Fairness im Sport – aber nur bei Männern?

Fairness im Sport – aber nur bei Männern?
Frauen werden im Hochleistungssport noch immer benachteiligt, ob durch Kleidungsvorschriften, unfaire Bezahlung oder mangelnde Sichtbarkeit. Der aktuelle Halo-Sport-Aufreger zeigt erneut, wie tief diese Ungleichheiten sitzen. Warum wird Leistung von Sportlerinnen bis heute weniger wertgeschätzt und was muss sich ändern?

von Charlotte Meier und Marie Hartmann

Nach nur drei Tagen scheiterte der TikTok-Account Sky Sports Halo, mit dem Sky Sports frauenfokussierten Sportcontent produzieren wollte. Innerhalb weniger Stunden ging der Account viral und sorgte für große Aufregung. Das Ziel des Senders war es, Sport für Frauen ansprechender zu gestalten. Dafür griff Sky auf klischeebehaftete Referenzen zurück: »hot girl walks«, Matcha und pinke Herzen statt Fokus auf den Sport. In den Medien fand der Kanal jedoch keinen Zuspruch, sondern wurde stark kritisiert. Besonders weibliche Sportfans äußerten sich und betitelten Sky als »sexistisch und rückständig«. Diese Aktion hat mal wieder gezeigt, dass Diskriminierung im Sport noch immer Thema ist. Egal ob bei Fans oder Athletinnen, der Weg zur Gleichberechtigung scheint noch ein langer zu sein.

Aussehen über Leistung

In Zeitungen und im Internet dominieren im Sportteil vor allem von Männern betriebene Sportarten. Wer sich für Sportereignisse interessiert, bei denen Frauen beteiligt sind muss sich auf die Suche machen, obwohl rund 70% der Menschen gerne Frauensport im Fernsehen anschauen. Weibliche sportliche Leistung wird nicht angemessen gezeigt, sondern bleibt größtenteils unsichtbar. Im Jahr 2022 betraf von medialer Sportberichterstattung nur rund 16% Frauensport. Aber nicht nur Unterrepräsentation ist Medienrealität, sondern auch die Art und Weise, wie darüber berichtet wird. Oftmals werden unrelevante Fakten, wie Aussehen, Alter oder Familienstand zum Inhalt der Berichterstattung gemacht. Dieser Fokus auf das Privatleben oder das Aussehen der Sportlerinnen anstelle der sportlichen Leistung wird »Trivialisierung« genannt.

Kleidung nach Männergusto?

Wenn Athletinnen dann mal in den Medien gezeigt werden, ist es meistens in knapper Kleidung. Beachvolleyballerinnen müssen Hosen tragen, die mehr an Bikinihosen erinnern als an professionelle Sportkleidung, welche bei den männlichen Kollegen üblich ist. Der Fokus liegt nicht mehr auf den beeindruckenden sportlichen Leistungen, sondern auf dem Körper der Athletin. Das überrascht wenig, wenn man sich anschaut, wie Vorschriften bezüglich der Sportkleidung entstehen. Das überrascht wenig, da Kleidungsvorschriften oft in männerdominierten Verbänden beschlossen werden. Diese Vorschriften halten sich meistens an das Prinzip »sex sells«. Mit den knappen Outfits werden erotische Wirkungen erreicht, die auch in Werbestrategien üblich sind. Aber eine Athletin ist kein Produkt, das vermarktet werden muss. Sie ist eine Sportlerin, deren Leistung zählt.

Das es auch anders geht, zeigen die deutschen Olympiaturnerinnen im Jahr 2021. Statt dem üblichen Turnanzug, griffen diese auf einen langbeinigen zurück und setzten damit den ersten Meilenstein im Thema Selbstbestimmung. Inzwischen hat sich der längere Turnanzug in dem Leistungssport immer mehr etabliert. Der wichtigste Punkt ist, dass die Turnerinnen selbst entscheiden können, welchen sie anziehen. Das grundlegende Problem ist nämlich nicht die kurze Hose, sondern die Reduzierung auf das Aussehen und die damit einhergehende Sexualisierung von Athletinnen.

Duschgel für Frauen, Preisgeld für Männer

Im Januar 2025 ging ein Interview der Skispringerin Selina Freitag viral, in dem sie für den Sieg der Qualifikation in Garmisch-Patenkirchen als Prämie ein Set erhielt, was aus Duschgel, Shampoo und Handtücher bestand. Die Männer erhielten für dieselbe Leistung 3000 Schweizer Franken. Auch wenn der Frauensport mehr Aufmerksamkeit bekommt, steht die Frage der fairen Bezahlung noch immer im Raum. Im Durchschnitt verdienen Frauen im Spitzensport 1 % dessen, was Männer verdienen – ein gravierender Unterschied. Während Männer im Sport mit einer Leichtigkeit ihren Lebensunterhalt bestreiten können, kämpfen viele Athletinnen für eine faire Bezahlung. Begründet werden die Gehaltsunterschiede im Profi-Sport häufig mit unterschiedlichen Einschaltquoten und geringeren Investitionen in den Frauensport. Ein weiterer Faktor stellt die mangelnde Investitionsbereitschaft der Sponsoren dar, die immer wieder den Fokus auf Männer legen. Doch nicht nur die Vergütung ist ungleich, bereits bei der Ressourcenverteilung von Vereinssportler:innen zeigt sich die Benachteiligung: Studien zeigen, dass die Sportfördermittel in einzelnen Städten häufiger in männerdominierte Sportarten fließen. Auch Hallen- und Platzzeiten werden häufiger an Männermannschaften vergeben, während Frauen und Mädchen diese Ressourcen nicht bekommen.

Trotz allem gibt es auch Positiv-Beispiele: Die Leichtathletik lebt es vor. Seit 1997 wird den Athlet:innen das gleiche Gehalt für die gleiche Leistung gezahlt.

Aber es ist klar: Trotz der positiven Tendenzen, muss noch viel getan werden, bis Frauen für ihre Leistung die gleiche Vergütung erhalten wie Männer.

Quellen:

https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/sexismus-und-sportkleidung-warum-nike-am-stoff-spart

https://unwomen.de/frauen-und-maedchen-im-sport

https://www.dw.com/de/equal-pay-warum-sich-der-sport-weiterhin-schwer-tut/a-74019228

https://www1.wdr.de/nachrichten/frauensport-skispringerinnen-selina-freitag-siegpraemie-duschgel-100.html

https://www.100sport.at/lohngleichheit-fur-manner-und-frauen-im-sport.html


Titelbild © Olivia Rabe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert