»Nachhausekommen«

»Nachhausekommen«
Volle Züge, leere Straßen und die Frage nach Heimat. Warum sich Nachhausekommen oft widersprüchlich anfühlt und Regensburg mehr ist als nur der Ort, von dem man wegfährt.

von Leonie Nicolaus

Schon geht es wieder los. Wie jedes Jahr. Und trotzdem überrascht es mich immer aufs Neue, wie leer Regensburg kurz vor Weinachten wird. Die Stadt wirkt wie ausgefegt, als hätte jemand auf Pause gedrückt. 

Auf den Straßen sieht man Menschen vollgepackt mit Taschen und Rücksäcken Richtung Bahnhof laufen. Die Bahnsteige sind laut, die Züge überfüllt und es wirkt fast als würden die Menschen fliehen. Wohin? Nachhause. 

Ein paar Tage wieder bei der Familie am Esstisch sitzen und einmal wieder Kind sein. Für manche das Schönste auf der Welt, für andere ein Alptraum, der jedes Jahr wiederkehrt. Doch warum ist das so? 

Nach Hause kommen heißt für viele bekannte Gerüche, vertraute Stimmen und alte Rituale. Die Schultern sinken lassen und den Alltag pausieren. Endlich mal wieder Zeit zum Durchatmen und nicht mehr von einem Termin zum nächsten springen, sondern einfach mal da sein. Doch natürlich ist das nicht für jede:n so. Vielleicht weil man sich auf einmal wieder wie 16 fühlt. Und die Eltern nach nur einem Tag schneller nerven als jede Klausurenphase. Weil man in alte Muster rutscht, von denen man dachte, schon rausgewachsen zu sein. Vieles fühlt sich einfach genauso an wie früher, selbst wenn man schon längst ein anderer Mensch geworden ist. 

Vielleicht ist es genau diese Ambivalenz, die das Nachhausekommen so besonders macht. Egal ob Vertrautheit oder Reibung, Nähe oder Distanz. Für jede:n fühlt es sich anders an. Doch egal wie sich Nachhausekommen anfühlt, am Ende ist auch die Rückkehr nach Regensburg wie Nachhausekommen. Vielleicht weil wir hier unser eigenes kleines Leben aufgebaut haben. Weil hier Freundschaften, Lieblingscafés und Routine auf uns warten. Weil Heimat nicht immer nur Familie oder ein Ort ist, sondern vielleicht auch Menschen, die man liebgewonnen hat und somit mehrere Orte zugleich.


Titelbild © Leonie Nicolaus

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