Black Friday: Vom Football-Chaos zum weltweiten Schnäppchenrausch

Black Friday: Vom Football-Chaos zum weltweiten Schnäppchenrausch
Einst Verkehrschaos in Philadelphia, heute ein globaler Kaufrausch: Der Black Friday als Konsumphänomen – und die Kehrseite von Umweltbelastung, Ressourcenverschwendung und Marketingtricks.

von Sophie Stigler

Es ist Philadelphia in den 1960er-Jahren und der Freitag nach Thanksgiving. Tausende Menschen strömen aus den Vororten in die Innenstadt – viele kommen wegen des traditionellen Footballspiels und um die ersten Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Die Straßen sind überfüllt, Autos stauen sich kilometerweit, Fußgänger drängen sich durch die Gassen. Die Polizei, die das Chaos jeden November aufs Neue erlebt, prägte dafür den Begriff »Black Friday«. Ein Name, der zunächst den Wahnsinn auf den Straßen beschreibt – und später zu einem Synonym für das größte Einkaufsevent des Jahres werden sollte.

In den 1980er-Jahren begannen Einzelhändler, den Tag gezielt zu vermarkten: Sonderangebote, Rabatte und spezielle Aktionen zogen noch mehr Käufer an. Endlich ein Tag, an dem die Umsätze so hoch waren, dass man »schwarze Zahlen« schreiben konnte – und der Name »Black Friday« war geboren. Bald verbreitete sich der Black Friday über die USA hinaus, zuerst nach Kanada, dann nach Europa und mittlerweile weltweit. Mit Online-Shopping und der sogenannten »Black Week« ist der Kaufrausch heute digital genauso präsent wie in den Innenstädten – und zieht Millionen Menschen in seinen Bann.

Der Preis der Rabatte: Die ökologische Kehrseite

Doch hinter den blinkenden Angeboten steckt eine Kehrseite: Die Umwelt leidet enorm. Jede verkaufte Jeans, jedes neue Smartphone und jede blinkende Weihnachtsdeko erzeugt CO₂ – oft deutlich mehr, als man denkt. Studien zeigen, dass die Emissionen an diesem Tag um fast 100 Prozent steigen können, weil Produktion, Transport und Verpackung zusammen eine enorme Klimabelastung verursachen. Viele Produkte werden kaum genutzt oder landen als Retouren im Müll, und die Herstellung von Elektronik und Textilien verschlingt wertvolle Ressourcen und belastet Ökosysteme.

Glücklicherweise lässt es sich clever shoppen und die Umwelt schonen:

Nur kaufen, was wirklich gebraucht wird: Ein kurzer Check kann Impulskäufe verhindern.
Auf Qualität setzen: Langlebige Produkte sind langfristig günstiger und ressourcenschonender.
Second-Hand, Upcycling & Reparatur:Alte Schätze wiederverwenden oder reparieren.
Elektronik länger nutzen:Smartphones und Geräte nicht nach kurzer Zeit ersetzen.
Bewusst einkaufen:Produkte wählen, die fair produziert und nachhaltig sind.

Warum der Black Friday 2025 aktueller ist denn je

In diesem Jahr ist der Black Friday besonders relevant – und das aus mehreren Gründen. Zum einen nutzen immer mehr Menschen digitale Tools und Preisvergleichs-Apps, um angesichts steigender Lebenshaltungskosten so viel wie möglich zu sparen. Der Schnäppchentag ist längst nicht mehr nur ein physisches Einkaufsevent, sondern eine globale Online-Erfahrung: Von Smart-Home-Geräten bis hin zu Kleidung werden Milliarden Euro Umsatz über digitale Plattformen gewonnen.

Gleichzeitig wächst die Kritik an der ökologischen Belastung deutlich. Umweltverbände warnen vor den Folgen des steigenden Onlinehandels: Mehr Verpackungsmüll, zusätzliche Transportwege, Retourenberge und höhere CO₂-Emissionen belasten Klima und Ressourcen. Längst ist der Black Friday kein harmloser Shopping-Tag mehr, sondern ein Ereignis mit spürbaren Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft. 

Doch es gibt Hoffnung, oder zumindest den Versuch davon: Viele Unternehmen reagieren auf die wachsende Nachfrage nach Nachhaltigkeit, indem sie längere Produktlebenszyklen, Reparaturservices, CO₂-Kompensation oder faire Produktionsbedingungen bewerben. Allerdings steckt dahinter oft Greenwashing: Die Maßnahmen dienen teilweise mehr der Vermarktung und Gewinnmaximierung als echtem Umweltschutz. Auch Verbraucher:innen setzen zunehmend auf bewusstes Einkaufen, etwa durch Second-Hand, langlebige Produkte, Upcycling und gezielte Kaufentscheidungen. Doch der Effekt wird gedämpft, wenn Unternehmen den Eindruck erwecken, sie handeln nachhaltiger, als sie es tatsächlich tun.

So wird der Black Friday 2025 zum Spiegel unserer Zeit: Er zeigt den Zwiespalt zwischen Sparen und Konsum, zwischen digitalem Fortschritt und ökologischer Verantwortung. Wer bewusst entscheidet, wann, wo und was er/sie kauft, kann nicht nur Geld sparen, sondern auch aktiv zur Schonung von Ressourcen beitragen –  und den Schnäppchenrausch in eine Chance für nachhaltiges Handeln verwandeln. Gleichzeitig bleibt es notwendig, Marketingversprechen kritisch zu hinterfragen und Greenwashing zu erkennen, um echte Nachhaltigkeit zu unterstützen.


Titelbild © Sophie Stigler 

Quellen:

https://moodmedia.com/de/blog-de/die-groessere-geschichte-des-black-friday

https://awolvision.de/blogs/awol-vision-blog/woher-kommt-black-friday

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/black-friday-kritik-umwelthilfe-fairtrade-100.html

https://www.mdr.de/wissen/umwelt-klima/kritik-umweltschuetzer-black-friday-schaedlich-fuer-umwelt-und-menschen-100.html

https://www.wissenschaft.de/technik-digitales/konsumschlacht-black-friday-verlierer-ist-die-umwelt

https://salzwasser.eu/blogs/bewusster-konsum/bewusster-konsum-am-black-friday?srsltid=AfmBOorJigdMER37iAB9CSJNsr-5TpTtaC41-wviq90gleImG1om6w9s

https://www.ecosistant.eu/black-friday-nachhaltigkeit-6-tipps

https://www.umweltbank.de/magazin/nachhaltig-leben/black-friday-nachhaltig/?page=all

https://www.bcg.com/press/5november2025-deutsche-verbraucher-sparen-fur-black-friday-co-ki-verandert-das-einkaufsverhalten

https://www.greenpeace.de/engagieren/nachhaltiger-leben/black-friday-amazon-befeuert-klima-artenkrise

https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/deutsche-umwelthilfe-warnt-vor-konsum-wahnsinn-am-black-friday-langlebigkeit-qualitaet-und-reparatu

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Chefredakteurin, Kolumnenleitung »Krea:tief« und Studentin der Politikwissenschaft, Vergl. Kulturwissenschaft und Kollektivwissenschaft

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