tradwife Influencerinnen  verkörpern die Rolle, ‚echte‘, ‚reine‘ und ‚traditionelle‘ Femininität zu retten.

Anzumerken ist, dass TradWives – obwohl sie sich der rechten Bewegung zugehörig fühlen – dies nie offenkundig ausdrücken. Lediglich über die populistische Weise wie sie Content verbreiten und die darüber sichtbar werdenden Werte, die sie vertreten, kommt die politische Gesinnung zum Vorschein. Dieses nicht konkrete Benennen von politischen Vorstellungen hilft eine größere Anzahl an Menschen zu erreichen. Denn die sehr allgemein gehaltene Themenwahl des Contents wie beispielsweise Beauty und Familie treffen auch im Mainstream auf Anklang.

Würden TradWives ihren ideologischen Hintergrund extremer ausdrücken, würde dies die Möglichkeit verschiedene Zielgruppen zu erreichen stark einschränken und somit die weite Verbreitung verhindern.

Kritik an der Bewegung

Mit dem Onlinetrend der TradWives wird das Bild einer Frau skizziert, die sich willentlich dem Mann unterordnet und ihre Aufgaben der häuslichen Fürsorge und Mutterschaft als ihre Naturbegebenheit empfindet. Eine Frau, die Feminismus als Angriff ihrer eigenen Überzeugung empfindet und die freiwillige Unterordnung zum Mann als ihre Bestimmung, sieht.

Außerdem findet eine Verharmlosung der Care-Arbeit statt, da diese romantisiert wird und als leicht und gerne zu erledigende Arbeit dargestellt wird.

Auf die weitreichenden Folgen dieses Lebensstils in Bezug auf das Ausbleiben einer späteren Rente und einer generellen finanziellen Absicherung der Frauen wird nicht eingegangen. Es entsteht mithilfe des Trends ein spezifisches Frauenbild, welches die Frau benachteiligt.

Das könnte rückschrittlich für den aktuellen feministischen Diskurs sein, da sich auf einmal nicht nur eine fortschrittliche, feministische Ansicht des häuslichen Zusammenlebens auftut. Ein anderer Diskurs, nämlich die der Rückkehr zur heteronormativen Rollenverteilung, findet statt. Beunruhigend ist die hohe Beliebtheit, die die Bewegung im Netz findet.

Dieser Trend versucht veraltete Frauenbilder wieder neu aufleben zu lassen. Es bedarf also mehr Arbeit ein gegensätzliches, feministisches Frauenbild durchzusetzen, weshalb rückschrittliche Frauenbilder wie die der #tradwife Bewegung als besonders kritisch aufzufassen sind. Sie drohen den feministischen Fortschritt rückgängig zu machen.

Was halten junge Frauen im echten Leben von TradWives?

Um ein Abbild der Meinung von jungen Frauen zur Thematik zu kreieren, wurden drei Studentinnen und eine Auszubildende zwischen 19 und 24 Jahren befragt.

Lautschrift: Weißt du, ohne auf Social Media nachzuschauen oder zu googeln, was TradWives sind?

T: »Ja denke schon, zwar nicht ganz genau aber so ungefähr ja«

L: »Ich habe das nirgends auf Social Media gesehen, sondern ich habe das im Fernsehen kurz bei Wer wird Millionär gesehen, aber ich weiß nicht genau, was das ist.«

F: »Ja ich nehme an zu wissen, was TradWives sind. Frauen, die idealisierte, vermeintlich weibliche Rollenklischees reproduzieren, indem sie ‚typische‘ Tätigkeiten ausüben, wie z.B. in der Versorgungsrolle zuhause bleiben, den Haushalt und Kindererziehung übernehmen, kochen und backen. Das wird dann z.B. auf Social Media dargestellet und geteilet. Der Mann übernimmt in dem Fall eine Position mit einem Stellenwert über der Frau ein. Das kommt besonders aus der rechten Ecke, der Start der Bewegung war in den USA glaube ich.«

E: »Ja, ich weiß was TradWives sind.«

Falls du es noch nicht wusstest, darfst du dich jetzt informieren. Was löst der Trend in dir aus?

