Von Hüpfburgen, Kühen und Kniffelhandschuhen

Von Hüpfburgen, Kühen und Kniffelhandschuhen

[Triggerwarnung: Erwähnung von Essstörungen]

Am siebten November fand wieder der Regensburger Mälzeslam statt. Der Sieg ging an David Weber. Von einem Abend über Sexualkunde, Scheidungen und Sauerteigbrote.

von Viola Klaus

»Es war Liebe auf den ersten Blick. Hass auf den zweiten. Verachtung auf den dritten«, so David Weber, der vor zwei Wochen den Poetry Slam in der Alten Mälzerei für sich entschied.

Poetry Slam – das ist ein moderner Dichterwettstreit, ein literarischer Vortragswettbewerb, bei dem die Teilnehmer:innen selbst geschriebene Texte präsentieren. Insgesamt fünf Minuten Zeit haben sie dafür; mitnehmen dürfen sie außer einem Zettel oder ihrem Handy nichts. Die Publikum bildet die Jury. Mithilfe von Klatschen, Jubeln oder Pfeifen entscheidet es darüber, wer ins Finale kommt, und wer gewinnt.

Seit fast 25 Jahren heißt die Alte Mälzerei regelmäßig Slammer:innen aus ganz Deutschland willkommen und gehört mittlerweile zu den erfolgreichsten Austragungsorten in Bayern. Maximal 12 Teilnehmer:innen treten in zwei Blöcken gegeneinander an, wobei fünf Plätze für lokale Talente aus Regensburg reserviert sind. Die beiden Gruppensieger:innen kämpfen anschließend im Finale mit einem neuen Text um den Sieg. ­

Eine Vielfalt an Themen 

Inhaltlich lieferten die Texte des Abends eine große Bandbreite. So ging es um Sexualkunde für 14-Jährige, Hüpfburgen und Kühe, aber auch um das erste Mal Lieben, Essstörungen und Krieg. Sex in der Dusche sei »fucking unwürdig« und Veränderungen immer ein Schritt ins Ungewisse.

Erzählt wurde von Miguel, der homosexuell ist und sich nicht traut, es seinen Eltern zu sagen. Davon, was Poesie mit Technik zu tun hat und ob Zusammenleben für lesbische Paare eigentlich einfacher ist oder schwieriger – weil dann zwei Personen zu viele Schuhe und zu wenig Platz haben.

Und es ging ums Fermentieren, darum, dass auf einmal jede:r Sauerteig herstellt und wie generationsübergreifend das eigentlich ist. Denn schließlich machten das schon unsere Großeltern, und in den unzähligen Einweckgläsern im Keller stecken Geschichten, die sich beim gemeinsamen Brotbacken erzählt werden sollten.

Damit reihten sich ernstere Texte an lustige Erzählungen und das Publikum reagierte mehrmals mit lautem Lachen oder verständnisvollem Seufzen.

Mit Kniffel zum Sieg

Der Gewinn von einer Flasche Champagner und einem Büchergutschein ging an David Weber. Während er in seinem ersten Text, einer Rede zur Scheidung, aufzählte, was Svenja alles an ihrem Mann hasst – nämlich »seine Funktionshosen, bei denen man die Beine abtrennen kann« –, ging es im Finale um sein Talent als Kniffelspieler. Er reimte »Trainieren« auf »Apfel schmiere«, bezeichnet sich als »Dr. Fullhouse« und erzählt von Kniffel Handschuhen.

Der Berliner setzte sich damit gegen acht weitere Teilnehmer:innen durch und bezeichnete Regensburg am Ende als »Slam-Hochburg«, bevor er mit den anderen Teilnehmer:innen auf den Abend Anstoß.

Der Erfolg von Poetry Slams

Nicht nur der Mälzeslam ist schon Wochen im Voraus ausverkauft, sondern Poetry Slams an sich genießen große Beliebtheit. Dies lässt sich an einigen Parametern festmachen: Als Veranstaltungsformat ist es für Menschen jeden Alters leicht zugänglich. Mit verschiedenen Themen schaffen es die Slammer:innen das Publikum zu begeistern. Ob politische Kritik, persönliche Erfahrungen oder Alltagsgeschichten – inhaltlich ist alles dabei.

Außerdem hat jede:r Teilnehmer:in einen eigenen Stil; manche erzählen von ernsten Themen, andere präsentieren lustige Reime. So ist garantiert, dass für jede:n Zuschauer:in etwas dabei ist. Beim Mälzeslam sorgte zwischendurch außerdem ein DJ für gute Stimmung, sodass man mit einem Getränk entspannt den Abend genießen konnte.

Und auch für die Slammer:innen ist es ein einfacher Weg ihre Texte zu präsentieren. Weder muss man etwas mitnehmen, noch kann man etwas falsch machen.

Der nächste Mälzeslam findet am 05.12.25 statt. Schon jetzt kann man sich Tickets sichern und wer gerne selbst mal auf der Bühne stehen möchte, kann sich per Mail anmelden. Schließlich gibt es noch genügend weitere Themen, über die man schreiben könnte.


Titelbild © Viola Klaus

Quellen:

Warum ist Poetry Slam so beliebt? – FAQ Poetry Slam
Kulturzentrum Alte Mälzerei – Poetryslam

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