Snus – wie groß ist der Hype wirklich?
Studierende, Eltern, und sogar Ärzt:innen – egal wie unterschiedlich die Zielgruppen auch sind – sie alle sind Konsumopfer eines bestimmten Tabakprodukts, das aktuell Wort wörtlich in aller Munde ist: Snus. Beobachtungen in der norwegischen Gesellschaft lassen vermuten, dass die Sucht größer ist als gedacht.
von Ronja Schäfer
Was ist Snus eigentlich?
Ein kleines weißes Päckchen gefüllt mit getrocknetem Tabak liegt unter dem Sitz in der Bahn. Bei genauerem Hinsehen sieht es aus wie eine Mischung aus Kaugummi und einem Teebeutel, was es zunächst sehr unscheinbar und harmlos wirken lässt. Doch die Anwendung und Wirkung von Snus, einem aktuell sehr beliebten Tabakprodukt, ist alles andere als ungefährlich: Das Päckchen, das unter die Ober-oder Unterlippe geschoben wird, scheint zwar weniger schädlich, weil keine giftigen Verbrennungsstoffe wie beim normalen Rauchen entstehen, enthält aber trotzdem Tabak, künstliche Aromen und andere Schadstoffe. Und davon nicht wenig. Ein Portionssnus-Beutel hat einen Nikotingehalt von ca drei Zigaretten und kann deshalb schon bei einmaliger Einnahme zum Nikotinschock führen, der Übelkeit und Schwindel auslösen kann. Die Arten von Snus sind vielfältig – ob als Pulver oder als vorgefertigte Päckchen aus Zellulose, mit Wassermelonen-, oder Pfefferminzgeschmack – der Konsum scheint jegliche Vorlieben abzudecken. Grundsätzlich handelt es sich bei Snus um luftgetrockneten, gemahlenen Tabak angereichert mit Salzen, Wasser und Aromen, dessen Konsum ebenso wie Zigaretten ein erhöhtes Krebsrisiko, Entzündungen im Mundbereich und Tabakabhängigkeit mit sich bringt. Trotzdem scheint Snus, zumindest in manchen Ländern, die herkömmliche Zigarette aus den Jackentaschen von Nikotinabhängigen jeglicher Generationen zu vertreiben. Doch ist dieses neue Produkt wirklich besser?
Warum alle Snus konsumieren
Packung auf, Lippe hoch, Beutel rein – der Konsum ist schnell und unkompliziert. Auch müssen Konsumenten keine strafende Blicke von potenziellen Passivrauchenden befürchten. Die flexible und nahezu unbemerkte Einnahme des Suchtmittels scheint für viele Nikotinabhängige eine neue Möglichkeit ihrer Sucht nachzukommen und wird somit zunehmend beliebter. Der Hauptunterschied zum Rauchen besteht darin, dass Snus auch problemlos in Innenräumen eingenommen werden kann, da kein Rauch entsteht. Egal ob in der Bahn, während der Vorlesung oder im Café – überall ist der Konsum möglich, was zu einem noch größerem Suchtpotenzial führt. Auch andere unangenehme Nebeneffekte, wie der Geruch nach Zigarettenrauch, verfärbte Zähne oder eine Raucherpause in eisiger Kälte bleiben aus. So schlägt Snus die herkömmliche Zigarette auch in diesen Punkten. Trotzdem ist Snus gesundheitsgefährdend, was sich leicht hinter den harmlosen Geschmacksrichtungen verbergen lässt. Auch die Annahme, dass die Päckchen sogar bei Nikotinentzug helfen können, ist umstritten. Das orale Tabakprodukt enthält zwar weniger der giftigen Nitrosamine, die eine der schädlichsten Inhaltsstoffen in Zigaretten sind, und kann als Alternative für Zigaretten dienen, doch Nikotin ist und bleibt ein Suchtmittel.
Snus wird populär
Während der Verkauf von Snus in allen EU-Mitgliedsstaaten außer Schweden verboten ist, sind in Norwegen die Regeln weniger strikt. Das Tabakprodukt kann in Supermärkten, Kiosks und Tankstellen frei erworben werden. Grund dafür ist wohl auch die historische Bedeutung von Snus in Norwegen. In den 1970er Jahren wurden strenge Tabakkontrollmaßnahmen eingeführt, um den schädlichen Zigarettenkonsum einzudämmen. Ein Mindestalter von 16 Jahren, Werbeverbot von Tabakprodukten und schließlich landesweites Rauchverbot waren zwar teilweise erfolgreich, führten aber auch zu Stigmatisierung und der Verlagerung des Problems. Einige Norweger:innen greifen daraufhin zu den legalen Snusprodukten, die mittlerweile doppelt so häufig täglich konsumiert werden wie Zigaretten.
Norwegen im Konsumrausch
Heute zählt Snus zu einem der am weitesten verbreiteten Tabakprodukten des Landes. Die Tabakpräferenzen verschieben sich also offensichtlich zu Gunsten der kleinen geschmackvollen Päckchen, die vor allem Jugendlichen den Einstieg in die Nikotinsucht erleichtern. Auch der Preis spielt dabei eine Rolle – mit ca fünf bis zehn Euro pro Packung bietet Snus einen Preisvorteil gegenüber Zigaretten. Doch nicht nur die Bevölkerung scheint in dem Produkt große Vorteile zu sehen – auch die norwegische Regierung ist durchaus bemüht sich den Konsum zu erleichtern, um eine rauchfreie Gesellschaft anzustreben. Und das mit Erfolg: Der Konsum ist so legitimiert, dass die Snuspackungen schon zur Grundausstattung der eines jeden norwegischen Studierenden gehören und sogar Ärzt:innen im OP ganz selbstverständlich das Päckchen aus dem Mund fischen und austauschen.
Doch wie sinnvoll ist es, ein gesundheitsschädliches Produkt durch ein Anderes zu ersetzen? Ob der Konsum von Snus tatsächlich besser ist als herkömmliche Zigaretten, muss am Ende von jedem und jeder selbst beurteilt werden. So bleibt es letztendlich, wie mit Allem, die eigene Verantwortung welchen Meinungen Glauben geschenkt wird, wie gesellschaftliche Entwicklungen bewertet werden und welchen Trends man folgt.
Titelbild © Ronja Schäfer
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