T: »Nicht direkt ein Gefühl, sondern Verwunderung, warum diese Frauen das machen und als gut empfinden. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich viele ihr Leben so wünschen.«

L: » Jeder sollte machen, was er will und wenn sich eine Frau bewusst dafür entscheidet, dann finde ich das Okay. Ich finde es nur doof das dann nach außen zu tragen, weil ich finde, dass das ein falsches Bild vermitteln kann. Das wirkt festgesetzt, wenn es auf Social Media groß gemacht wird. So als müsste jeder das machen. Das finde ich doof, aber wenn das für die Beziehung und die Partner passt, dann go for it.«

F: »Der Trend löst Unwohlsein aus, da Frauen gezielt klein gehalten werden. Vor allem die Vermarktung und Anpreisung über Instagram, indem das ganze möglichst cozy und harmlos dargestellt wird, löst Wut aus.«

E: »Der Trend löst nichts Gutes in mir aus.«

Wie stellst du dir dein zukünftiges Leben bezüglich Berufswahl und Partnerschaft vor? Wie sehen mögliche Rollenverteilungen für dich aus?

T: »Also als Hausfrau eher nicht, ich will arbeiten und unabhängig von anderen sein. Partner ja, wenn sich der richtige findet. Der Haushalt und die Kindererziehung sollen dann gerecht verteilt sein. Ich will danach auch wieder arbeiten können.«

L: » Auf jeden Fall mit einem festen Partner. Ich kann mir sowohl Hausfrau als auch Arbeitsteilung, in der beide Teilzeit arbeiten, vorstellen. Aber ich will die erste Zeit mit meinen Kindern zuhause sein, wenn das geht. Wenn mein Partner sagt er wäre auch gerne daheim, dann würde ich es 50/50 machen. Später will ich aber auf jeden Fall wieder arbeiten, weil das Struktur bringt und sich positiv auf den Selbstwert auswirkt.«

F: »Auf jeden Fall möchte ich als Hausfrau meinem zukünftigen Ehemann dienen, möglichst viele Kinder gebären und immer eine frische Mahlzeit für meinen gottgegebenen Entscheider bereithalten. Spaß! Mein zukünftiges Leben stelle ich mir mit ggf. festen Partner vor, wobei Job und Karriere nicht hintenangestellt werden sollen. Wenn ich eine Teilzeitarbeit ausübe, dann wegen mehr Freizeit und Hobbys. Die Rollenverteilung sollte je nach Kapazität auf jeden Fall 50/50 sein. Es gibt keine typisch männlichen oder weiblichen Aufgaben, jeder macht alles.«

E: »Eine 50/50 Rollenverteilung mit einem festen Partner und einem Teilzeitjob wäre mein Wunsch für die Zukunft.«

Fazit

Es wird deutlich, dass der Online Trend #tradwife nicht dieselbe Affinität bei den vier Frauen hervorruft, wie bei der Onlinecommunity. Natürlich, weil sich einerseits gezielt Frauen mit genau diesen Vorstellungen der Bewegung anschließen – unabhängig von deren Wohnort oder Herkunft. Andererseits kommt die befragte Zielgruppe aus einer ähnlichen Gesellschaftsschicht, was ein Faktor für das übereinstimmende Ergebnis der Umfrage ist.

Interessant wäre deshalb eine großflächigere Befragung mit mehr Frauen aus unterschiedlichen sozialen Umfeldern und ggfs. Einer größeren Altersspanne, um aussagekräftigere Ergebnisse zu erzielen.

Trotzdem ist es schön zu sehen, dass junge Frauen an dem Fortschritt des Feminismus festzuhalten scheinen und TradWives scheinbar keinen Einfluss auf sie nehmen.

Quellen:

Sykes, Isabel (2024). From ‘girlboss’ to #stayathomegirlfriend: The romanticisation of

domestic labour on TikTok. In: European Journal of Cultural Studies.

Zahay, Megan L. (2022). What “Real” Women Want: Alt‐Right Femininity Vlogs as an Anti‐Feminist Populist Aesthetic. In: Media and Communication. Vol. 10(4)

Interview von vier Frauen zwischen 19 und 24 Jahren, geführt am 02.02.2026


Titelbild © Olivia Rabe

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