Ein Text zum Thema »Lassen wir so« der Printausgabe 39 der Lautschrift, verfasst im Rahmen der Schreibwerkstatt (Prof. Dr. Jürgen Deibel) an der Universität Regensburg.
Von Charlotte Schwarz
Die Frage ist nicht, ob du ein schlechter Mensch bist, die Frage ist eher, ob man überhaupt unterteilen kann in gute und schlechte Menschen.
Und ob du wegen einem Fehler dein Leben lang schlecht bleiben kannst.
Oder ob du einfach für mich kein guter Mensch bist, weil du nicht gut zu mir warst. Vielleicht bist du für mich ein schlechter Mensch und für andere ein Guter. Weil du in anderen Leben andere Dinge bewirkt und hinterlassen hast. Vielleicht sind viele für dich dankbar. Ich bin es nicht. Ich versuche, es zu verstehen, aber trotzdem kann ich nichts als dieses miese Stechen fühlen, wenn ich an dich denke. Meine Gedanken an dich sind und bleiben unschön und tun weh. Und ich kann nicht anders, als irgendwie zu denken, ich habe Recht, wenn andere es ähnlich sehen und auch ein Problem mit dir haben.
So langsam akzeptiere ich, dass es keine Absolution gibt, wenn es um Menschen oder überhaupt irgendwas geht. Dass Menschen das ausmacht, was sie tun, aber gleichzeitig nicht nur ihre Fehler sind. Manche Dinge ändern sich nie, aber manche Dinge eben schon. Die Sonne geht jeden Tag neu auf, aber der Himmel sieht immer ein bisschen anders aus dabei. Ich sehe dich vielleicht nicht mehr in einem positiven Licht, aber ich brauche es nicht mehr, dass andere das bestätigen. Es ist okay, wenn du für andere gut bist. Für mich warst du es letztendlich nicht und das ist auch okay. Und vielleicht würde ich dir inzwischen sogar auf der Straße zunicken, wenn wir uns sehen würden. Aber mehr auch nicht.
Alle sagen, Vergeben ist am besten gut für mich selbst. Aber vielleicht muss ich gar nicht vergeben, sondern mich nur nicht daran aufhängen. Oder vielleicht heißt genau das vergeben. Es bleibt immer traurig. Es ist unfair und es bleibt unfair. Aber es macht weder mich noch dich aus. Es ist nur einer deiner Fehler und nicht mein Ende gewesen.
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