Der A-capella-Chor der Universität Regensburg feiert 30-jährigen Geburtstag. An diesem Wochenende fanden die Jubiläumskonzerte im Audimax statt. Ein Blick hinter die Kulissen der Proben zeigt, wie viel Arbeit und Gemeinschaft in den Konzerten steckt und wie sich der Chor mit den Jahren verändert hat.
von Sophia Mayer
Es ist Dienstag, der 13. Januar, 19:30 Uhr im Hörsaal H24 des Vielberth-Gebäudes. Doch der Saal füllt sich heute nicht mit Zuhörer:innen eines Vortrag, sondern mit den Stimmen des A-Capella Chors der Universität Regensburg: Der JazzNuts. Die Stimmung ist aufgeregt, denn in drei Wochen finden die Konzerte zum 30-jähirgen Jubiläum statt. Bis dahin werden die letzten Takte einstudiert, Mimiken geprobt und einzelne Stimmen perfektioniert.
Insgesamt zählt der Chor 120 Mitglieder, bestehend aus Studierenden und Ehemaligen. Auf der Bühne stehen bei den Konzerten allerdings meist nur etwa 100 Sänger:innen. »Dieses Semester sind wir allerdings etwas mehr. Die Erfahrung mit dem Jubiläum wollen dann doch die meisten mitnehmen«, erzählt Florian Roithmeier aus dem Orgateam. Er selbst ist schon seit zehn Jahren dabei und war zeitweise auch im Vorstand tätig.
Spaß als Motivation
Seit Beginn des Semesters ist die Gruppe mit der Vorbereitung ihrer Konzerte zum Ende der Vorlesungszeit beschäftigt. Dazu gehört neben der wöchentlichen Chorprobe auch ein Trainingswochenende sowie intensive Probentage kurz vor den Aufführungen. »Das ist natürlich sehr zeitintensiv, aber wir würden das nicht machen, wenn es uns nicht Spaß machen würde«, sagt Roithmeier lachend. »Wir bekommen auch oft die Rückmeldung, dass man uns den Spaß auf der Bühne auch ansieht. Das ist eine große Motivation.« Dieser Spaß zeigt sich nicht nur auf der Bühne, sondern auch in den Proben. Beim Aufwärmen etwa, wenn die Chorleitungen Uli Groeben und Claudia Zormeier ihre Truppe mit ausgestreckter Zunge und einem »shshsh«-Laut um ihre eigene Achse hüpfen lassen.
Drei Wochen später geht es vom H24 in den Audimax der Universität: Generalprobe. Heute kommt erstmals alles zusammen. »Für viele von uns ist es das erste Mal, dass wir den gesamten Durchlauf sehen. Das ist schon spannend – und in diesem Semester natürlich ganz besonders, weil es unser Jubiläumssemester ist«, erzählt Roithmeier. Das Programm besteht aus 14 Songs, zwischen denen kurze Sketche eine Rahmenhandlung erzählen. Da Sänger:innen und Schauspieler:innen getrennt proben, ist der gemeinsame Durchlauf für viele eine Premiere.




»Das gibt’s doch nicht, dass es diesen Chor noch gibt!«
Doch nicht nur für sie, auch JazzNuts-Gründer Tobias Schönberg sitzt in den roten Sesseln des Audimax und erlebt den Chor heute zum ersten Mal seit seiner Studienzeit wieder live. 1995 gründet er im Zuge seines Jura-Studiums den Chor und brachte einiges an musikalischer Erfahrung mit: Ausbildung bei den Domspatzen, Abitur an einem musischen Gymnasium in Freising. »Mit 16 Jahren ging es für mich dann in die Staaten. Dort habe ich beim Schulchor mitgesungen und später hat mir der Lehrer die Chance gegeben den Chor zu leiten. Er hat mir alles beigebracht, was für eine Chorleitung wichtig ist«, erinnert sich Schönberg.
Dass es die JazzNuts heute noch gibt, überrascht ihn selbst. »2006 hat der Papst die Universität Regensburg besucht und da haben die JazzNuts spontan einen Gospel für ihn gesungen. Das habe ich dann im Fernsehen gesehen und nur gedacht: ›Das gibt’s doch nicht, dass es diesen Chor noch gibt!‹« Umso stolzer wirkt Schönberg, als er nach 30 Jahren wieder auf der Bühne des Audimax steht und nach zwanzig Minuten gemeinsamen Aufwärmen ein Stück mit den JazzNuts proben darf – ganz wie früher.
Wo bleibt der Jazz?
Ein paar Sachen haben sich in den letzten Jahren dann doch geändert. So »jazzig«, wie die JazzNuts einmal waren, sind sie heute nicht mehr. Schönberg hatte den Chor ursprünglich gegründet, weil der gezielt nach einem Jazzchor suchte. Andere Chöre habe es bereits gegeben. »Heute machen sie ja eigentlich keinen Jazz mehr, sondern mehr Pop«, kommentiert er das heutige Programm. Das meint er jedoch nicht schwermütig: »Das ist einfach, was die Leute gerade anspricht und bewegt und das ist wichtig.«
Mit der Zeit gehen: das ist auch das Motto des Jubiläumsprogramms. Die Zuschauer:innen erleben eine Reise durch 30 Jahre JazzNuts. Die Rahmenhandlung bilden kurze Sketche, die sogar einen Blick in die Zukunft werfen. Die beiden Chorleiter:innen Uli Groeben und Claudia Zormeier – gespielt von Chormitgliedern – schwelgen im Seniorenheim in Erinnerungen ihrer Zeit als Chorleitung. Das Ensemble inszeniert dabei alte Klassiker ebenso wie neue Hits. Dass auf Queens Rock-Hymne »Bohemian Rhapsody« einmal ein Party-Schlager wie »Wackelkontakt« von Oimara folgen könnte, hätte sich Schönberg zu Gründungszeiten wohl kaum vorstellen können.
In einem Mix aus Alt und Neu, Zeitgeist und Hommage zaubern die JazzNuts ein Programm auf die Bühne, dass zum Lachen, Staunen und Bewundern einlädt. Hier zeigt sich die viele Arbeit, die die Gruppe über die letzten Monate in das Jubiläum gesteckt haben. Für die Zukunft wünscht sich Tobias Schönberg vor allem Kontinuität: »Ich hoffe, dass der Chor weiterhin kein Problem mit Nachfolger:innen haben wird. Jeder Chor dieser Art bringt ganz viele Ideen und Kraft aus der Gruppe mit. Wenn man so weitermacht, neue Ideen sammelt und Neues ausprobiert, dann kann es nur super werden.«
Fotos und Videos © Linus Ziegler

