Es ist Freitagabend, 22 Uhr, kurz vor Bibliotheksschluss. Der Laptop überhitzt, der Kopf raucht. Aber sobald man an die Prüfung denkt, fühlt es sich so an, als wäre alles Gelernte wieder weg. Ein plötzlicher Gedächtnisverlust, der sich durch anhaltenden Stress und zu hohe Ansprüche an sich selbst manifestiert.
von Sarianna Schnitzler
Stress ist im Leben der Studierenden allgegenwärtig. Vor allem der psychische Stress hat hohen Einfluss auf die Lebensqualität der jungen Menschen und kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Neben sozialem Druck ist der wohl offensichtlichste Grund der Stress im Unialltag. Präsentationen, Klausuren, Abgaben – alles Belastungen für unsere Psyche.
Wie also mit diesem Stress umgehen? Wie bekommt man mehr Selbstvertrauen in Hinblick auf seine Leistungen und wie kann man in diesen Stresssituationen mehr auf sich achten?
Was passiert im Kopf ?
Zwar hat eine kurzfristige Stressbelastung positive Effekte auf unser Gehirn und kann zu gesteigerter Leistung führen, doch sobald Stress zum Dauerzustand wird, sind die negativen Auswirkungen auf unsere Gesundheit und Leistung signifikant. Es werden dabei vermehrt Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet, was viel Energie benötigt und das Denkvermögen blockieren kann. Im schlimmsten Fall kann ein Gedächtnisverlust zu einem totalen Blackout werden. Man verliert für kurze Zeit sein Erinnerungsvermögen und kann sich nicht mehr an das Gelernte erinnern.
Stress – ein eigenproduziertes Phänomen?
Eine Ursache für Stress ist der permanente Drang nach Perfektionismus. »Nur wenn ich eine 1 vor dem Komma habe, bin ich zufrieden mit mir.« – eine Motivation zur Leistungssteigerung, die per se nicht schlecht sein muss. Jedoch wird es dann zum Problem, wenn man mit dem möglichen Scheitern nicht richtig umgehen kann. Chronischer Stress kann dann eine Folge sein. Das Gefühl, trotz durchaus guten Leistungen nichts zu können, kommt oft dann, wenn die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden. Laut einer Studie des gesund.bund.de sind zu hohe Ansprüche an sich selbst mit 43% auf Platz 2 der häufigsten Stressursachen der Deutschen. Auch der ständige Vergleich mit seinen Mitstudierenden wirkt sich negativ auf den inneren Stress aus. Darüber hinaus werden Menschen bei hoher Überlastung zu Weltmeistern im Prokrastinieren: Eine Vermeidungsstrategie, um der Angst vor dem Versagen aus dem Weg zu gehen. Man ertappt sich selbst dabei, lieber die Küche gründlich zu putzen, anstatt mit dem Lernen auf die nächste Klausur zu beginnen. Die kurzfristige Entlastung und Ablenkung führt aber zu Schuldgefühlen und am Ende zu noch mehr Stress.
Strategien, die wirklich helfen
Die üblichen Antworten auf zu viel Unistress sind meistens detaillierte Lernpläne und lange To-do Listen, um mehr Übersicht zu bekommen und die grenzenlose Überforderung zu kontrollieren. Erfahrungsberichte zeigen jedoch, dass kleinere und realistische Tagesziele, kombiniert mit Pausen und Ausblicke auf Dinge, die einem Spaß machen, deutlich mehr motivieren können. Eine Stunde lernen und danach gibt es zum Beispiel einen Kaffee mit einem leckeren Snack dazu. Die Basis für gutes Wohlbefinden sind eine ausgewogene Ernährung, Bewegung und genügend Schlaf. Hinzu kommt, dass es wichtig ist, mehr Nachsicht mit sich selbst zu haben und sich gerade in Situationen, in denen man von den eigenen Leistungen enttäuscht ist, mehr Mitgefühl zu schenken. »Sich selbst wie einen guten Freund behandeln« kann man ruhig ernster nehmen! Selbstfürsorge bleibt an einem anstrengenden Uni Alltag oft auf der Strecke. Dies wäre aber besonders wichtig für das eigene Wohlbefinden im Umgang mit Stress. Unterm Strich muss uns Studierenden aber bewusst werden, dass Prüfungen eine Rückmeldung unseres Wissensstandes sind und keine Bewertung der eigenen Person. Ihr seid toll, so wie Ihr seid, auch wenn keine 1 vor dem Komma steht!
Lasst uns den Unistress neu überdenken
Was wäre, wenn der Fokus in der Prüfungsphase nicht nur darauf liegt, neues Wissen anzureichern und abzuprüfen, sondern mehr auf dem Umgang in stressigen Zeiten mit einem selbst? Das Ziel sollte sein, nicht nur gute Leistungen in der Uni zu erbringen, sondern einen positiven Umgang mit Stress zu erlernen. Damit richtet sich der Blickwinkel wieder mehr auf das eigene Wohlbefinden.
Also: Begegnet euch immer und gerade in stressigen Zeiten mit Umsicht und viel Eigenlob!
Titelbild © Linus Ziegler

