»Nebel«

»Nebel«

Ihr habt eure Halloween-Kostüme weggeräumt und denkt, die »spooky season« ist vorbei? Weit gefehlt. Der wahre Schrecken beginnt erst noch. Der Nebel ist zurück. 

von Elias Heindl

Vielleicht seid ihr irgendwann in den letzten Tagen aufgewacht und habt euch gefragt: »Sind meine Fenster nicht geputzt?« oder »Bin ich mit Kontaktlinsen eingeschlafen?« Spätestens dann war es so weit. Der Nebel war wieder da. Und vielleicht waren auch die Sinne vernebelt und ihr fandet die trübe Brühe vorübergehend gar nicht so schlimm? 

Leider habe ich schlechte Neuigkeiten für euch. Der Regensburger Nebel kommt, um zu bleiben. Mindestens bis März. Eher bis Mai. Und bis dahin ist es ein langer und dunkler Weg. Es gilt, sich einen Plan zurechtzulegen. Eine Tageslichtlampe von Temu wird euch nicht weit bringen. Und ein bisschen Kürbissuppe-Kochen macht noch keine »cozy season«. Die hängt euch ohnehin beim zweiten Aufwärmen zum Hals raus. Hobbies wie Stricken oder Häkeln sind da schon besser. Das dauert ewig und bis das »super-einfache« Strickprojekt fertig ist, ist der Winter vorbei. Oder ihr schreibt endlich die Hausarbeit, die ihr seit Monaten aufschiebt. 

Zunächst müsst ihr jedoch wissen, womit ihr es zu tun habt. Man muss seinen Feind kennen. Der Deutsche Wetterdienst schreibt: Über 70 Nebeltage – damit sei Regensburg ganz vorne mit dabei in Deutschland. Grund sei die Lage im Donautal. Aber auch beim DWD fehlt der Durchblick. Statt Verständnis erntet man Hohn und Spott. »Jammern auf hohem Niveau« wird es dort genannt, »es könnte schlimmer sein«. In der Atacama-Wüste gebe es schließlich doppelt so viele Nebeltage. Toller Trost! Die Atacama-Wüste ist ja auch nicht ohne Grund fast völlig unbesiedelt. 

Offensichtlich ist vielen nicht bewusst, welch tiefgreifende Probleme das milchige Grau nach sich ziehen kann. Die Weitsicht fehlt. Es ist sicher kein Zufall, dass ausgerechnet Regensburg die Single-Hauptstadt Deutschlands ist. Wie soll man auch jemanden kennenlernen bei dieser Wetterlage? Liebe auf den ersten Blick? Unmöglich. 

Falls es für euch keine Option ist, Hobbyfotograf:in zu werden, um die »schöne Stimmung« auf Instagram zu posten (am besten mit einer nachdenklichen Caption wie »Nebel heißt Leben rückwärts«), bleibt euch nicht viel. Macht euch bereit für die härteste Zeit des Regensburger Jahres. Check in on your friends, besorgt euch Vitamin-D-Tabletten, und bucht eine Reise in den Süden! Flieht, wenn ihr könnt! Der Nebel kommt!


Titelbild © Elisabeth Reiser

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