Heia, ihr Geister!

Raunacht
Die Perchten der Wuidn Dragn Regensburg treiben zur Nachweihnachtszeit den Winter aus.

von Mia Fritzsche

Glocken läuten in der Ferne und das Feuer knistert: Am 05.01, zur letzten Raunacht versammeln sich ca. 50 Besucher:innen um ein Lagerfeuer im Hof der Alten Linde auf der Donauinsel und lauschen gebannt den Erzählungen über die gruseligen Sagen der dunklen Jahreszeit.

Mit einer festen Umarmung werden einige Besucher:innen von der druckaden Trud erschreckt. Diese eigentlich sehr arbeitsame Magd hat sich zur Christmette der Völlerei hingegeben und an den Mettenwürsten genascht. Seitdem geistert sie unerfüllt durch die Nächte und drückt den Dorfbewohner:innen oder dem Vieh im Schlaf auf die Brust. Mit solchen Mythen erklärte man sich früher die Krankheitsbilder von Angina pectoris oder plötzlichem Kindstod.

Von einigen weiteren überregional verbreiteten und ganz besonders auch regionalen Sagen, wie dem Mühlweiberl oder dem Dammerl (Hl. Thomas), ebenso von den damaligen Bräuchen und dem Alltag erzählen die Tourleiterin sowie die Gschdaldn’n, die Gestalten selbst (letztere tun dies natürlich auf Mundart). Zuletzt treffen die Perchten ein und treiben mit ihren Glocken den Winter und die Geister aus, nicht ohne selbst Unfug mit den Leuten zu treiben. Die sehr liebevoll verkleideten Gestalten ziehen an einigen Mützen und fegen umher. Vom Zwicken, wie es in anderen Perchtenläufen Brauch ist, wurde abgelassen.

Zwischen den Jahren

Die Raunächte sind die zwölf Nächte zwischen dem ersten Weihnachtstag und dem Fest der Heiligen Drei Könige. Dort stehen nach europäischem Volkstum die Tore zum Geisterreich offen. Zu dieser Zeit war es besonders wichtig, die Arbeit vor Sonnenuntergang abzuschließen und sich, die Familie und das Vieh in Sicherheit zu bringen. Zur letzten Raunacht wurden diese Geister dann durch lärmende Umzüge zurückgetrieben. Dieses alpenländische Brauchtum ist seit mindestens 500 n. Chr. beschrieben und in der Form des Krampus noch weit verbreitet. Anfänglich als religiöses Predigtspiel hat sich der Perchtenbrauch zu einem eigenständigen Genre entwickelt und erlebte während der Industrialisierung eine Renaissance. Regionale Gruppen wie die Wuide Dragn vom Abbachhof setzen diese Tradition weiter fort und beleben die Winterzeit mit ihren Schauspielen.

Es spukt noch heute

Fernab von Mythen und Sagen sind die Raunächte weiter Bestandteil unserer Zeitauffassung. Die Zeit zwischen Weihnachten und den Heiligen Drei Königen kommt vielen wie ein kurzer Stillstand gleich. Viele Firmen haben Urlaub, man meidet die Kälte draußen, verkriecht sich in der warmen Stubn und irgendwie passiert nichts. Während im Rest des Jahres Effizienz sonst das höchste Gut ist, ist dieser uralte Brauch eine wunderbare Mahnung daran, dass man manchmal lieber ruhen sollte.


Zur Website der Wuidn Dragn: http://www.wuide-dragn.de/index.php?id=5

Weitere Stadtmaus-Touren: https://stadtmaus.de/

Die Veranstaltung wurde mit Pressekarten besucht.

Titelbild © Mia Fritzsche

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