Ein neues Frauenhaus für Regensburg?

Ein neues Frauenhaus für Regensburg?
Das Autonome Frauenhaus in Regensburg ist ein Zufluchtsort für Frauen und deren Kinder, die Gewalt im partnerschaftlichen/häuslichen Kontext erfahren haben oder davon bedroht sind. Aber die Plätze sind begrenzt. Im Jahr 2024 wurden in Regensburg 252 Plätze angefragt, aber nur 30 Frauen konnten aufgenommen werden.

von Carlotta Wortmann

Deswegen will das Autonome Frauenhaus nun eine neue Immobilie erwerben und umbauen. Unsere Autorin hat sich mit Rebekka Tchelebi, einer Mitarbeiterin des Frauenhauses getroffen, um über die Situation in Regensburg zu sprechen.

Lautschrift: Häusliche Gewalt ist oft unsichtbar. Wie stellt sich die Situation aktuell in Regensburg dar?

Rebekka Tchelebi: In Regensburg gibt es zwei Frauenhäuser. Wir vom Autonomen Frauenhaus nehmen Frauen aus ganz Deutschland auf, da ein Ortswechsel oft aus Sicherheitsgründen notwendig ist. Die Nachfrage ist jedoch uferlos: Im Jahr 2024 hatten wir 252 Platzanfragen, konnten aber lediglich 30 Frauen aufnehmen. Bundesweit fehlen schätzungsweise 14.000 Plätze.

Wie sieht Ihre Arbeit aus?

Wir sind zum einen eine Beratungsstelle, die sowohl persönliche als auch telefonische Beratung anbietet. Unsere Angebote sind kostenlos und anonym. Darüber hinaus führen wir eine sogenannte proaktive Beratung durch: Wird die Polizei zu einem Fall häuslicher Gewalt gerufen, fragt sie die Betroffene, ob ihre Kontaktdaten an uns weitergegeben werden dürfen. Wenn sie zustimmt, melden wir uns innerhalb von drei Tagen bei ihr. Zusätzlich betreiben wir ein Second-Stage-Projekt im Anschluss an den Aufenthalt im Frauenhaus. Dabei stellen wir Frauen trägerinterne Wohnungen zur Verfügung, damit sie Stabilität gewinnen und in Ruhe eine Wohnung finden können.


»Wir lassen die Frauen auf gar keinen Fall allein.«


Was bedeutet es für Sie und Ihren Arbeitsalltag, so viele Frauen abweisen zu müssen?

Es ist eine schreckliche Situation. Aktuell haben wir Platz für zwölf Frauen und etwa zwölf Kinder. Wenn wir voll sind, versuchen wir gemeinsam mit den Frauen deutschlandweit Plätze zu finden. In extremen Notfällen, wenn es um Leben und Tod geht, telefonieren wir wirklich ganz Deutschland ab oder nutzen in der Nachtbereitschaft zur Not sogar die Wohnzimmercouch. Wir lassen die Frauen auf gar keinen Fall allein.

Sie planen den Erwerb einer neuen Immobilie. Was ist die Idee dahinter?

Wir haben eine Immobilie gefunden, die sich perfekt eignet. Damit können wir acht zusätzliche Plätze schaffen. Ein Kernpunkt ist die Barrierefreiheit: Im aktuellen Haus gibt es nur Wendeltreppen. Das neue Haus würde zwei barrierefreie Plätze bieten. Dies wäre ein absolutes Novum in der Region, was wichtig für Rollstuhlfahrerinnen, Seniorinnen oder verletzte Frauen direkt aus dem Krankenhaus ist.


»Wir sind für den Kauf zwingend auf Spenden angewiesen.«


Wie wird dieses Projekt finanziert?

Die Kosten liegen im siebenstelligen Bereich. Wir haben zwar eine Zusage über 500.000 Euro aus einem Investitionsprogramm des Landes Bayern erhalten, aber den Rest müssen wir als gemeinnütziger Verein selbst stemmen. Wir erwirtschaften keinen Profit und sind daher für den Kauf und den Umbau zwingend auf Spenden angewiesen.

Welche Formen der Gewalt begegnen Ihnen in der Praxis?

Gewalt ist ein Spektrum bei dem es immer um Macht und Kontrolle geht. Neben körperlicher und psychischer Gewalt sehen wir viel  ökonomische Gewalt, wie die Zuteilung von keinem oder zu wenig Geld, sowie soziale Isolierung. Massiv im Vormarsch ist zudem digitale Gewalt, etwa das Hacken von Accounts, Verschicken von Nacktbildern oder KI-generierten Missbrauchsbildern.

Ab 2027 soll das neue Gewalthilfegesetz greifen. Ist das der erhoffte Durchbruch?

Es ist ein Fortschritt, dass der Bund ab 2032 einen Rechtsanspruch auf einen Schutzplatz vorsieht. Aber wir sind aktuell unzufrieden mit der Umsetzung in Bayern. Beim ersten „Runden Tisch“ wurde die Praxis, also wir Frauenhäuser, gar nicht einbezogen und es fehlen oft praxisnahe Lösungen, etwa wie die Finanzierung künftig genau geregelt wird.


»Ein sicherer Schutzraum für Frauen sollte eine gesellschaftliche Priorität sein«


Was können die Menschen in Regensburg konkret tun?

Wir sind dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen und freuen uns über jeden Betrag, egal in welcher Höhe. Jede Spende hilft, den Kauf der neuen Immobilie abzusichern. Ein sicherer Schutzraum, in dem Frauen und Kinder zur Ruhe kommen und das Erlebte verarbeiten können, sollte eine gesellschaftliche Priorität sein.

Wer die Situation für gewaltbetroffene Frauen in Regensburg verbessern möchte, kann das Autonome Frauenhaus hier unterstützen:

Kontoinhaberin: Frauenhaus Regensburg – Frauen helfen Frauen e. V.
IBAN: DE35 7505 0000 0000 1647 56
BIC: BYLADEM1RGB (Sparkasse Regensburg)

Weitere Informationen: https://www.frauenhaus-regensburg.de/


Titelbild © Carlotta Wortmann

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Studentin der Politikwissenschaft, Medienwissenschaft und Vergl. Kulturwissenschaft

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