Queer-inklusiv Studieren: Was bietet die Uni Regensburg, was nicht?
Die Universität Regensburg wirbt mit Vielfalt und Chancengleichheit. Doch reicht das, um allen Studierenden einen respektvollen Alltag zu ermöglichen?
von Franka Mühling
Universitäten sind Orte der Begegnung und der Vielfalt — so auch die Uni Regensburg. Damit sich alle Menschen dort wohlfühlen, braucht es jedoch mehr als gute Absichten. Die Hochschule München hat 2021 ein Positionspapier veröffentlicht, in dem das »Referat für Diversität und Inklusion« der Studierendenvertretung beschreibt, wie eine wirklich queer-inklusive Uni aussehen sollte.
Namens- und Geschlechtseintrag
Wesentlich ist, dass Studierende ihren Namen und Geschlechtseintrag selbstständig ändern können — idealerweise online, denn Privatsphäre sollte speziell hier gewährleistet sein. Anschließend sollten alle Dokumente angepasst und künftig mit der richtigen Ansprache versendet werden. Voraussetzung dafür ist die Möglichkeit der Geschlechtseinträge »divers« oder »Keine Geschlechtsangabe«.
Sprache und Pronomen
Sprache spielt eine zentrale Rolle in unserem Miteinander. Selbstgewählte Pronomen ermöglichen allen Studierenden eine würdevolle Anrede. Es gibt eine Vielzahl von Varianten nicht-binärer Pronomen, die in Portalen wie das an der Uni Regensburg (UR) genutzte »Grips« für die anderen Kommiliton:innen sichtbar gemacht werden können. Darüber hinaus braucht es gendersensible Sprache in offiziellen Dokumenten und Lehrveranstaltungen. Ein leicht zugänglicher Sprachkatalog der alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten inkludiert, kann per Mail zum Semesterstart an alle Studierenden versendet werden. Dieser erleichtert die Nutzung und unterstützt Professor:innen in ihrer Pflicht, alle Studierenden gleich zu behandeln.
Toiletten und Sichtbarkeit
Für Menschen, deren Erscheinungsbild nicht mit der gesellschaftlichen Norm übereinstimmt, kann ein Toilettenbesuch schnell belastend werden. Entweder sie besuchen die Toilette, die ihren Geschlechtsmerkmalen am ehesten entspricht, nehmen so aber eventuell in Kauf ihre Identität zu verleugnen oder sie gehen in die, ihrer Identität entsprechenden Toilette und laufen Gefahr diskriminiert zu werden. Wer sich keinem binären System und somit keiner der bestehenden Optionen zugehörig fühlt, steht erst recht vor einer schwierigen Wahl. All-Gender-Toiletten sind daher essenziell und sollten auch genauso leicht erreichbar sein wie binär getrennte Toiletten.
Was tun bei Diskriminierung?
Trotz aller Maßnahmen wird Diskriminierung von queeren Personen auch in Zukunft nicht einfach so verschwinden. Deshalb ist es wichtig bestimmte Institutionen ins Leben zu rufen, die sich sowohl mit der Bekämpfung von Diskriminierung als auch mit adäquater Unterstützung für Betroffene befassen. Eine Antidiskriminierungsstelle kann Betroffene unterstützen, sei es durch Peer-to-Peer-Kontakt oder Fachpersonal. Ergänzend schaffen Arbeitskreise wie der AK Diversity oder der AK Queer Aufmerksamkeit und bieten Austauschmöglichkeiten.
Uni Regensburg: Was ist vorhanden?
+ Änderung des Namens oder Geschlechtseintrages möglich
+ Möglichkeit der Geschlechtseinträge »divers« oder »Keine Geschlechtsangabe«
+ AK Queer (engagiert sich seit 2015, organisiert jeden zweiten Donnerstag einen queeren Stammtisch)
+ Antidiskriminierungsstelle (Dr. Birgit Bockschweiger, Referentin für Antidiskriminierung und Diversity und studentisches Hilfskraft-Team)
+ Sprachkatalog mit gendergerechter Sprache vorhanden
Und was fehlt?
– Keine eigenständige Änderung von Namen oder Geschlechtseintrag (nur mit Ergänzungsausweis oder Gerichtsbeschluss)
– Selbstgewählte Pronomen können nicht sichtbar gemacht werden
– Keine All-Gender-Toiletten vorhanden
Vielfalt leben heißt konsequent handeln
Eine queer-inklusive Uni braucht mehr als gute Vorsätze. Die Universität Regensburg hat bereits wichtige Schritte unternommen, doch es besteht Verbesserungspotenzial. Vor allem die Einführung von All-Gender-Toiletten und die Möglichkeit zur eigenständigen Änderung von Namen und Geschlechtseintrag wären entscheidende Verbesserungen für einen respektvollen Studienalltag — Und ist es nicht der Anspruch der Universität Regensburg, Chancengleichheit und Vielfalt zu leben?
Titelbild © Franka Mühling
Quellen:
