»BAMBI«

»BAMBI«
Am 13. November 2025 fand die diesjährige BAMBI-Verleihung in München statt. Mit internationalem Staraufgebot und politischen Statements wurde sie als glamouröses Ereignis gefeiert. Die Preisverleihung steht weiterhin als bedeutender Medienpreis im Rampenlicht, erlebte jedoch auch Kritik und kontroverse Momente, die Fragen nach der Relevanz und Ausrichtung der Veranstaltung auslösten. 

von Viola Klaus 

Der BAMBI 2025

Der BAMBI ist Deutschlands wichtigster Medienpreis und wurde vergangene Woche zum 77. Mal verliehen. Erstmals 1948 überreicht, ehrt der Preis Menschen für ihre Erfolge, Visionen und Kreativität. Zu den ehemaligen Gewinner:innen gehören unter anderem Bon Jovi oder Maria Carey. Dieses Jahr versammelte der BAMBI rund 1.000 Gäste aus Kultur, Wirtschaft und Politik. Ausgezeichnet wurden Preisträger:innen in 14 Kategorien, darunter auch internationale Größen wie Cate Blanchett und Cher.

Heidi Klum und das Thema Diversity 

Heidi Klum gewann den BAMBI in der Kategorie »Entertainment«. In ihrer Dankesrede predigte sie Diversity und bezeichnet »Germanys Next Topmodel« als Ort der Vielfalt. Dies wirkte für viele ironisch, da die Zeiten, in denen sie live überprüfte, ob Models zugenommen hatten und sie aufgrund von Schokoriegeln maßregelte, noch gar nicht so lange her sind. Als Jurorin bei den amerikanischen Shows »Project Runway« und »America’s Got Talent«, sowie als Moderatorin bei GNTM gehört sie durchaus zu den aktuell erfolgreichsten Entertainerinnen Deutschlands. Trotzdem bleibt die Frage, wie ehrlich das Diversity-Statement ist, wenn im eigenen Format immer wieder Vorurteile und Schönheitsdruck propagiert werden.​

»Fick die AfD«

Zartmann, Gewinner des Publikumspreises »Musikact des Jahres«, nutzte seine Bühne für eine klare politische Botschaft. Seine Statements zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und Verantwortung sorgten für Zustimmung – aber auch Kritik. Während manche darin ein Zeichen für gesellschaftliche Verantwortung sahen, kritisierten andere den Versuch, den Preis als Plattform für tagespolitische Statements zu nutzen. 

TikTok-Stars und TV-Legenden 

Der BAMBI in der Kategorie »Shootingstar des Jahres« ging an Zah1de. Die 15-Jährige ist damit die jüngste Gewinnerin in der Geschichte des BAMBIs. Bekannt wurde sie durch Tanzvideos auf TikTok, mittlerweile macht sie auch Musik und steht bei »Universal Music« unter Vertrag. Ihr Sieg stellt dabei zur Diskussion, ob Social-Media-Berühmtheit allein wirklich für eine solche traditionsreiche Auszeichnung ausreicht. Andererseits ist es vielleicht auch an der Zeit, der jüngeren Generation die Bühne zu überlassen. Während man früher per Fernseher Millionen Menschen erreichte, geschieht dies nun mal per Telefon. Geehrt werden, sollte das trotzdem. 

Im starken Kontrast dazu stand Thomas Gottschalk, der nach jahrzehntelanger Fernsehkarriere nun seinen endgültigen Rückzug von der großen Bühne angekündigt hat – ein Schritt, den viele als überfällig ansehen. Mit »Cher, Cher, nichts ist so schwer wie Cher« kündigte er die Siegerin der Kategorie »Ikone« an. Zuvor hatte seine Aussage, Cher wäre die einzige Frau, die er je respektiert habe, für Buhrufe aus dem Publikum gesorgt. Und auch, dass er ihr nicht das Mikrofon für ihre Dankesrede überreichen wollte und stattdessen über seine eigenen BAMBIs erzählte, sorgte für Irritation. Zwischendurch stand er dabei sogar so vor Cher, dass diese weder vom Publikum noch von den Kameras zu sehen war, und erzählte von seinem Motorrad. Cher schien das Ganze mit Humor zu nehmen; auf die Aussage, er habe alles von ihr gesehen, antwortete sie schmunzelnd mit »Not all of me, but a lot«. Für seinen Kommentar über seinen Respekt vor Frauen entschuldigte sich Gottschalk im Nachhinein via Instagram. 

Die Stillen Helden unserer Erde 

Fionn Ferreira gewann in der Kategorie »Unsere Erde« für seine Erfindung, Ferrofluid aus Öl und Eisenteilchen zu nutzen, um Mikroplastik im Wasser zu binden und so nachhaltig entsorgen und recyceln zu können. In seiner Dankesrede appellierte er an den Mut von allen, Lösungen zu finden, auch wenn diese anders als das »gesellschaftliche Normal« seien. 

Michaela Schuber wurde mit dem BAMBI in der Kategorie »Stille Helden« ausgezeichnet. Ihre Initiative »Boxt euch durch München« unterstützt Kinder und Jugendliche in prekären Lebenslagen. Diese können bei ihr nicht nur beim Kickboxen Dampf ablassen, sondern bekommen auch nahrhafte Mahlzeiten, Hilfe bei den Hausaufgaben und Unterstützung bei der Suche nach Ausbildungsplätzen. Neben einem BAMBI wurde ihr außerdem eine Zusatzförderung von 20.000€ überreicht. 

Großer Glamour oder Fiebertraum? 

Der BAMBI stellt nicht nur eine herausragende Ehre da, die Veranstaltung bietet auch eine Bühne für wichtige Themen und großartige Lebenswerke. Trotzdem werden mehr und mehr Stimmen laut, die die Verleihung als »woke Shitshow« bezeichnen. Im Nachhinein ist es schade, dass der mediale Fokus vor allem auf den besten Outfits des Abends oder Gottschalks Entgleisung lag. Stattdessen wären die präsentierten Initiativen oder die gesellschaftlichen Botschaften eine größere Berichterstattung wert gewesen. An Relevanz verloren hat der Preis deswegen jedoch nicht. Mit politischen Statements, dem Aufeinandertreffen von internationalen Größen auf mediale Newcomer und Reden über Integration und Klimawandel spiegelt er weiterhin unseren aktuellen Zeitgeist wider. 

Quellen

https://www.leadersnet.de/news/94863,bambi-2025-klum-kuesst-blanchett-mahnt-cher-inspiriert.html

https://www.nius.de/kommentar/news/bambi-2025-glamour-peinlichkeiten-und-ein-eklat/6969415c-8aba-4954-bfd8-82cf9b2b64b3

https://de.wikipedia.org/wiki/Bambi_(Auszeichnung)


Titelbild © Peter Kneffel/ dpa

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