Wer sich in den sozialen Medien bewegt, wird unweigerlich mit dem schönen Leben Anderer konfrontiert. Das kann nicht nur deprimierend sein, sondern auch gefährlich werden. Wie die Sozialen Medien durch das Vergleichen mit anderen unsere Selbstzweifel verstärken, uns vulnerabler machen und dadurch zu psychischen Erkrankungen führen können.
von Sophie Baars
Morgens nach dem Aufwachen erst einmal kurz durch den Instagram Feed scrollen und anschließend TikTok öffnen, um zu schauen, was die Lieblings Influencer so treiben: Ein Unboxing eines PR Paketes mit beneidenswerten Makeup Produkten, eine Workout-Routine für den perfekten flachen Bauch, wie man mit Anfang 20 schon finanziell unabhängig wird, ein Foto Dump aus dem Traumurlaub auf den Malediven, reine Haut mit nur diesem einen tollen Produkt – Typische Videos, die erscheinen, wenn man die eigene For You Page runterscrollt. So sehr die mittlerweile fest im Alltag verankerten Sozialen Medien begeistern und anregen, stresst das ständige, beiläufige Anschauen von Online-Content gleichzeitig.
Auf den ersten Blick wirken Videos oft unterhaltend und nebensächlich. Der regelmäßige Konsum solcher Videos führt jedoch dazu, dass die vom Bildschirm aufgenommenen Informationen unbewusst immer präsenter werden: Aus den anfänglichen Tipps und Anregungen können schnell zwanghafte Vergleiche der eigenen Erfolge, des eigenen Aussehens und der finanziellen Situation werden.
Unterbewusst werden die eigenen Lebensumstände mit den glamourös präsentierten online Inhalten gemessen. Plötzlich könnte Alles an einem selbst besser sein: Figur, Karriere, eigentlich alle eigenen Erfolge. Durch Social Media verlernt man, sich selbst wertzuschätzen. Ständig ist da eine Stimme im Hinterkopf, die sagt: »Jemand online macht das viel besser« .
Psychologische Studien
Mit der zunehmenden Präsenz von Social Media in unserem Alltag untersuchen immer mehr Studien die Zusammenhänge von psychischen Erkrankungen und steigender Nutzungsdauer von Social Media Plattformen. Mehrere Studien zu depressiven Symptomen durch Social Media haben Folgendes ergeben: Sowohl TikTok als auch Instagram sind mit höheren Depressionswerten assoziiert.
Laut einer Studie zum Vergleichen des eigenen Aussehens auf Instagram gaben 23% der Nutzer:innen an, extremen Druck zu empfinden, perfekt auszusehen. Bei Frauen waren es sogar 34%. 48% der weiblichen Nutzer:innen vergleichen der Studie zufolge das eigene Aussehen häufig oder immer mit Bildern und Posts auf der App. Eine von drei Frauen machen die eigene Instagram Nutzung für Körperbildstörungen und Essstörungen verantwortlich.
Mehr Zeit auf den Plattformen wirkt sich demnach direkt auf die psychische Gesundheit aus. Spezifisch weibliche Nutzerinnen im jungen Alter sind von psychischen Erkrankungen durch Social Media Plattformen gefährdet. Psychische Erkrankungen entstehen oft bereits im Kindheits- und Jugendalter und können sich mit zunehmendem Alter chronifizieren. Laut den Forschenden ist es wichtig, früh sensibilisiert und darüber aufgeklärt zu werden, was Social Media Konsum bewirken kann.
Wie lässt sich, trotz des stressigen Uni-Alltags, auf die eigene mentale Gesundheit achten?
Die erste wichtige Einsicht: Sich dessen bewusst sein, wie sehr uns Social Media im Alltag begleitet und welchen Einfluss TikTok und Instagram auf unser eigenes Wohlbefinden haben. Wenn du merkst, dass dich der Konsum von TikTok und Instagram unterbewusst stresst, versuche mit Menschen aus dem eigenen Umfeld zu reden. Anstatt nur die schöne Welt hinter dem Bildschirm wahrzunehmen, führe einen kurzen »Reality-Check« durch: Niemand führt ein perfektes Leben. In den sozialen Medien wird häufig nur das Positive gepostet und Probleme nicht thematisiert.
Versuche deine tägliche Zeit auf Social Media zu limitieren: Statt eine weitere Stunde auf TikTok zu verbringen, etwas offline unternehmen. Im besten Fall etwas, das zur eigenen Entspannung beiträgt. Einige Anregungen (aus eigener Erfahrung): Spazieren gehen, malen, backen, kochen, mit Freunden quatschen, Yoga, … Die eigenen Stärken und Erfolge visualisieren: Aufschreiben und verinnerlichen. Zur Abwechslung mal stolz auf dich selbst sein!
Hilfsangebote enttabuisieren!
Soziale Medien begleiten uns bereits jetzt stetig im Alltag. In Zukunft wahrscheinlich immer mehr. Es muss deshalb vermehrt Aufklärung über die Risiken der Nutzung von Apps wie Instagram und TikTok stattfinden. Gerade in Bildungseinrichtungen wie Schulen und Universitäten muss Aufklärungsarbeit bereits in jungem Alter greifen.
Psychologische Hilfsangebote müssen außerdem weiter enttabuisiert werden, damit vermehrt ohne Schamgefühle auf diese zurückgegriffen werden kann. Wenn es dir gerade nicht gut geht, wende dich an vertraute Menschen oder an die psychologische Beratungsstelle der Uni Regensburg: https://www.uni-regensburg.de/studieren/zentrale-studienberatung/psychologisch-psychotherapeutische-beratung
Titelbild © Sophie Baars
Quellen:
https://fairplayforkids.org/research-on-instagram-and-teens-summaries-from-the-facebook-files/
https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/21501319251327303
https://link.springer.com/article/10.1007/s41347-024-00399-6?fromPaywallRec=false

