»Wer bin ich?« – über Identität und Werden
Ein Text über die Suche nach Identität zwischen Fremdbild und Selbstbild. In einem inneren Monolog zeigt die Sprecherin, dass Identität kein fester Zustand ist, sondern ein ständiges Werden.
von Helen Müller
Wer bin ich?
Und wer bist du?
Wer sind eigentlich wir alle?
Bin ich mein Name?
Oder mein Körper – meine Größe, meine Haarfarbe?
Was macht mich eigentlich aus?
Bin ich ich selbst – oder nur das, was andere in mir sehen?
Früher wollte ich Ärztin werden – später den Weg meiner Mutter gehen.
Und jetzt?
Jetzt merke ich, dass das alles gar nichts für mich ist.
Ich habe zwei Jahre damit verbracht, herauszufinden, was ich werden will – und wer ich überhaupt bin.
Welche Werte ich habe, welche ich vertrete. Und ob das überhaupt als »gut« gilt.
Ich hatte viele Meinungen, viele Ansichten. Aber waren sie wirklich meine?
Oder doch eher die der Menschen, mit denen ich mich umgeben habe?
Nach tausend Fragen und Gedanken habe ich ein wenig mehr Sicherheit gefunden
Aber doch kommt manchmal dieser Gedanke:
»Bin ich gerade dabei, mich selbst zu verlieren?«
Muss ich überhaupt zurückblicken, um zu verstehen, wer ich bin?
Oder kommt es nicht viel mehr darauf an, mich zu fragen, wer ich sein will?
Kann man die Frage nach dem »Sein« je beantworten?
Ich weiß nur eins: Ich bin nicht mein Äußeres. Nicht das, was andere in mir sehen.
Ich bin das, was ich vertrete, wie ich rede. Welche Werte ich habe.
Ich bin auch meine Erwartungen – die aus der Vergangenheit und die an meine Zukunft.
Wer ich war, wer ich bin, wer ich werden will – alles verschwimmt.
Und in diesem Schweben zwischen Gestern und Morgen finde ich mich – immer wieder neu.
Und vielleicht reicht das – fürs Jetzt.
Titelbild © Olivia Rabe
