»NYC«
In der Nacht vom 04. auf den 05. November passierte etwas Seltenes in den USA: ein positiver Wandel. Dieser trägt den Namen Zohran Mamdani. 34 Jahre, demokratischer Sozialist, ugandisch muslimischer Einwanderer und somit, wie er sich selbst bezeichnet hat: »Donald Trumps schlimmster Albtraum«.
von Lilly Döring
Zohran Mamdani symbolisiert eine unvorhergesehene Hoffnung, die viele Amerikaner:innen in den letzten Monaten, wenn nicht eher Jahren, erfolglos gesucht haben. Der Staat New York und somit auch die Stadt war schon immer ein unabhängigeres, liberales Stück USA, doch dank Trumps Politik ist Sicherheit kein Gefühl der Langlebigkeit.
Als Mann des Volkes versteht Mamdani, wo New York City herkommt, wer der Kern dieser Stadt ist. Er spricht zu der Arbeitergesellschaft, zu den Besitzer:innen der kleinen Restaurants, Barber-Shops und Supermärkte, zu den Leuten, die unter den hohen Mietpreisen nicht anders können als einknicken, die sich die Stadt, in der sie groß geworden sind, nicht mehr leisten können. Er spricht zu denen, die sich oft gar nicht mehr gehört gefühlt haben.
»Indeed, New York will remain a city of immigrants. A city built by immigrants, a city powered by immigrants, and as of tonight, a city led by an immigrant.«
Seine Kampagne fing leise an, hat Feuer gefangen und ihn innerhalb von einem Jahr an die Spitze katapultiert. In der Stadt hat seine Anwesenheit eine gewisse Omnipräsenz angenommen, da er es sich nicht hat nehmen lassen, sich den Bürger:innen gegenüber nahbar zu zeigen. Stunden von Händen schütteln, reden mit Passanten, drehen von Videos, die sein Social Media fördern – all das und die Hilfe von 40.000 Freiwilligen haben das schier Unmögliche möglich gemacht.
Keine Wahl ohne Kampf
Sein republikanischer Konkurrent Andrew Cuomo, der davor das Amt des New Yorker Gouverneur ausübte, lag anfangs weit vor Mamdani, musste einer Niederlage dann aber ins Auge blicken. Präsident Trump hielt es für angebracht den amtierenden Republikaner durch Spenden zu unterstützen und Mamdani im Gegenzug mit Kürzungen zu drohen. Er bezeichnete Mamdani als »hundertprozentigen kommunistischen Irren«, der auch noch »schrecklich aussieht, eine kratzige Stimme hat und nicht sehr klug ist«.
Doch keine Drohung ist größer als die Bedrohung selbst, die von ihm ausgeht. Und natürlich fühlt sich Trump auf den Schlips getreten, wenn ein nicht gebürtiger Amerikaner, der sich laut gegen seine Parolen ausspricht, seine Geburtsstadt – die ihn groß gemacht hat – führen will. Da kann man schonmal ausfällig werden.
Zohran Mamdanis Ziele sind vor allem das Einfrieren der Mieten, schnellere und kostenlose Busse und eine kostenfreie Kinderbetreuung. Und das höhere Besteuern der Reichen, was wahrscheinlich die härteste Herausforderung werden wird.
Die kreative zweite Hälfte
Komplementär zu Mamdani selbst, hinterlässt auch seine Frau Rama Duwaji einen bleibenden Eindruck. Duwaji hat syrische Wurzeln, aufgewachsen in den USA und Dubai und hat Kunst studiert, welche sie durch ihre Illustrationen und Animationen ausdrückt.
Sie ist mit 28 die bisher jüngste First-Lady von New York, gehört damit auch zur Generation Z – eine erfrischende Abwechslung und ein warmes Gefühl für Mädchen in ihren 20ern in New York. Duwaji hat sich im Wahlkampf ihres Mannes im Hintergrund gehalten und hat ihm vor allem intern bei seiner Social Media Präsenz geholfen, das Logo und den Slogan der Kampagne gestaltet.
Sie hat sich neben ihrem Partner eine starke, unabhängige Existenz aufgebaut, die sie in Publikationen in der Vogue, dem New York Magazin und der BBC gebracht haben. Aus ihren politischen Meinungen macht sie, wie auch Mamdani, keinen Hehl und setzt sich für die palästinensische Befreiung, Gaza und die Frauen im mittleren Osten ein, was unweigerlich einen großen Teil ihrer Kunst beeinflusst.
Duwaji ist eine Frau, die nicht mit der Tradition nebenherläuft, was auch ihre wenigen öffentlichen Auftritte bezeugen. Ihr Stil, ihre kurzen Haare, ihr Unbeirrbarkeit ist ein Puzzleteil, welches dem demokratischen Kampf die Vollständigkeit verleiht. Auch die Beziehung der beiden strahlt diese Stärke und Zuversicht aus, die die Kampagne wie eine Welle vor sich hertreibt (es gab seit 1969 nicht so viele Wahlbeteiligungen wie dieses Jahr!). Auf Hinge kennengelernt, geheiratet 2024, festgehalten in wunderschönen bodenständigen Bildern in der New Yorker U-Bahn. Das »Cool Girl« und der ehemalige Rapper werden New York City formen, sie werden es verbessern, sie werden es leben.
Ich für meinen Teil schaue mit Freudentränen nach New York, bin mitgerissen von dieser Wucht und spüre den frischen Wind quasi bis hier nach Regensburg.
Titelbild © Rama Duwaji
