Über einen perfekten Sommer, den ich immer vermissen werde.
Von Amelie Steinwagner
Ich träume oft von diesem einen Sommer. Die Erinnerung daran wirkt oft wie ein Traumgespinst, ein nicht reales Ding, das sich in meinem Kopf einnistet und jeden meiner Gedanken bestimmt. Wie als hinge es an zwei Fäden in der blauen Luft, langsam um sich selbst kreisend, Reflektionen, die wie kleine Spiegel durch den Raum tanzen. Ich liebe diesen Sommer. Ich will darin leben.
Tage voller Nichtstun, Sommerkleider und sprudeliger Wein, das blaue Funkeln des Bodensees, Schaumkronen, die steigen und fallen, die ineinander brechen. Ich habe mich gefühlt, als könnten wir ewig so weitermachen, Baumkronen, die über uns rascheln, während wir faul vor uns hindösen. Aberhunderte Durak-Runden später, und ich würde hundert mehr spielen. Tausend mehr für nur einen weiteren perfekten Tag.
Was für ein Privileg, zur gleichen Zeit am gleichen Ort zu sein. Ich erinnere mich an Zeiten, als das eine Selbstverständlichkeit war, als wir nach langen Schulstunden unendliche Tage auf Parkbänken und Fahrrädern verbracht haben. In Bandkellern, auf Dächern, auf Spielplätzen. Nur um jetzt eine Handvoll Tage im Jahr zu haben, in denen wir alle zusammen sein können.
Ihr macht mich ganz. Ohne euch, wer bin ich dann? Gute Zeiten, schlechte Zeiten, ganz egal. Eure Freundschaft war ein wunderbarer Zufall, ist wie ein schöner Traum. Es ist unbeschreiblich, wie viel ihr für mich seid. Welchen Wert ihr in meinem Leben habt.
Erinnert ihr euch an das erste Mal Nena? An Städtetrips, an Haarexperimente, an Umzüge, an Konzerte? Ich könnte ein Buch schreiben mit euren Ratschlägen, euren Lebensweisheiten, euren Witzen. Ihr seid ein Geschenk. Dieser Sommer war ein Geschenk.
Gott, wie viel wir gelacht, wie viel wir geredet haben. Sade im Ohr, Karten in der Hand, so haben wir die Sommertage verbracht. Ich weiß noch, dass wir alle Bücher dabei hatten, doch wir kamen nicht zum Lesen. Ich konnte nicht aufhören, mit euch zu sprechen. Ich hatte Angst, ich könnte nicht alles sagen, bevor wir uns wieder trennen mussten.
Die Gedanken daran sind flüchtig, doch ich kann nicht aufhören, das Blau und Grün der Bilder zu bewundern, die wir damals gemacht haben. Manchmal betrachte ich sie und erinnere mich zurück. Zurück an den Wind, zurück an euer Lachen, wie sich eure Stimmen miteinander vermischt haben. Wie ihr morgens am Küchentisch gesessen seid, wie der Wein geschmeckt hat, den wir abends gemeinsam getrunken haben.
Die Erinnerungen werden immer blasser, immer traumhafter, aber ich mache mir keine Sorgen. Im nächsten Sommer werde ich sie wieder auffrischen. Wir sehen uns.
PS: Ich denk’ an euch.
Titelbild © Vicky von Huth

